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  • Topthema • Alles rund um Kabel Deutschland

  • Vom Staatsmonopolist zum Marktführer

 erstellt am 26.11.2009 von Matthias Wetzel

Deutschlands größter Kabelnetzbetreiber, die Kabel Deutschland GmbH (KDG), ist seit 1999 am Markt und ging aus der Breitbandsparte der Deutschen Telekom AG hervor. Das Unternehmen mit Sitz in Unterföhring bei München betreibt Kabelnetze und Kabelanschlüsse in allen Bundesländern, außer in Hessen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Haupteigentümer ist seit Februar 2006 die US-amerikanische Investmentgesellschaft Providence Equity Partners mit rund 88 Prozent. KDG beschäftigt nach eigenen Angaben rund 2 800 Mitarbeiter in Deutschland.

Das Unternehmen befindet sich weiterhin auf einem Wachstumskurs und hat im Geschäftsjahr 2008/2009 mehrere Hunderttausend neue Abonnements für seine TV-, Internet- und Telefonangebote verkauft
Bild: Kabel Deutschland

Das Standbein des Unternehmens bildet das Kabelgeschäft. Nach eigenen Angaben sind 9 Millionen deutsche Haushalte an das Kabelnetz der KDG angeschlossen. Über ihr Kabelnetz bietet die KDG verschiedene Dienste an. Neben analogen Fernsehprogrammen vermarktet der Konzern auch digitale TV- und Radioprogramme (Digital Home, Digital International) und Pay-per-View-Angebote (Select Kino).
 
Daneben bietet Kabel Deutschland auch Internet- und Telefonanschlüsse über Kabel an. In diesen Geschäftsfeldern konnte das Unternehmen in den letzten Jahren einen stetigen Kundenzuwachs verzeichen. Das größte Wachstum konnte die KDG dabei im Bereich der Kabel-Telefon und -Internetdienste erzielen. Am geringsten stieg die Zahl der Abonnements für das digitale Abo-TV. In der jüngsten Zeit versucht das Unternehmen außerdem, Geschäftsfelder jenseits des Kabels zu erobern.
 
Mit den Angeboten "Mobile Phone" und "Mobile Internet" will das Unternehmen Telefonieren und Surfen für unterwegs anbieten. Da der Markt gesättigt ist wird es auch für KDG immer schwieriger neue Kunden zu gewinnen. Um weiter zu wachsen, setzt das Unternehmen verstärkt darauf, konkurrierende Mitbewerber zu übernehmen. Zwar haben die Wettbewerbshüter eine Fusion mit der Kabelgesellschaft Unitymedia untersagt, doch richtet sich jetzt das Interesse von KDG verstärkt auf kleinere Netzbetreiber.

Der Expansionskurs der letzten Jahre hat jedoch seinen Preis. Trotz eines stetig wachsenden Umsatzes ist der Konzern mit mehr als drei Milliarden Euro verschuldet. Ursache dafür ist nach eigenen Angaben der immense Finanzbedarf für den Ausbau und die Übernahme zusätzlicher Netze und für den Umbau des Unternehmens, sprich Entlassungen innerhalb des Konzerns.
 
Allein die Erweiterung und Modernisierug der Kabelnetze habe den Konzern seit 2005 über eine halbe Milliarde Euro gekostet. Im Unterschied zu vielen anderen Firmen, die in Besitz von Private-Equity-Häusern sind, macht das dem Unternehmen aber kaum Sorgen.
 
Das liegt zum einen an der gesicherten Finanzierung bis 2012 und zum anderen am hohen Cash-Flow, sodass die Firma in drei Jahren vermutlich einen großen Teil der dann fälligen Verbindlichkeiten von 1,5 Milliarden Euro zurückzahlen kann. Der Free-Cash-Flow berechnet sich aus dem Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda), abzüglich der Investitionen.
 
In die Negativschlagzeilen kam das Unternehmen im März 2009, als bekannt wurde, dass Kundendaten unberechtigt an Dritte gelangt waren. Der Kabelkonzern hatte für seine Telefonakquise externe Callcenter mit Kundendaten versorgt, die später in Deutschland und im Ausland aufgetaucht waren.
 
Ende 2009 wurde bekannt, dass Kabel Deutschland dubiose Methoden anwendete, um dem Konkurrenzkonzern Telekom Kunden abzujagen. Einem Bericht der Wirtschaftswoche zufolge schickte die KDG als "Medienberater bezeichnete Außendienstmitarbeiter von Haus zu Haus– ausgestattet wie Techniker mit Werkzeugkoffer und Pegeltester. Sie wollten an den Kabelbuchsen "Signalmessungen zur Qualitätssicherung" für einen besseren TV-Empfang durchführen, behaupten die gut geschulten Verkäufer und verschaffen sich so schnell Zutritt zu Wohnungen, zumal der Test kostenlos ist. In Wirklichkeit sollten diese Mitarbeiter Neukunden für die KDG gewinnen.
 
Die Masche war einfach: Nach kurzen "Messungen" erklärten die Außendienstler dem verblüfften Wohnungsinhaber, dass er, so er als Telekom-Kunde ein "Doppelzahler" sei und mit einem Vertrag von Kabel Deutschland über ein einzige Kabel fernsehen, im Internet surfen und telefonieren könne. Als Quelle nannte das Handelsblatt einen internen Schulungsleitfaden, mit dem Kabel Deutschland die Handelsvertreter auf die Überraschungsbesuche an der Haustür vorbereitete. Nach Angaben des Blattes bekamen die Vertreter pro Neukunde 200 Euro von Kabel Deutschland.

Die Informationen in diesem Artikel basieren auf sorgfältiger Recherche und geben den Sachstand zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung wieder. Spätere Entwicklungen oder Updates sind aus diesem Grund unter Umständen nicht berücksichtigt. Für Hinweise auf möglicherweise überholte Informationen sind wir dankbar.
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Letzte Änderung: Dienstag, 08.06.2010
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