ARD zu geizig: "Das Boot" nie mehr im Free-TV?

14.09.2018, 10:22 Uhr, rs/tk

Schon seit 2016 gab es den vielleicht besten deutschen Film aller Zeiten nicht mehr bei der ARD zu sehen. Der Grund: Die gebührenfinanzierte Sendeanstalt schuldet dem oscarnominierten Kameramann des Meisterwerks immer noch Geld - und will nicht zahlen.


Kamera-Genie Jost Vacano drehte 1981 Szenen, die selbst Hollywood verblüfften: In rasender Geschwindigkeit hetzen Besatzung und Kamera durch die klaustrophobischen Eingeweide des U-Boots "U96". Die nervenzerfetzende Spannung des weltweiten Sensationserfolgs aus deutscher Produktion kam nicht zuletzt durch die innovative Kamera-Arbeit des mittlerweile 83-jährigen Vacano zustande.


Ein Großteil der restlichen Geschichte ist weithin bekannt: "Das Boot" wurde für mehrere Oscars nominiert - für Regisseur Wolfgang Petersen, Hauptdarsteller Jürgen Prochnow und auch Kameramann Jost Vacano der Startschuss für eine Hollywood-Karriere. Nun zum weniger bekannten Teil der Geschichte, der dazu führen könnte, dass es den cineastischen Meilenstein eventuell nie wieder im deutschen Free-TV zu sehen gibt:
 
Obwohl ein bereits 2002 verabschiedetes Gesetz Mitwirkenden von erfolgreichen Produktionen Tantiemen zuspricht, will die ARD den Kameramann nicht auszahlen. Und das, obwohl "Das Boot" seit seiner Veröffentlichung schon über hundertmal quotenstark gezeigt wurde, das berichtet die Süddeutsche Zeitung. Über 40 Millionen Euro an Einnahmen soll der Film über die Zeit generiert haben - womit auch der Arbeit essenzieller Mitwirkender wie Jost Vacano eigentlich per Gesetz ein neuer Wert beigemessen werden muss. 
 
Seit 2005 kämpft der Ruheständler, der einst für seine Arbeit 204.000 Mark erhalten hatte, nun vor Gericht um seine angemessene Entlohnung. Das OLG München sprach ihm bereits knapp 600.000 Euro zu - doch die ARD will davon nichts wissen: Auch ein Vergleich von 330.000 wurde kompromisslos abgeschlagen. Obwohl sich die öffentlich-rechtliche Sendergruppe die Bezahlung Vacanos durchaus leisten könnte, liegt ein Präzedenzfall in der Luft und bei einem rechtskräftigen Urteil wie auch einer Einigung droht der ARD eine Klagewelle. Deshalb sei man seitens der Medienanstalt lediglich bereit, 25.000 Euro zu zahlen.
 
Das bedeutet für die gebührenzahlenden Zuschauer im Klartext: Die ARD versucht Kulturschaffende und die wahren Finanziers der Projekte - 45 Millionen deutsche Haushalte mit Beitragszahlerkonto - gegeneinander auszuspielen. Während die Öffentlich-Rechtlichen durch die Rundfunkbeiträge hohe Summen einstreichen, sollen erfolgreiche Erzeuger mit geringen Beträgen abgespeist werden. Die von der ARD geschätzte Vergleichssumme wirkt angesichts der Intendantengehälter der gebührenfinanzierten Sender nahezu lächerlich: Selbst Redakteure kassieren bei den Öffentlich-Rechtlichen knapp 10.000 Euro monatlich, berichtet die Süddeutsche Zeitung. WDR-Intendant Tom Buhrow soll sogar knapp 400.000 Euro einstreichen - eine Summe, die bereits heftig in der Kritik stand. Solche lässt man aber in den öffentlichen Medienanstalten an sich abperlen. 
 
Sollte es im Fall Vacano ein rechtskräftiges Urteil geben, muss die ARD gegebenenfalls noch mehrfach tief in die Tasche greifen - das Lautwerden weiterer Forderungen wäre danach mehr als wahrscheinlich. Deshalb stellt sich die Rundfunkanstalt auf Kosten der Gebührenzahler auf stur: "Das Boot" wird nicht mehr bei ARD zu sehen sein.
 
Bei aller bestehenden Kritik an den Rundfunkabgaben scheint es besonders fragwürdig, den gezwungener Maßen zahlenden Haushalten den Ertrag ihrer Gebühr vorzuenthalten. Davon kann Jost Vacano sicher ein Lied singen - seit 13 Jahren läuft das juristische Tauziehen um seine gerechte Entlohnung, ohne Aussicht auf ein Ende.
 

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