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  • Hintergrund • Analoge Abschaltung: Wer zahlt die Kosten?

  • Unklarheit über den Abschalttermin

 erstellt am 10.05.2010 von Marc Hankmann

Der Satellitenbetreiber Astra drückt auf die Tube und rührt für den digitalen Fernsehempfang kräftig die Werbetrommel. Wolfgang Elsäßer, Geschäftsführer von Astra Deutschland, rechnet damit, das letzte analoge Signal im Jahr 2012 abschalten zu können. Das Sorgenkind der Digitalisierung bleibt das Kabel. Es stellt sich die Frage, ob nun jeder für sich fröhlich vor sich hin digitalisiert oder ob ein konzertierter Kraftakt aller Beteiligten mit einem konkreten Abschaltdatum Deutschland aus dem analogen Dornröschenschlaf erweckt.

 
 

Programmanbieter, Plattformbetreiber und Hersteller sind sich darin einig, dass es einen konkreten Abschalttermin geben sollte. Doch dann beginnen auch schon die unterschiedlichen Ansichten, wer diesen Termin für welchen Verbreitungsweg wann festlegen sollte. Diese Fragen sollte das Forum Digitale Medien (FDM) lösen. "Die Arbeit des FDM ist in diesem Punkt gescheitert", resümiert Gerhard Schaas, Vorstandsvorsitzender der Deutschen TV-Plattform (DTVP).
 
In der Arbeitsgruppe Digitalisierung will nun die DTVP eine Strategie für die analoge Abschaltung erarbeiten. Im August wird die AG der TV-Plattform erstmals zusammenkommen. Im ersten Schritt soll eine Roadmap für die analoge Abschaltung via Satellit erarbeitet werden. Eckpunkte für einen Kabelumstieg sollen folgen. Der ZVEI führt ebenfalls Gespräche mit den Marktteilnehmern und hofft, noch in diesem Herbst zu einem Ergebnis zu kommen, um dann auf einen Umstieg hinarbeiten zu können. Allen ist klar: Ohne eine Einigung sämtlicher Marktteilnehmer wird sich nichts in Richtung Analogabschaltung bewegen.
 
Gesprochen wird allerdings schon eine ganze Weile. "Da wird der Ball zwischen den Verantwortlichen, insbesondere Rundfunkanstalten und Netzbetreibern, immer hin- und hergeschoben", kritisiert Ernst Freese, Geschäftsführer von Blankom Digital, die bisherige Uneinigkeit. "Ich persönlich halte einen Komplettumstieg aller Verbreitungswege bis 2015 für realistisch, wenn man sich jetzt darauf einigt, hoffe aber natürlich, dass es noch wesentlich früher wird", sagt Carine Lea Chardon, Leiterin Medienpolitik beim ZVEI.

An Analog-TV gebunden


Jens Gerster, Customer Relationship Manager bei Humax Deutschland, hält den 1. Januar 2012 für machbar. "Was nicht passieren sollte, ist, dass die Umstellung beim Satellitenfernsehen aufgrund der Verzögerungen im digitalen Kabel verschoben wird, nur um ein gemeinsames Datum zu realisieren", so Gerster. Heinz-Peter Labonte vom FRK geht sogar davon aus, dass seine Mitglieder bis 2011 das letzte analoge Signal abschalten werden.

Marktgetriebener Umstieg


Die Kabelnetzbetreiber der Anga wollen sich nicht auf ein Datum festlegen lassen. "Wichtig zu erwähnen ist an dieser Stelle auch, dass die Kabelunternehmen über ihre Verträge teilweise sogar zur analogen Übertragung verpflichtet sind", bringt Ralf Heublein, damals Mitgeschäftsführer der Anga, die Programmanbieter ins Spiel. Kabel BW wünscht sich, dass die TVSender mehr Werbung für digitales Fernsehen machen. "Oft wissen die Zuschauer nichts vom digitalen Angebot oder kennen auch die Zusatzdienste nicht", meint Maurice Böhler, Pressesprecher von Kabel BW.

Böhler spricht sich ebenso wie Heublein für einen marktgetriebenen Umstieg aus. Erst bei einem Digitalisierungsgrad von 80 Prozent kann sich der Anga-Geschäftsführer vorstellen, auf eine analoge Verbreitung zu verzichten. Auch ZDF-Produktionsdirektor Andreas Bereczky hält eine analoge Abschaltung im Kabel erst bei einem Digitalisierungsgrad von 80 bis 90 Prozent für machbar.

Die Informationen in diesem Artikel basieren auf sorgfältiger Recherche und geben den Sachstand zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung wieder. Spätere Entwicklungen oder Updates sind aus diesem Grund unter Umständen nicht berücksichtigt. Für Hinweise auf möglicherweise überholte Informationen sind wir dankbar.
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