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  • Chef der WAZ-Gruppe poltert gegen Öffentlich-Rechtliche

26.08.2011, 15:04 Uhr, ar

Der Geschäftsführer der WAZ-Mediengruppe, Christian Nienhaus, hat in einem medialen Rundumschlag schwere Vorwürfe gegen den WDR und den Umgang der ARD-Anstalt mit Politikern und Gebührengeldern erhoben.


In einem Interview mit der konkurrierenden "FAZ" (Freitagsausgabe) behauptete Nienhaus, Politiker in Nordrhein-Westfalen sähen sich durch den Westdeutschen Rundfunk unter Druck gesetzt. "Sie haben Recht, aber ich lege mich mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht mehr an" hätten ihm führende Volksvertreter unter vier Augen gesagt. Im NRW-Landtag sei Abgeordneten angedroht worden, wenn sie gegen die Mediengebühr stimmten, werde das Folgen in der WDR-Berichterstattung haben, so der WAZ-Manager.

 
Auch sonst ließ er kein gutes Haar am früheren Kooperationspartner. Der WDR habe für die "WAZ"-Website "immer nur veraltete Beiträge zur Verfügung gestellt". Diese seien kaum geklickt worden. Ziel der Zusammenarbeit im Onlinebereich sei offenbar lediglich gewesen, die Verleger ruhigzustellen. Mit den Millionen des Staatsrundfunks könne sein eigener Online-Auftritt nicht konkurrieren, echauffierte sich Nienhaus.

Aus diesem Grund sieht der Zeitungsmanager auch die im Juni angekündigte Klage sieben großer Verlage gegen die "Tagesschau"-App der ARD als gerechtfertigt an. Man könne nicht ein Sportportal kostenpflichtig machen, wenn in der "Sportschau" nicht nur alles gezeigt, sondern eben auch beschrieben werde, so der WAZ-Mann. Im Internet bewege sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk in einem Bereich, "den wir bespielen müssen, um zu bestehen". Wenn ARD und ZDF einfach nur Videos bereitstellen würden, könne man damit leben. "Aber was die alles machen: Partnerschaftsportale, Jugendseiten, alles Mögliche!"

 
Der Klageweg ist dabei nach Einschätzung von Nienhaus die einzige Möglichkeit, um der öffentlich-rechtlichen Expansion im Internet Einhalt zu gebieten: "Es macht keinen Sinn mit den Intendanten zu verhandeln. Der Zug fährt bei denen nach der Methode: Freundlich verhandeln, aber gleichzeitig machen wir einfach stur weiter". Alle Verleger hätten längst das Stadium der Ernüchterung erreicht. 
 
Zu den Verlagen, die gegen die "Tagesschau"-App vor das Kölner Landgericht ziehen, gehört neben der von Nienhaus vertretenen WAZ-Gruppe auch die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". 
 
Update 15.41 Uhr: Funktionsbezeichnung von Nienhaus nach Hinweis der WAZ-Unternehmenskommunikation berichtigt: Nienhaus ist nicht WAZ-Geschäftsführer, sondern Geschäftsführer der WAZ-Gruppe
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Thunderball
Thunderball · Foren-Gott · DF-Forum
Schon geil, wie man den (nun wohl ehemaligen) Partner so in den Rücken fallen kann.


Naja, was erwartet man auch von einem Verlag, der solche Qualitätszeitungen wie:

"Echo der Frau"
"Frau im Spiegel"

unter sich hat.
 
Burkhard1
Burkhard1 · Junior Member · DF-Forum
Der Mann hat völlig recht. Der Expansion des ÖRR muss endlich einhalt geboten werden.
 
Thunderball
Thunderball · Foren-Gott · DF-Forum
Welche Expansion?

Seit JAHREN gibt es keine neuen Sender.

Und das der ÖRR mit der Zeit geht und ihre Onlineangebote auch auf Smartphones anbietet ist sicherlich kein Weltuntergang. Auch ein ÖRR muss mit der Zeit gehen.


Aber dann könnten die privaten Verlage ja nicht mehr 5 € pro Monat für eine App verlangen und müssten auch mal wieder journalistische Qualität bieten um Leser zu bekommen .

