Das Kabel ist gefragt wie nie

28.01.2014, 10:07 Uhr, ps

Liberty Global übernimmt Ziggo und Vodafone zeigt Interesse am spanischen Kabelnetzbetreiber Ono. Auch in Deutschland schreitet die Konsolidierung des Marktes voran. Das Kabel scheint bei Investoren und Unternehmen attraktiver zu sein, als je zuvor. Doch was macht die Infrastruktur so gefragt?


Ex-Telekom-Chef René Obermann dürfte seinen Anfang Januar angetretenen Job als Geschäftsführer des niederländischen Kabelnetzbetreibers Ziggo bereits in Kürze wieder los sein. Wie am Montag bekannt wurde, soll der US-Konzern Liberty Global, der bereits mit 29 Prozent an Ziggo beteiligt ist, diesen nun vollständig übernehmen. Obermann selbst möchte das Unternehmen nach der Fusion wieder verlassen. Laut Medienberichten soll er bereits eine neue Stelle als Chef bei der Lufthansa in Aussicht haben.


Die Nachricht der Übernahme von Ziggo durch Liberty Global war jedoch nicht die einzige aus dem Kabelnetzsektor, die am Montag die Runde machte. So soll auch Vodafone nach Informationen von "Bloomberg" weitere Expansionspläne auf dem europäischen Markt hegen und an der Übernahme des spanischen Netzbetreibers Ono interessiert sein, welcher an den Börsen derzeit mit 6,4 Milliarden Euro bewertet wird. Gespräche zwischen beiden Unternehmen sollen bereits laufen. Ob es auch hier zu einer Übernahme kommen wird, ist nicht klar. Auch dieser Vorgang zeigt jedoch: Die allgemeine Attraktivität des Kabels scheint für Investoren so hoch zu sein, wie nie zuvor.
 
Erst im September 2013 hatte Vodafone in einem großen Coup den deutschen Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland geschluckt und ist damit nach der Deutschen Telekom zur Nummer zwei der Festnetzanbieter in Deutschland aufgestiegen (DF berichtete). Tele Columbus hatte im November verlauten lassen, die "Kriegskassen" für einen weiteren Expansionskurs gut gefüllt zu haben und in der vergangenen Woche hatte zudem die Primacom, hinter welcher Investoren aus Luxemburg stehen, angekündigt, durch Übernahmen kleinerer Kabelanbieter expandieren zu wollen. Ob im großen oder im kleinen Rahmen: Die Konsolidierung des Kabelsektors schreitet voran.
 
Für die Investoren, die Milliardensummen in die Übernahmen pumpen, geht es dabei um mehr als nur den Breitband-Markt. Interessant sind die Kabelnetze vor allem, weil die meisten angeschlossenen Haushalte über diese bereits versorgt werden - wenn nicht mit Breitband-Internet, dann häufig zumindest mit TV-Programmen. Das Wachstumspotential liegt hier vor allem darin, den bereits vorhandenen Kunden auch die zusätzlichen Dienste Internet und Telefonie schmackhaft zu machen und dank der leistungsfähigen Infrastruktur, die bei ausgebauten Netzen zumindest theoretisch Übertragungsgeschwindigkeiten zwischen 100 und 200 MBit/s möglich macht, die klassischen Telekommunikationsanbieter auszustechen. Diese müssen, wie im Falle der Deutschen Telekom, erst den Ausbau ihrer Netze mit Glasfaserleitungen vorantreiben, um eine ähnliche Leistungsfähigkeit zu erreichen.  
 
Das Geschäft verspricht dabei sogar aufzugehen, wenn die Zahl der klassischen TV-Kunden zurückgeht. Größere Gewinne und vor allem eine engere Kundenbindung versprechen sogenannte Triple-Play-Pakete, die alle wichtigen Dienste (Fernsehen, Internet, Telefonie) vereinen. Denn Kunden, die in allen drei Bereichen von einem Anbieter versorgt werden, tun sich in der Regel schwerer, diesen zu wechseln. Ein weiteres Geschäftsfeld ist der Mobilfunk, welches sich als vierte Säule zu den Triple-Play-Paketen hinzufügen lässt. Einen Vorteil haben hier Mobilfunkanbieter wie Vodafone, da diese auch hier über eine eigene Infrastruktur verfügen. Doch auch ein Anbieter wie Unitymedia Kabel BW bietet längst Mobilfunktarife als Bonus zu seinen sonstigen Diensten und kooperiert dafür mit dem Vodafone-Wettbewerber Telefónica.
 
Kein Wunder also, dass das Kabel für Investoren begehrter ist als je zuvor. Für den Kunden wird es darauf ankommen, ob die Kabelnetzbetreiber in der Lage sind, die Leistungsfähigkeit ihrer Netze nicht nur theoretisch, sondern auch ganz praktisch in einen Mehrwert zu verwandeln. Gerade im TV-Bereich hatte die Deutsche Telekom hier zuletzt nicht nur aufgeholt, sondern die Kabelnetzbetreiber bei der HD-Versorgung sogar überholt.

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