Analyse: Dokus kommen eindeutig zu kurz und meist zu spät

12.02.2019, 12:15 Uhr, jrk

"Mangelnde Wertschätzung" gegenüber dem Dokumentarischen - das ist das Fazit der Studie "Deutschland – Doku-Land", die auf der Berlinale vorgestellt wurde.


Der Medien-Journalist Fritz Wolf stellt dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen in seiner zweiten Erhebung zu Dokumentationen im TV ein unbequemes Zeugnis aus. Denn die Öffentlich-Rechtlichen haben einen Informations-, Bildungs- und Kulturauftrag zu erfüllen, der mit dem derzeitigen Programmangebot nicht immer abgedeckt wird, wie Wolf im Gespräch mit der "taz" betont.


Der Medienforscher hat in seiner Studie herausgefunden, dass auf den ersten Blick unzählige Produktionen aus allen Spielarten des dokumentarischen Film- und Fernsehschaffens im Fernsehen laufen. Bei genauerem Hinsehen stelle sich aber heraus, dass beispielsweise beim langen Dokumentarfilm im untersuchten Halbjahr rund 60 Prozent der Ausstrahlungen in den Kulturkanälen 3sat und Arte, aber nur zwei beziehungsweise ein Prozent im ARD- und ZDF-Hauptprogramm stattfinden.

Die von der Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst und dem Grimme-Institut unterstütze Untersuchung "Deutschland - Doku-Land" schließt an ähnlich gelagerte Untersuchung von 2003 an. Wolf konstatiert eine starke Zunahme von durchformatierten Programmen. Waren im Untersuchungszeitraum 2002/2003 bereits zwei Drittel aller dokumentarischen Sendungen formatiert, stieg dieser Anteil auf jetzt rund 80 Prozent an.

Wolf weißt in seiner Studie darauf hin, dass nur sieben Prozent der dokumentarischen Arbeiten gesellschaftspolitisch relevante Themen behandeln und gerade einmal drei Prozent sich mit Wissenschaft und Technik beschäftigen.

Gesellschaftspolitische Themen würden im langen Dokumentarfilm verhandelt, der aber fast durchgehend ins Spätprogramm abgeschoben sei. Jeder sechste ist laut der Untersuchung erst nach ein Uhr nachts zu sehen.

Die AG DOK sieht durch die neue Studie bestätigt, was der Leipziger Verfassungs- und Medienrechtler Prof. Gersdorf bereits im Herbst vergangenen Jahres in seinem Gutachten zum Rundfunkauftrag forderte: Eine stärkere Akzentuierung des Funktionsauftrags zu Gunsten der vernachlässigten Themenfelder Information, Bildung und Kultur in den Staatsverträgen ist seiner Ansicht nach nicht nur verfassungsrechtlich möglich, sondern angesichts der heutigen Programmgestaltung sogar geboten.

Die AG DOK fordert daher, dass ARD und ZDF dem Dokumentarfilm endlich feste Sendeplätze in der so genannten Prime-Time einräumen und den zuständigen Redaktionen bessere Budgets einräumen sollten.

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