Der Jugendkanal von ARD & ZDF: Durchbruch oder Totgeburt?

26.12.2013, 10:00 Uhr, fm

Schon seit Jahren sehen sich die Öffentlich-Rechtlichen der Kritik gegenüber, die jungen Leute mit ihrem Programm nicht zu erreichen. Ein gemeinsamer Jugendkanal soll das nun ändern. Doch kommt der Schritt gerade noch zur rechten Zeit oder viel zu spät?


Die Quoten beweisen es: ARD und ZDF kommen beim TV-Publikum an. Regelmäßig streichen die Öffentlich-Rechtlichen mit ihren Programmen die besten Zuschauerzahlen des Tages ein. Doch diese Zuschauer sind meist weit über 50 Jahre alt. An die jüngeren Semester vor den Bildschirmen kommen die gebührenfinanzierten Sender nur selten heran. Sportübertragungen, der "Tatort" oder auch mal eine nette Kömodie und Spielfilme können in der Gunst der Jüngeren bestehen. Mit dem Rest a la "Sturm der Liebe", "Der Bergdoktor", die Talkshows oder auch Musikshows mit Schlagern sieht es dagegen düster aus.
 
Doch was tun? Die Mainzer haben mit ZDFneo einen Weg gefunden, der anhaltenden Kritik, das die Öffentlich-Rechtlichen die jüngeren Zuschauer vernachlässigen, zu begegnen. Der Spartensender spricht mit seinem Programm generell eine jüngere Zielgruppe an - und das erfolgreich. Das Hauptprogramm profitiert davon kaum. Zwar haben die Mainzer schon einige Formate von ZDFneo zum ZDF geholt, doch Sendeplätze um 23.15 Uhr tragen wenig zum Erfolg bei. Mit einer attraktiveren Platzierung würden ARD und ZDF allerdings Gefahr laufen, dass so wichtige ältere Publikum zu vergraulen.


Die Lösung für das Problem: Ein gemeinsamer Jugendkanal muss her! Mal wieder. Denn diskutiert wird über diese Option bereits seit Jahren. 2013 schien das Projekt nun aber endlich in Gang zu kommen denn die Öffentlich-Rechtlichen zeigten sich bereit, den vielen Worten auch Taten folgen zu lassen.
 
Angestoßen von der ARD geriet der Stein schon Ende 2012 wieder ins Rollen. Dafür sind die Rundfunkanstalten sogar bereit, den Spartensender EinsPlus für den Jugendkanal zu opfern. Die Mainzer sahen dem Unterfangen zunächst skeptisch entgegen, ließen sich dann aber doch darauf ein. Heraus kam ein Konzept, dass die Öffentlich-Rechtlichen Ende Oktober den Ministerpräsidenten der Länder zur Absegnung vorlegten.
 
Laut ZDF-Intendant Thomas Bellut soll sich das Programm generell aus Musik, Information, Film und Unterhaltung zusammensetzen und ein trimediales Angebot für Fernsehen, Radio und Internet darstellen. Die Federführung soll beim SWR liegen. Die Kosten wurden mit 45 Millionen Euro veranschlagt, wobei die ARD-Anstalten zwei Drittel und das ZDF ein Drittel stemmen sollen. Genauere Details zum Konzept sind bisher nicht bekannt, doch offenbar reichte dieses den Politikern ohnehin nicht. Wegen finanzieller und inhaltlicher Fragen, die bisher nicht geklärt wurden, erteilten die Regierungchefs dem Projekt vorerst eine Absage. Bis März können ARD und ZDF nun noch einmal nachbessern und ein neues Konzept vorlegen.
 
Fraglich bleibt dabei am Ende, ob sich all der Aufwand noch lohnt. Vor allem die ARD-Anstalten drängen derzeit, das Projekt so schnell wie möglich zu starten, der Jugendkanal könne nicht mehr warten. Doch das hat er vielleicht ohnehin schon zu lang. Seit Jahren geistert er als Idee in den Köpfen der Verantwortlichen, seit Jahren wird bloß diskutiert. Und selbst, wenn die Regierungschefs im März grünes Licht geben, sind zwischen dem Aufkommen der Idee und dem Beschluss wieder gut eineinhalb Jahre ins Land gezogen. Mit einer Umsetzung scheint frühestens 2015 zu rechnen.
 
Damit verstreicht weiter wertvolle Zeit, die für den Jugendkanal überlebenswichtig sein könnte. Der TV-Konsum verändert sich, vor allem jüngere Menschen greifen verstärkt auf Alternativen zurück, um beispielsweise die gewünschten Serien und Filme zu sehen. Bis der Jugendkanal dann endlich das Licht der Welt erblickt, könnte es bereits zu spät sein und die Nachfrage nach einem solchen Angebot fast vollständig verschwunden sein. Damit würde sich das Projekt als Totgeburt erweisen. Fest steht auf der anderen Seite aber auch, dass die Öffentlich-Rechtlichen vielleicht noch nie so nah dran waren, den besagten Sender für die jüngeren Zuschauer auf die Beine zu stellen. Der Ausgang des Projektes ist zum Ende des Jahres ungewiss. 

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