Aufteilung der Bundesliga-Pay-TV-Rechte – Machen die Fans mit?

25.01.2016, 15:07 Uhr, Eine Kolumne von Florian Hellmuth

Es wird viel diskutiert, auch in unserem Forum. Unser Kolumnist beschäftigt sich mit der Frage, ob die Fans bei einer Teilung der Pay-TV-Pakete zusätzliches Geld investieren würden.


Für Bundesliga-Fans, die alle Bundesliga-Spiele live sehen wollen, könnte es zukünftig deutlich teurer werden. Geht es nach dem Kartellamt, werden die Pay-TV-Rechte ab der Saison 2017/2018 aufgeteilt. Würde bedeuten: Sky könnte nicht mehr alle Partien live zeigen, sondern müsste sich die Spiele mit einem Konkurrenten teilen. Ein zusätzliches Pay-TV-Abo wäre daher nötig.


In dieser Kolumne möchte ich aber nicht die unzähligen Szenarien aufzählen, sondern nur einer Frage nachgehen: Wären die Bundesliga-Fans bereit, zusätzliches Geld zu investieren, um weiterhin alle Spiele live zu sehen?
 
Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Wer in den vergangenen Jahren die Möglichkeit hatte, alle Bundesliga-Spiele zu schauen, der will dies auch zukünftig. Ich bin mir dennoch sicher: "Nicht um jeden Preis". Ein Fußballfan ist zwar bereit, für seinen Verein und seinen Lieblingssport in die Tasche zu greifen, aber auch nur bis zu einem bestimmten Punkt.
 
Anders als in England schauen viele deutsche Pay-TV-Abonnenten auf jeden Euro. Der VoD-Markt zeigt zwar, dass vor allem Film- und Serienfans bereit dafür sind für guten, exklusiven Content zusätzliches Geld auszugeben, dennoch gehe ich davon aus, dass die Vielzahl der Pay-TV-Kunden nicht einsehen werden, für die "gleiche" oder ähnliche Leistung, mehr Geld zu investieren.


Ausschlaggebend für die Entscheidung ist natürlich der Preis. Die Schmerzgrenze derer, die bereit wären ein Angebot bei einem zweiten Anbieter zu abonnieren, läge wohl bei 10 bis 15 Euro im Monat. Allein die Bundesliga würde den Meisten aber wohl auch nicht reichen. Der zweite Anbieter müsste also zusätzlichen Content einkaufen oder bereits im Angebot haben, damit neue Kunden generiert werden können.
 
Nicht immer ist dieser Weg auch erfolgreich. Arena als Beispiel zeigte damals unter anderem die spanische Primera Division zusätzlich zur Bundesliga. Wie das ausging, wissen wir alle.
 
Einen Garant für Erfolg wird es nicht geben. Für die Liga ist das ohne Frage ein Risiko, aber wer deutlich mehr Geld generieren möchte, muss dieses Risiko eingehen.
 
Unsere kurze Umfrage bei Twitter brachte übrigens dieses Ergebnis: 70 Prozent würden kein zweites Pay-TV-Abo abschließen, um alle Bundesliga-Spiele live verfolgen zu können. Für 22 Prozent ist alles eine Frage des Preises, während nur acht Prozent auch ein zweites Abo in Kauf nehmen würden.


In Zeiten, wo alles teurer wird, die Angebote vielschichtiger werden, ist die Frage wirklich angebracht, ob in Deutschland zwei Pay-TV-Anbieter für die Bundesliga-Rechte auf "Dauer" funktionieren würden. Der Markt in Deutschland ist nicht vergleichbar mit England. Eine 1:1-Kopie würde hier nicht funktionieren.
 
Was bei diesen ganzen Diskussionen rund um die Bundesliga-Rechte so ein bisschen hinten abfällt sind die Fans. Machen diese die Geldspiele nicht mit, erleben wir ein Arena 2.0. Die Bundesliga würde einen weiteren Schaden nehmen. Dabei könnte die Bundesliga stolz darauf sein, einfach "anders" zu sein als andere Ligen. Wir haben ein Konstrukt, welches im Großen und Ganzen funktioniert. "Immer mehr, immer weiter." Es kann funktionieren, aber auch groß in die Hose gehen.

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