Analogabschaltung im Kabel: Fünf Jahre sind nicht genug?

04.05.2015, 17:33 Uhr, fm

In Sachsen wurde die Analogabschaltung im Kabel erst im vergangenen Jahr auf Ende 2018 verschoben, doch die Zeit scheint für viele Beteiligte zu knapp. Vor allem die Wohnungswirtschaft ist skeptisch und stellt Forderungen, die aber offenbar wenig sinnvoll sind

Über das Ende des Analogzeitalters im Kabel wird hierzulande schon lange diskutiert - und ein Ende ist nicht in Sicht. Termine gab es schon mehrere, passiert ist bisher allerdings nichts, denn die bisher gesetzten Fristen wurden stets wieder verschoben. So auch erst letzten Sommer in Sachsen: Sollte die Analogabschaltung eigentlich Ende 2014 fürs Fernsehen erfolgen, wurde der Termin nun auf Drängen der Netzbetreiber und auch der Wohnungswirtschaft auf Ende 2018 verschoben. Damit haben die Beteiligten fünf Jahre mehr Zeit bekommen, um den Schritt selbst und den Umstiegsprozess für die analogen Zuschauer zu planen. Doch das scheint nicht genug, so der Tenor auf dem Kabel-Panel des Medientreffpunkt Mitteldeutschlands am Montag.


So sprachen sich zwar die Vertreter von Sendern, Netzbetreibern und der Wohnungswirtschaft - wie so oft - klar dafür aus, den Schritt mitgehen zu wollen, ein klares Bekenntnis suchte man allerdings nahezu vergeblich. Vor allem die Wohnungswirtschaft sieht hier ein sehr dickes Fragezeichen, wie Rainer Nowak, Technischer Referent Verband Thüringer Wohnungs- und Immobilienwirtschaft, erklärte. Immerhin werde das analoge Fernsehen nicht umsonst noch so stark nachgefragt.
 
Zu bedenken seien dabei zum einen Haushalte mit begrenztem Einkommen, die sich teurere Angebote schlicht nicht leisten könnten. Zum anderen gebe es viele Senioren, die noch analog schauen, und die mitgenommen werden müssten. Eine Hauruck-Aktion sei hier fehl am Platz. Fraglich ist an dieser Stelle allerdings, ob man bei einer Zeitspanne von gut fünf Jahren überhaupt von einer Hauruck-Aktion sprechen kann und ob man hier die Bereitschaft zur Umstellung bei den älteren Zuschauern nicht unterschätzt. Immerhin ist ein halbes Jahrzehnt zum "mitnehmen" und vorbereiten eine lange Zeit.

Digitalisierungsgrad von 80 Prozent bis 2018 machbar

 

Die Kabelnetzbetreiber zeichnen da schon ein helleres Bild. Wurde im vergangenen Jahr noch gemahnt, dass erst ab einem Digitalisierungsgrad von 80 Prozent darüber nachgedacht werden kann, den Schalter umzulegen, glaubt man bei Kabel Deutschland offenbar daran, dass das bis 2018 zu machen ist, wie Joachim Dölken, Leiter Medienrecht und Medienpolitik beim Kabelanbieter, erklärte. Laut dem letzten Digitalisierungsbericht ist aktuell eine Quote von 65 Prozent erreicht. Bei einer Wachstumsrate von etwa 7 bis 8 Prozent im Jahr könnten bis 2018 die geforderten 80 Prozent erreicht werden. In diesem Fall könne man auch über eine Analogabschaltung zu dem Zeitpunkt nachdenken, so Dölken. Bei Kabel Deutschland strebe man 2018 als groben Fahrplan daher auch an.

 

Generell halten sich die Kabelanbieter allerdings zurück. Man wolle den Schritt zwar mitgehen, wie auf dem Podium betont wurde, wirkliche Eile haben die Netzbetreiber aber offenbar nicht. Immerhin würden die analogen Angebote von Kunden, Wohnungswirtschaft und auch Sendern weiter gut nachgefragt. Als Dienstleister haben die Anbieter daher keine Eile, immerhin orientieren sie sich an den Wünschen der Kunden. Problematisch wird die Frage erst mit Blick auf die über die Kabelleitungen zur Verfügung stehenden Kapazitäten, die mehr und mehr auch von anderen Angeboten wie Internet und Co. aufgezehrt werden.

Dauerhaft unverschlüsseltes SD-Angebot gefordert

 

Die Wohnungswirtschaft stellt dagegen klare Forderungen: Für sie ist eine Analogabschaltung nur dann denkbar, wenn das SD-Signal der Sender dauerhaft unverschlüsselt übertragen wird und damit ein Äquivalent zum analogen Angebot geschaffen wird, das von den Zuschauern keine Zusatztechnik erfordert, so Nowak. Kabel-Zuschauer sollen keinen Nachteil im Vergleich zu Haushalten mit Satelliten-Empfang haben. Hier macht die Wohnungswirtschaft auch Druck auf die Netzbetreiber: Sollten diese ihr kein attraktives Angebot mehr liefern können, könne man die Netze auch selbst wieder in die Hand nehmen - ein Szenario, dass den Kabelanbietern alles andere als gefallen dürfte.

 

Wirklich sinnvoll scheint die Forderung nach dauerhaft unverschlüsselten SD-Signalen aber nicht zu sein. Denn offenbar gibt es gerade bei den Öffentlich-Rechtlichen schon erste Überlegungen, zu Beginn des neuen Jahrzehnts die SD-Verbreitung ihrer Sender einzustellen und fortan nur noch auf HD zu setzen. Auf SD zu pochen wäre daher nicht wirklich sinnvoll.

Nächste Verschiebung in Sicht?

 


Klare Worte fand auch Sebastian Artymiak vom VPRT: Man brauche Planungssicherheit für Kunden, Sender und Netzbetreiber - und das gehe nur mit einem festen Termin, auf den die Beteiligten dann geschlossen hinarbeiten können. Sollte der Schritt bundesweit zu groß sein, könne man auch Inselweise vorgehen und die einzelnen Regionen Schritt für Schritt umstellen. Wichtig sei aber ein klares zeitliches Ziel.
 
Bis es soweit ist, werden aber offenbar noch so einige Monde ins Land ziehen. Denn wie Martin Deitenbeck, Geschäftsführer der Sächsischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (SLM), erklärte, werde ein Termin erst dann festgesetzt, wenn ein Konsens zwischen den Beteiligten gefunden wurde - und das kann angesichts der noch recht gegensätzlichen Positionen durchaus noch eine Weile dauern. Zudem braucht die Wohnungswirtschaft nach dem offiziellen Startschuss mindestens zwei Jahre Zeit für die Umstellung, erklärte Nowak weiter. Damit beginnt der Termin Ende 2018 schon jetzt langsam zu wackeln.

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