Bahn will Entschädigungsanträge digitalisieren

16.03.2019, 13:08 Uhr, Andreas Hoenig/dpa

Entschädigungsanträge kann man bei der Bahn bisher nur umständlich per Brief stellen. Das soll sich nun ändern. Der Zugfunk ist zwar schon digital, muss aber erneuert werden. Dabei will man auf umstrittene Huawei-Technik setzen.


Die Bahn will auch bei Anträgen für Entschädigungen bei Zugverspätungen ins Online-Zeitalter - mit komplizierten Formularen soll dann Schluss sein. "Es ist verständlich, dass das derzeitig praktizierte Entschädigungsverfahren von unseren Kunden als nicht mehr zeitgemäß empfunden wird und diese sich einfache Lösungen wünschen", sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Die Bahn wolle den Entschädigungsprozess vereinfachen und arbeite an notwendigen technischen Voraussetzungen für eine digitale Prozessvariante.

Unklar ist, ab wann ein digitaler Entschädigungs-Antrag möglich ist. "Die Digitalisierung des Fahrgastrechteprozesses ist allerdings sowohl fachlich wie technisch komplex und erfordert daher noch etwas Zeit", sagte der Sprecher. Der bundeseigene Konzern stehe bei dem Thema im Kontakt mit dem Verbraucherschutz- sowie dem Verkehrsministerium.


Immer mehr Reisende der Bahn nehmen inzwischen ihre Rechte wahr: 2,7 Millionen Reisende füllten im vergangenen Jahr das Fahrgastrechte-Formular aus, 50 Prozent mehr als 2017. Im vergangenen Jahr zahlte das bundeseigene Unternehmen früheren Angaben zufolge im Nah- und Fernverkehr für Entschädigungen insgesamt 53,6 Millionen Euro.

Bei der Entschädigung gilt: Kommt der Reisende mindestens eine Stunde zu spät, erhält er auf Antrag ein Viertel des Fahrpreises zurück. Ab zwei Stunden ist es die Hälfte.

Umstrittene Huawei-Technik für Zugfunk-Erneuerung


Für ihren digitalen Zugfunk die Deutsche Bahn will derweil Technik des umstrittenen chinesischen Netzwerk-Ausrüsters Huawei einsetzen. Einen entsprechenden Bericht des "Handelsblatts" bestätigte ein Bahn-Sprecher am Freitag. 2015 hätten der Technologie-Konzern aus China und die Bahn einen entsprechenden Vertrag geschlossen. Hintergrund ist, dass das digitale Bahn-Funknetz erneuert werden soll. Auch Nokia soll dafür Technik liefern.

Vor allem in den USA steht Huawei unter Spionageverdacht. Es gibt unter anderem den Vorwurf, das Unternehmen stehe der chinesischen Regierung zu nahe und könne von Behörden zur Zusammenarbeit gezwungen werden. Das Unternehmen weist die Anschuldigungen zurück. Auch in Deutschland wird derzeit diskutiert, ob Huawei vom Aufbau der superschnellen 5G-Netze ausgeschlossen werden soll. Die Bundesnetzagentur hatte im Zuge der Diskussionen angekündigt, die Anforderungen zur Sicherheit von Telekommunikationsnetzen zu verschärfen - was Huawei den Weg in deutsche Mobilfunk-Netze erschweren könnte.

Das Funknetz der Deutschen Bahn sei ein hochsicherheitsrelevanter Bereich, sagte der Bahn-Sprecher. Deshalb durchlaufe die Huawei-Technik seit der Vertragsschließung 2015 "extrem aufwendige" Prüfungen. Diese Prüfungen seien Standard in diesem sensiblen Bereich und erfolgten unabhängig von den aktuellen politischen Diskussionen.

"Noch keine einzige Komponente von Huawei ist verbaut", so der Sprecher. Denn die Prüfungen seien noch nicht abgeschlossen. Das Funknetz, in dem Huawei-Technik für rund eine halbe Milliarde Euro verbaut werden soll, heißt GSM-R (Global System for Mobile Communications Railway). Es steuert nicht nur die Kommunikation der Bahn-Mitarbeiter, sondern auch die Datenübertragung etwa bei der Leit- und Sicherheitstechnik.

Wenn sich an der Sicherheitseinschätzung oder der Gesetzeslage etwas ändere, werde man das berücksichtigen, sagte der Sprecher.

  • Gefällt mir