ARD kritisiert Polizei-Überwachung von MDR-Journalisten

01.11.2012, 16:44 Uhr, fm

Bestürzung bei der ARD: Um das Leck bei der Thüringer Polizei zu finden, dass sich beim Papstbesuch 2011 offenbart hat, überwachten die Beamten scheinbar zwei Redakteure des MDR, denen damals polizeiinterne Informationen zugespielt wurden. Die ARD-Hörfunk-Chefredakteure brachten ihren Protest nun in einem Brief an Thüringens Innenminister zum Ausdruck.


Die Chefredakteure des ARD-Hörfunks werfen der Thüringer Polizei vor, zwei Redakteure des MDR anlässlich des Papstbesuchs 2011 unrechtmäßig überwacht zu haben und haben ihren Protest nun in einem Brief an den Thüringens Innenminister Jörg Geibert (CDU) zum Ausdruck gebracht. Darin sprechen sie von "einen gravierenden Eingriff in den Kernbereich der journalistischen Arbeit, die im Grundgesetz geschützt ist". Immerhin würden derzeit die "Recherchewege und Methoden" von zwei MDR-Journalisten ausgespähnt, um ein Leck in den eigenen Reihen aufzudecken. Das berichtete die "TAZ" am Mittwoch auf ihrem Onlineportal.


Anlass für diesen Schritt gab ein Bericht der beiden Redauteure, der im Vorfeld des Papstbesuchs im September 2011 gesendet wurde. In diesem wurde unter anderem über das Sicherheitskonzept der Polizei berichtet, also vertraulichen Informationen, die den Polizeikreis eigentlich nicht verlassen sollten. Seitdem sucht die Polizei nach dem Leck und hat dafür auch den unter Verdacht stehenden Beamten überwacht. So analysierte die Polizei seine Kontakte mit den entsprechenden Journalisten und forschte sogar in dessen Accounts für soziale Netzwerke.
 
Die ARD-Hörfunk-Chefredakteure brachten in dem Brief ihre "tiefe Sorge" über dieses Vorgehen zum Ausdruck und forderten den Thüringer Innenminister dazu auf, "dieser grundsätzlichen Ausspähung journalistischer Arbeit Einhalt zu gebieten".

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