ARD-Vorsitzender Wilhelm schlägt Vernetzung mit Verlagen vor

14.03.2018, 15:00 Uhr, dpa

Der ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm hat sich für eine Zusammenarbeit mit den Zeitungsverlagen ausgesprochen. Gleichzeitig gab er gewisse Versäumnisse beim Erkennen des Serientrends zu.


Sinnvoll wäre eine Vernetzung der Plattformen, sagte der ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm am Dienstagabend bei einem "Handelsblatt"-Wirtschaftsclub-Gespräch in München. Der ARD sei es gesetzlich verboten, Werbung im Netz zu betreiben. "Aber wir könnten natürlich mit unserer Reichweite den Verlagen dabei helfen, auch eventuell eine Finanzquelle durch gewachsene Werbeumsätze wieder auf diesen vernetzten Plattformen zu bekommen."


Der digitale öffentliche Raum gerate in den USA immer stärker in private Hand, warnte Wilhelm. Reichweite erziele, wer Facebook, Google und YouTube kostenlos seine eigenen, wertvollen Inhalte gebe. "Ein Gegenrezept kann sein, eigene Plattformen zu stärken", sagte der BR-Intendant. "Als die vielen Einzelnen sind wir zu schwach." Aber eine Vernetzung über Deutschland hinaus ermögliche eine "europäische Selbstbehauptung, um auch kulturell tatsächlich überdauern zu können". Neben den Verlagen seien auch Universitäten, Museen und andere Anbieter dafür zu gewinnen.

"Trends zu lange verschlafen"


Im Rahmen des Gesprächs hat Wilhelm ebenfalls zugegeben, dass seine Anstalt den Serientrend zu spät erkannt habe, inzwischen aber aufgeholt hätte. "Wir haben bestimmte Trends zu lange verschlafen. Dass die Serie neben dem Fernsehspiel eine ganz wichtige Kunstgattung ist, das haben uns andere vorgemacht. (...) Da sind wir zu spät aufgewacht."

Nach einigen Jahren zeige nach seiner Ansicht sich jetzt aber, dass Sender, Produzenten und Schauspieler in Deutschland auf Weltniveau Serien wie "Babylon Berlin" anbieten könnten.

Die ARD könne sich dabei auch von Netflix und Amazon Prime abheben, ergänzte BR-Intendant Wilhelm: Bei solchen weltweit agierenden Streaming-Diensten sei genau das Mangelware, was sehr stark mit den Qualitäten der ARD zu tun habe. "Die Verfilmung unserer Literatur, Produktionen mit unseren Schauspielern, von unseren Drehbuchautoren, mit unserer Filmmusik und dergleichen", nannte der BR-Intendant unter anderem als Beispiele hierfür.

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