Hintergrund • Alle HDTV-Sender empfangen

Hochauflösendes Fernsehen

 erstellt am 29.06.2015 von Thomas Riegler
Hochauflösendes Fernsehen bietet eine um bis zu viermal höhere Brillanz als normales TV in alter SD-Qualität. Um in den Genuss des extrascharfen Fernsehens zu gelangen, reicht es nicht, einfach nur einen tollen HD-Fernseher zu kaufen. Hierfür müssen die Programme auch in HD ausgestrahlt und die HD-Varianten einsortiert werden.

Man möchte meinen, dass seit dem Start der ersten deutschen HD-Programme im Jahr 2006, allgemein bekannt ist, wie man HD empfangen und nutzen kann. Aktuelle Untersuchungen zeigen leider ein ganz anderes Bild und demonstrieren, dass HD längst noch nicht bei allen angekommen ist. Wir zeigen Ihnen, was zu tun ist, damit auch Sie perfekten HD-Genuss erleben können.

HD-Receiver

HD wird nur über die HDMI-Buchse angeboten. Ausschließlich über sie ist die Verbindung zum HD-Fernseher herzustellen
Bild: © Auerbach Verlag/Thomas Riegler
Der HDMI-Stecker ist klein und zierlich. Über ihn wird neben dem HD-Bild auch der Digitalton an den Fernseher weitergegeben
Bild: © Auerbach Verlag/Thomas Riegler

In Zeiten, in denen nur noch HD-taugliche TV-Geräte angeboten werden, möchte man voraussetzen, dass auch nur mehr HDtaugliche Receiver gekauft werden. Aktuelle Untersuchungen belegen aber das Gegenteil! In Deutschland konnte jeder vierte 2014 verkaufte Receiver kein HD empfangen. Selbst in Österreich beherrschten 2014 nur etwas über 90% aller verkauften Receiver HD. Womit das kleine Alpenland sogar Europameister in der HD-Dichte ist.
 
Alleine wenn man bedenkt, dass SD-Boxen vielleicht um eine handvoll Euro billiger als HD-Receiver sind, fragt man sich, warum längst nicht nur noch HD-Receiver verkauft werden. Eine der Ursachen, dass immer noch an die 25% SD-Geräte verkauft werden, liegt im Fachhandel. Für ihn sind SD-Empfänger leichter zu handeln und setzen von ihm weniger Know-How voraus. Dabei dürfte dem Fachhandel längst bewusst sein, dass ab in etwa 4 Jahren viele deutsche Programme ihre SD-Ausstrahlung über Astra einstellen werden. SD-Boxen haben also ein zeitnahes Ablaufdatum.

Boxen richtig anschließen

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Cinch- und Scart-Kabel haben in der HD-Welt nichts verloren. Wer sie heute noch nutzt, muss sich im Klaren sein, dass er nur in SD guckt!
Bild: © Auerbach Verlag/Thomas Riegler

HD-Receiver sind mit einer kleinen flachen, an zwei Ecken abgeschrägten Buchse ausgestattet. Sie ist die so genannte HDMI-Schnittstelle und in der Regel auch als solche beschriftet. Nur sie gibt hochauflösende Programme in HD aus. Für den Genuss von HD braucht es folglich ein HDMI-Kabel, mit der der Receiver am TV-Gerät anzuschließen ist. Receiver verfügen zusätzlich auch noch über analoge Cinch- und Scart-Ausgänge. Diese Standards stammen noch aus der Vor-HD-Ära und sind ausschließlich zur Verteilung von SD-Signalen geeignet. Damit stehen an Scart und Cinch auch alle HD-Kanäle nur in Standardqualität zur Verfügung.
 
Wird eine HD-Box via Scart am HDFernseher angeschlossen, zeigt dieser alle Programme ausnahmslos in SD-Qualität. Selbst dann, wenn die Stationslogos wie ZDF HD, anderes vermuten lassen. Dass HD-Receiver immer noch per Scart am HDTV angeschlossen werden, ist auch Schuld des Fachhandels. Dieser klärt seine Kunden zum Teil immer noch falsch auf und verkauft ihnen auch noch dazu extra die falschen Verbindungskabel.

HD-Programme nutzen

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Um den Receiver wieder auf aktuellen Stand zu bringen, ist ein Sendersuchlauf erforderlich. Je nach Modell sind hierfür verschiedene Schritte nötig
Bild: © Auerbach Verlag/Thomas Riegler

Eine aufschlussreiche Studie aus Österreich belegt, dass viele HD-fähige Haushalte längst nicht alle verfügbaren HD-Programme empfangen. So sehen ServusTV HD 26% aller österreichischen Haushalte. ORFeins HD erreicht nur etwa 25% und ORF2 HD gar nur 11,5%. ATV HD liegt mit 13% etwas darüber. Die unterschiedlichen Reichweiten der HD-Programme haben eine simple Ursache. Jene Sender, die es am längsten in HD gibt, werden auch von den meisten in HD gesehen.
 
