500 Millionen Nutzer gehackt: Erhebliche Folgen für Yahoo

23.09.2016, 08:33 Uhr, dpa/kw

Yahoo musste einen Hackerangriff bestätigen, bei dem Daten von mindestens einer halben Milliarde Nutzer gestohlen worden. Dabei könnte es sich um den größten Datenklau der Geschichte handeln. Für Yahoo könnte der Cyberangriff erhebliche Folgen nach sich ziehen.


Es könnte der bisher größte Datenklau sein: Dem Internet-Konzern Yahoo wurden im Jahr 2014 Informationen zu mindestens einer halben Milliarde Nutzer gestohlen. Es gehe um Namen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern, Geburtsdaten und verschlüsselte Passwörter, teilte das US-Unternehmen am späten Donnerstag mit. Nach derzeitigem Kenntnisstand seien keine Passwörter im Klartext oder Kreditkarten- und Bankkonto-Informationen entwendet worden.
 
Dafür könnten aber sowohl verschlüsselte als auch unverschlüsselte Sicherheitsfragen samt Antworten in die Hände der Angreifer gelangt sein. Solche Fragen etwa nach dem Namen des ersten Haustiers oder der Lieblingsfarbe kommen zum Einsatz, wenn ein Nutzer sein Passwort vergisst. Unter Umständen können sie also genauso viel wert sein wie das Passwort selbst. Außerdem gibt es die Gefahr, dass Nutzer auch bei anderen Diensten die gleichen Kombinationen aus Fragen und Antworten ausgewählt haben.


Die Angreifer seien derzeit nicht im Yahoo-Netzwerk, hieß es. Yahoo vermute hinter dem Hack einen Angreifer mit staatlichem Hintergrund - so werden in den USA meist Hackergruppen mit Nähe zu russischen oder chinesischen Geheimdiensten bezeichnet. Details oder eine Begründung dazu gab es nicht. Yahoo erklärte auch nicht, wie die Hacker in die Systeme eingedrungen seien. Der Angriff habe sich wahrscheinlich Ende 2014 ereignet, hieß es lediglich.
 
Nach früheren Informationen hat Yahoo rund eine Milliarde registrierte Nutzer. Wie viele der Profile aktuell aktiv sind, ist unklar.
 
Erste Berichte über einen Datendiebstahl bei Yahoo waren Anfang August aufgekommen, als Hacker behaupteten, Zugang zu 200 Millionen Profilen zu haben und einer von ihnen im Internet die angeblichen Nutzerdaten für weniger als 2000 Dollar im Internet zum Kauf anbot. Dieser Hacker mit dem Namen "Peace" hatte zuvor schon Nutzerdaten des Online-Netzwerks MySpace und der Karriere-Plattform LinkedIn verkauft. Yahoo erklärte damals, man prüfe den Sachverhalt. Jetzt hieß es, der Konzern arbeite mit den Sicherheitsbehörden zusammen. Die Kreditkarten- und Bankkonto-Informationen lagerten in einem anderen System, das nicht betroffen gewesen sei, erklärte Yahoo.
 
Die Frage ist nun, wie sicher die Passwörter verschlüsselt sind und wie viele Profile über die Sicherheitsfragen angreifbar wurden. Nach Informationen des "Wall Street Journal" wurden die Passwörter früher mit dem kryptografischen Algorithmus MD5 verschleiert, der mit modernen Technologien geknackt werden könne. Jetzt hieß es von Yahoo, ein "überwiegender Großteil" sei mit dem Verfahren bcrypt verschlüsselt gewesen. Auch bei ihm diskutieren Experten darüber, wie robust es ist. Vor vier Jahren waren Yahoo rund 450.000 unverschlüsselte Nutzernamen und Passwörter gestohlen worden.
 
Selbst wenn die Angreifer die Passwörter nicht entschlüsseln und damit nicht in die Yahoo-Profile vordringen, können sie auch Daten wie Namen und E-Mail-Adressen für gezielte Phishing-Nachrichten nutzen. Dabei werden Nutzern Passwort-Informationen abgeluchst oder Mails mit infizierten Links untergejubelt, über die dann Schadsoftware auf den Rechnern installiert wird.
 
Bei Yahoo könnte der Datendiebstahl in dieser außergewöhnlichen Dimension auch den Verkauf des Web-Geschäfts an den Telekom-Konzern Verizon erschweren. Verizon erklärte, man werde die Situation ausgehend aus den Interessen des eigenen Unternehmens sowie der Kunden und Aktionäre prüfen. Der Telekom-Riese sei erst vor zwei Tagen von dem Datendiebstahl unterrichtet worden und verfüge nur über eingeschränkte Informationen. Die Yahoo-Übernahme für rund 4,8 Milliarden Dollar war im Juli vereinbart worden.
 
Unklar blieb bisher, seit wann genau Yahoo von dem gewaltigen Datendiebstahl wusste. Nach Informationen der "Washington Post" erhielt das Unternehmen Hinweise im Juli. Yahoo äußere sich aber nicht dazu, ob das vor oder nach Abschluss des Deals mit Verizon geschah, schrieb die Zeitung. In einer Pflichtmitteilung zum Verizon-Deal hatte Yahoo noch am 9. September erklärt, dem Unternehmen sei kein Diebstahl von Nutzerdaten bekannt.
 
Potenziell betroffene Nutzer werden per E-Mail unterrichtet und aufgefordert, ihre Passwörter zu ändern. Die unverschlüsselten Sicherheitsfragen und Antworten würden zurückgesetzt. Yahoo verbessere die Sicherheit der Systeme, zugleich sollten die Nutzer nach verdächtiger Aktivität in ihren Profilen Ausschau halten.
 
In den vergangenen Monaten hatte es in den USA mehrere Hacker-Angriffe gegeben, hinter denen amerikanische Behörden und IT-Sicherheitsexperten Gruppen aus Russland mit Nähe zu Geheimdiensten vermuten. Dazu gehört die Attacke, bei der interne E-Mails der Demokratischen Partei gestohlen wurden, die später im Internet landeten.

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