Hintergrund • Altersschwache Antennenkabel

Wenn der Empfang zusammenbricht

 erstellt am 11.10.2010 von Thomas Riegler
Eine Sat-Anlage ist nur so gut wie ihr schlechtestes Glied. An eine gute Antenne, einen guten LNB, einen guten Receiver und, sofern es sich um eine größere Mehrteilnehmeranlage handelt, einen guten Multischalter, denkt man sehr wohl. Aber war da nicht noch etwas? Ja richtig – das Antennenkabel! Auch dieses sollte von guter Qualität sein, um langfristig zuverlässigen Empfang zu gewährleisten. Doch Kabel haben eine Eigenheit: Sie altern und werden dabei immer schlechter.
 
 

Kabelgrundlagen


Die technischen Daten der Antennenkabel kann man zumindest bei bekannten Markenherstellern in deren Katalogen nachschlagen. Die Angaben beziehen sich jedoch auf Neuware. Laut Verordnung dürfen die elektrischen Werte, wie zum Beispiel die Dämpfung, nach zehn Jahren um 10 Prozent schlechter werden. Ob das auch die Kabel wissen, sei einmal dahingestellt. Wie sich über 10 Jahre alte Kabel mit fortschreitendem Alter weiter verhalten, scheint kaum jemanden zu kümmern. Aus schon mehrfach gemachten Praxiserfahrungen wissen wir, dass auch Antennenkabel so etwas wie ein Ablaufdatum ha- 95 ben.
 
Eine der wichtigsten Aufgaben eines Antennenkabels ist, neben der guten Abschirmung, welche äußere Störstrahlungen wie etwa vom Schnurlostelefon abhält, die Dämpfung. Sie gibt an, welchen Widerstand das Kabel dem Satellitensignal entgegensetzt. Die Dämpfung wird in Dezibel pro 100 Meter Leitungslänge angegeben und ist frequenzabhängig. Tiefe Frequenzen werden weitgehend ungehindert vom Kabel übertragen. Je höher die Frequenz ist, umso mehr macht sich der Dämpfungsfaktor bemerkbar. Nehmen wir als Beispiel das aktuelle Antennenkabel LCD 111 von Kathrein. Bei 100 Megahertz (MHz), das ist der UKW-Frequenzbereich, wird das Signal um 5,7 Dezibel (dB) gedämpft. Bei 450 MHz, was dem unteren Ende des UHF-Fernsehbands entspricht, sind es schon 12 dB. Mit 18,5 dB muss man bei 1 000 MHz rechnen. Sie entsprechen etwa dem unteren Ende des Sat-Frequenzspektrums, so wie es vom LNB zum Receiver geleitet wird. Am oberen Ende des Sat-Zf-Frequenzbereichs bei 2 150 MHz beträgt die Dämpfung bereits 28,4 dB. Je älter ein Kabel ist, umso höher sind seine Dämpfungswerte, wobei sich diese vor allem auf hohen Frequenzen negativ bemerkbar machen.
Signalpegelverlauf bei einwandfreiem Antennenkabel, die messwerte sollten deutlich über dem grünen Balken liegen
Bild: Auerbach Verlag

Ein Fall aus der Praxis


Die schlechter werdenden Werte der Antennenkabel nimmt man wegen der Eigenschaften des im Receiver eingebauten Tuners nicht wahr. Egal, ob das Kabel nur eines oder 15 Jahre alt ist, der Empfang funktioniert stets gleich gut. Das ist auch der Zeitrahmen, in dem zumindest gute Kabel unseren Beobachtungen nach zufriedenstellend funktionieren. Das tun sie auch noch, wenn sie 16 oder 17 Jahre alt sind. Ab dann jedoch kann es schnell gehen. Wobei ein eigentlich schon taubes Kabel erst recht spät auffällt. Denn auf den höheren Frequenzen auf Astra senden primär verschlüsselte und wenig attraktive Sender.
 
Die hohen Frequenzen im Ku-Band gibt es übrigens gleich zweimal. Denn der Ku-Band-Frequenzbereich von 10,7 bis 12,75 Gigahertz (GHz) wird vom LNB in zwei Teilbereichen empfangen. Das untere Ku-Band von 10,7 bis 11,7 GHz wird mit einer LNB-Zwischenfrequenz von 9,75 GHz auf 950 bis 2 150 MHz umgesetzt. Das obere Ku-Band von 11,7 bis 12,75 GHz wird mit einer Zwischenfrequenz von 10,6 GHz ebenfalls auf 950 bis 2 150 MHz übertragen. Damit sind die ersten frei empfangbaren Programme, die wegen eines gealterten Kabels nicht mehr empfangbar sind, die österreichischen Sender ORF 2 Europe und Hitradio Ö3 (12,692 GHz) und Canal Club TV aus Spanien (11,686 GHz). Alle anderen Sender laufen indes weiter einwandfrei.
 
Die meisten deutschen Sender werden auf tieferen Frequenzen ausgestrahlt, weshalb sie ebenfalls nicht betroffen sind. Kritisch wird es jedoch, wenn auf Pro Sieben, Sat 1, Kabel Eins und N 24 Klötzchenbildungen und immer häufiger auch Standbilder und kurze Totalausfälle auftreten. Sie signalisieren uns, dass der Mindestsignalpegel auf der Frequenz dieses Transponders (12,545 GHz) erreicht ist. Da hier erstmals einige der beliebtesten Kanäle betroffen sind, wird erst jetzt wahrgenommen, dass etwas nicht stimmt. Ab nun geht es mit dem schlechter werdenden Empfang schnell. Von Woche zu Woche wird man auf weitere Sender verzichten müssen.

Wird die Dämpfung des Kabels zu groß, fallen zuerst die Programme auf den oberen Frequenzen aus
Bild: Auerbach Verlag

Die Informationen in diesem Artikel basieren auf sorgfältiger Recherche und geben den Sachstand zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung wieder. Spätere Entwicklungen oder Updates sind aus diesem Grund unter Umständen nicht berücksichtigt. Für Hinweise auf möglicherweise überholte Informationen sind wir dankbar.
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Letzte Änderung: Dienstag, 09.11.2010