Braucht das Fernsehen einen neutralen Startbildschirm?

05.05.2014, 20:37 Uhr, ps

Immer mehr Inhalte drängen auf den TV-Bildschirm und selbst einzelne Gerätehersteller fungieren mittlerweile faktisch als Plattformbetreiber uns stellen eigene Startbildschirme und Benutzeroberflächen zur Verfügung. Beim Medientreffpunkt Mitteldeutschland diskutierten Vertreter von Sendern und Netzbetreibern über Ansätze zu einer neuen Regulierung.


Das Fernsehangebot ist im Zuge der Digitalisierung deutlich vielfältiger geworden. Neben zahlreichen Sendern buhlen nun auch unzählige weitere Videoplattformen um den Platz auf dem Bildschirm und damit die Aufmerksamkeit des Zuschauers. Während die TV-Sender und die klassischen Plattformbetreiber in Deutschland streng reguliert werden, unterliegen Online-Angebote jedoch häufig keiner medienrechtlichen Regulierung. Ein unausgewogenes System also, in dem sich dir Frage nach einer neuen Plattformregulierung stellt.


Diskutiert wurde diese auf dem Medientreffpunkt Mitteldeutschland. Dabei wies ZDF-Justiziar Peter Weber auf den Umstand hin, dass mittlerweile auch Endgerätehersteller wie Samsung oder Panasonic de facto Plattformbetreiber seien, weil sie durch ihre TV-Portale den Zugang zu bestimmten Inhalten regeln würden. Für die Sender sei es wichtig, auch gegenüber solchen Marktteilnehmern den diskriminierungsfreien Zugang zu den Plattformen und den Schutz ihrer Signale durch Überblendungen und Veränderung zu gewährleisten. Die unterschiedlichen Benutzeroberflächen, die teilweise gerätespezifisch und teilweise geräteübergreifend seien, müssten endlich reguliert werden.
 
Diese Ansicht teilte weitgehend Eva-Maria Sommer, Referentin der Mediengruppe RTL. Ihrer Meinung nach müsste das Medienrecht dafür sorgen, dass bestimmte Inhalte, wie etwa Nachrichten, auch werbefrei beim Zuschauer ankommen, wenn die Sender schon die Pflicht hätten, dieser ohne Werbung zu produzieren. Es würde keinerlei Sinn machen, Inhalte ohne Werbung anzubieten, wenn diese letztlich etwa auf dem Smart TV durch einen Werbebanner überblendet würden.
 
"Gibt es einen Anspruch auf die alleinige Nutzung des Bildschirms durch einen Sender?", fragte Wolf Osthaus, Senior Vice President Regulatory & Public Policy beim Kabelnetzbetreiber Unitymedia Kabel BW. Seiner Meinung nach sollten nicht die Interessen der Sender, sondern die der Nutzer im Vordergrund stehen. Es sei illusorisch zu glauben, dass man internationale Player wie Google einer deutschen Medienordnung unterwerfen könnte. Stattdessen sollte man versuchen, die eigenen Nutzungserlebnisse und Benutzeroberflächen ebenso attraktiv zu gestalten. Ähnlich argumentierte auch Jörg Meyer, Vice-President im Bereich Content & Consumer bei Zattoo. Seiner Meinung nach sein eine Regulierung der unterschiedlichen Endgeräte kaum möglich, weil es schlicht eine unzählige Anzahl von Geräten gäbe.
 
Erstaunlich offen für neue Ansätze zur Medienregulierung zeigte sich Lutz Reulecke, Vice President Regulatory Affairs & Public Policy bei Sky Deutschland. Der Pay-TV-Anbieter betrachte sich laut seiner Aussage selbst als Plattformbetreiber und nicht nur als Programmveranstalter. Ins Gespräch brachte er etwa ein Modell, bei dem sich einzelne Wettbewerber freiwillig bestimmten Regularien unterwerfen könnten und dafür ein entsprechende Vorteile bekommen würden. Auch die Idee einer objektiven Benutzeroberfläche für alle TV- und Videoinhalte warf Reulecke in die Runde. ZDF-Justiziar Weber entgegnete, dass eine solche Anreizregulierung gut als Ergänzung funktionieren könnte, jedoch nicht das einzige Instrument für eine Medienregulierung sein dürfe.
 
Ein Patentrezept für eine zukünftige Medienregulierung scheint keine der beteiligten Parteien in Petto zu haben. Immerhin ist man sich weitgehend einig, dass der Gesetzgeber in der Pflicht sein, endlich auf den sich verändernden Medienkonsum zu reagieren und die Regularien anzupassen. 

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