Komischerweise haben auch nur die Verlage mit dem ÖRR ein Problem, die ihren journalismus immer schlechter werden lassen...
 
emtewe
emtewe · Foren-Gott · DF-Forum
Was für eine Expansion?
Das Internet ist einfach ein neues Medium, welches die Sender gefälligst zu nutzen haben, das verlangen die Zuschauer nunmal. Wenn schon Pizzabäcker und Frisöre eigene Webseiten unterhalten, kannst du die Nuztung dieser Dienste den Fernsehsendern doch wohl kaum vorenthalten, oder? Wenn es dich stört, dass die Sender im Internet präsent sind, dann schaff doch das Internet ab. Die Sender müssen jedenfalls mit der Zeit gehen, und die aktuellen Verbreitungswege nutzen, da führt kein Weg dran vorbei. Und das beinhaltet natürlich auch Apps für Smartphones. Hoffentlich gibts irgendwann Mediatheken Apps, und auch ein Nachrichtenapp vom ZDF und dem WDR.

Gruß
emtewe
 
michaausessen
michaausessen · Gold Member · DF-Forum
Sorry, aber dieser Christian Nienhaus ist ein allenfalls drittklassiger Manager, den die WAZ-Mediengruppe 2007 von der "Bild"-Gruppe abgeworben hat, wo man ihn in der Zeit danach nicht sonderlich vermisst haben dürfte. Fakt ist, dass die Tageszeitungen der WAZ-Gruppe (WAZ, NRZ, WR, WP, IKZ) zu den am schlechtesten gemachten regionalen Abozeitungen Deutschlands gehören. Das, obwohl oder gerade weil die WAZ in weiten Teilen ihres Verbreitungsgebietes quasi Monopolist ist und weder Konkurrenz noch Wettbewerb zu fürchten hat.

Zu den ersten Maßnahmen, die Christian Nienhaus bei der WAZ-Gruppe durchgeboxt hat, gehörte die Umfangsreduzierung der Tageszeitungen von 40 bis 52 Seiten auf 24 bis maximal 32 Seiten ab Oktober 2008. Kurz darauf leitete die Geschäftsführung der WAZ-Mediengruppe, bestehend aus Ex-Kanzleramtsberater und Ex-Balkanbeauftragter Bodo Hombach sowie Ex-"Bild"-Mann Christian Nienhaus, ein "Kostenoptimierungsprogramm" in die Wege, dem 300 Stellen in den Redaktionen und über 500 weitere in der Verwaltung und im Vertrieb zum Opfer fielen. Die für den Leser bis heute spürbaren Folgen: Ein massiver Qualitätsverlust bei der Berichterstattung und dem Leserservice, der dank Schließung zahlreicher Geschäftsstellen praktisch gar nicht mehr vorhanden ist. Für die WAZ-Titel wiederum hatten die Sparmaßnahmen einen radikalen Absturz der Auflagen zur Folge. So sank die Gesamtauflage der o. g. Titel in der Zeit zwischen 2007 (dem Zeitpunkt des Amtsantrittes von Christian Nienhaus) und heute von einst täglich über 1 Million auf deutlich unter 800.000 Exemplare. So ein dickes Minus hat trotz Internetkonkurrenz keine andere Zeitung oder Verlagsgruppe in Deutschland eingefahren. Ganz im Gegenteil: Während die WAZ-Gruppe zuletzt (im Vergleich zwischen dem 2. Quartal 2011 und 2010) ein Auflagenminus von rund 5% einfuhr, blieben die Auflagen anderer regionaler Abozeitungen - z. B. die der Nordwest-Zeitung in Oldenburg - nahezu stabil.

Es ist ein Witz wenn Herr Nienhaus glaubt, dass die Auflagen der Tageszeitungen - insbesondere die der WAZ-Gruppe - anstiegen oder nicht weiter sänken, würden ARD und ZDF auf ihre Internetauftritte und die "Tagesschau"-App verzichten. Im Gegenteil: Die junge Generation haben die Verlage bereits an das Internet verloren. Die Älteren hingegen lesen meist noch eine Tageszeitung und informieren sich darüber hinaus über das Fernsehen, Radio und Internet.

Bleibt zu hoffen, dass die Klage der Verlage gegen die "Tagesschau"-App abgeschmettert wird.
 
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