Später hinzugekommene HD-Sender werden deshalb nicht empfangen, weil die Zuschauer einfach keinen neuen Sendersuchlauf bei ihren Geräten gemacht haben. Damit sehen sie bis heute vieles weiter in SD, was sie längst ohne Zusatzkosten, Karte und Abo auch längst in HD nutzen könnten. Großangelegte Infokampagnen, sowohl auf den betroffenen TV-Kanälen und in Printmedien scheinen nur wenig dazu beigetragen zu haben. Wir können davon ausgehen, dass die Situation in Deutschland mit der bei unseren Nachbarn vergleichbar ist. Schließlich wurden alleine die Programme von ARD und ZDF in drei Wellen, nämlich 2010, 2012 und 2013, in HD aufgeschaltet. Auch danach folgten noch eine Reihe privater Sender mit ihrer HD-Ausstrahlung.

Sendersuchlauf

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Alle neu gefundenen Programme werden am Ende der Senderliste angereiht. Diese können im Anschluss nach Belieben sortiert werden
Bild: © Auerbach Verlag/Thomas Riegler

Fehlen HD-Kanäle in der Senderliste, ist das ein untrügliches Zeichen, dass schon länger kein Sendersuchlauf mehr vorgenommen wurde. Nur mit ihm bekommt man alles in die Box, was aktuell ausgestrahlt wird. Zum Starten des Sendersuchlaufs ist die Menüoberfläche des Receivers aufzurufen. In ihr ist das Untermenü "Einstellungen" zu starten. Hier findet man als weiteren Menüpunkt "Kanalsuchlauf".
 
Sat- Receiver beherrschen mehrere Arten des Sendersuchlaufs. Am bequemsten ist der so genannte Blindscan. Er sucht vollautomatisch einen ganzen Satelliten ab und ermittelt auch alle Transponder-Übertragungsparameter. Man muss sich also um gar nichts kümmern. Per Blindscan findet die Box alle aktuell ausgestrahlten TV- und Radioprogramme. Der automatische Suchlauf greift auf vorprogrammierte Transponderdaten zu, die er der Reihe nach abarbeitet. Das Problem: Die Transponderlisten älterer Receiver entsprechen nicht dem aktuellen Stand.
 
Neu aufgeschaltete Transponder oder geänderte Übertragungsparameter berücksichtigen sie nicht. Womit sie auch nicht alle Programme finden. Als Ausweg bietet sich der manuelle Sendersuchlauf an. Für ihn muss man allerdings die Übertragungsparameter der gewünschten Kanäle kennen. Die kann man im Internet nachschlagen, wie etwa unter www.digitalfernsehen.de/ Frequenzen.86621.0.html. Solche Frequenzlisten zeigen anschaulich, welche Sender im eigenen Receiver noch nicht gespeichert sind. Auf der Frequenzliste von digitalfernsehen.de können auch Filter gesetzt werden, etwa, um gezielt nach HD-Sendern zu suchen.
 
In der Menüoberfläche des manuellen Sendersuchlaufs sind die Frequenz, Polarisationsart, Symbolrate, FEC, Modulations- und Übertragungsart einzugeben. Anschließend ist der Scan in der Regel durch Drücken der OK-Taste zu starten. Alle neu gefundenen Sender werden am Ende der Kanalliste angereiht. Was übrigens auch beim automatischen bzw. Blindscan-Suchlauf so ist.

Sender sortieren

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Nur wo HD drauf steht, ist auch HD drin. Die HD-Versionen der Sender tragen in der Regel den HD-Schriftzug im Logo
Bild: © Auerbach Verlag/Thomas Riegler

Damit die neuen HD-Sender auch wirklich gesehen werden, sind sie durch ihre SD-Versionen auf den vorderen Plätzen der Kanalliste zu ersetzen. Dazu ist in der Menüoberfläche die Funktion "Kanalliste bearbeiten" (oder ähnlich lautend) zu starten.
 
Ist der Verschiebemodus aktiviert, ist zuerst einer der neu gefundenen HD-Sender am Ende der Kanalliste anzuklicken und mit den Pfeiltasten auf einen der vorderen Plätze zu verschieben. Weiter sind die gleichnamigen SD-Versionen zu löschen. Damit bleibt die Kanalliste wie gewohnt. Der einzige Unterschied zu früher: Die Stationslogos der Programme sind nun um einen HD-Schriftzug erweitert und das Bild ist ungleich schärfer, knackiger und schöner, als man es bislang gekannt hat.

Die Informationen in diesem Artikel basieren auf sorgfältiger Recherche und geben den Sachstand zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung wieder. Spätere Entwicklungen oder Updates sind aus diesem Grund unter Umständen nicht berücksichtigt. Für Hinweise auf möglicherweise überholte Informationen sind wir dankbar.
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Letzte Änderung: Montag, 29.06.2015