Anstatt DAB Plus: Niedersachsen will künftig auf 5G setzen

20.06.2019, 15:25 Uhr, bey

Im niedersächsischen Landtag passierte heute womöglich richtungsweisendes für das deutsche Digitalradio. Der Verband Privater Medien, Vaunet, begrüßt die neue Entwicklung.


Der niedersächsische Landtags hat einstimmig beschlossen, statt auf eine DAB-Plus-Verbreitung für das Radio zukünftig auf eine breitbandige Internetverbreitung, wie sie der neue 5G-Standard zukünftig bieten wird, zu setzten. Der Antrag hierzu war von der FDP-Landtagsfraktion eingebracht worden und war bereits vor der Abstimmung auf fraktionsübergreifende Zustimmung gestoßen. Der Verband Vaunet erfreut dies ausdrücklich.


Klaus Schunk, Vorsitzender des Fachbereichs Radio und Audiodienste im Vaunet und Geschäftsführer von Radio Regenbogen, sagte: "Der Niedersächsische Landtag hat einen richtungsweisenden Beschluss gefasst, der über die Landesgrenzen hinaus Wirkung haben wird. Er hat die richtigen Schlüsse aus dem Festhalten an einer Technologie gezogen, die sich im Markt trotz langjähriger Werbekampagnen nicht durchsetzt und weit hinter den Möglichkeiten von digitalen Verbreitungswegen zurückliegt."

Gerade die Investitionen, die die privaten Radioveranstalter für DAB Plus aufbringen müssen, seien laut Schunk enorm. Im Gegensatz zu den öffentlich-rechtlichen Radiostationen, die von 2017 bis 2025 über eine halbe Milliarde Euro aus dem Rundfunkbeitrag für den Umstieg zu DAB Plus erhalten, müssen die Privaten ihre Investitionen hier komplett aus ihren Werbeerlösen aus der UKW-Verbreitung finanzieren.

"Sollte die Politik weiter auf die falsche Karte setzen, würde sie die Zukunft des Hörfunks verspielen"


Schunk weiter: "Das ist de facto nicht zu stemmen. Zu den Anforderungen an ein digitales Radio gehört heutzutage die Möglichkeit der Individualisierbarkeit, der Adressierbarkeit, der unmittelbaren Interaktivität, das Einbinden von Videos und noch mehr. All das bietet DAB Plus schlicht und einfach nicht. Sollte die Politik hier weiter auf die falsche Karte setzen, würde sie die Zukunft des Hörfunks verspielen.

Insofern sei der Beschluss des niedersächsischen Landtags "klug, zukunftsweisend" und er orientiert sich laut Schunk an der tatsächlichen Nutzung der Radiohörer und den Wünschen der privaten Medienunternehmen.

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