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  • Hintergrund • Deutsche Fernsehgeschichte

  • Als die Bilder flimmern lernten

 erstellt am 07.04.2010 von Charleen Lamczyk

Alexander Bain, ein schottischer Uhrmacher, entdeckte 1843 bereits das Prinzip der zeilenweisen Abtastung für elektrisch zu übertragende Bilder. Allerdings sollte es noch bis 1884 dauern, bis es einem deutschen Techniker und Wissenschaftler nämlich Paul Nipkow erstmalig gelang, Bilder mittels der Nipkowscheibe in Hell-Dunkel-Signale zu zerlegen und wieder zusammensetzen.

 
 

Gemäß diesem Verfahren nämlich konnten Anfang des 20. Jahrhunderts die ersten Fernsehbildübertragungen realisiert werden. Deshalb gilt Nipkow bis heute als der Erfinder der ersten praktischen Durchführungsmöglichkeit des Fernsehens. 1928 gelang es John Logie Baird in England mittels der Nipkowscheibe und RGB-Farbfiltern ein 30-zeiliges Farbbild zu übertragen. Von da an (zwischen 1928 und 1935) gab es fertige Fernsehgeräte (damals auch als Ferntonkino oder Telehor bezeichnet) und sogar Bausätze zu kaufen. Die Bildqualität bei nur 30 Zeilen reichte jedoch nur für die Übertragung von Portraits. Darüber hinaus flimmerten die Bilder bei zunächst nur 12,5 Bildern pro Sekunde erheblich. Daher blieb ein kommerzieller Erfolg aus, ebenso wie bei allen parallel zur Nipkowscheibe entwickelten Übertragungsverfahren.

 

Die eigentliche Entwicklung des Fernsehens, wie wir es heute kennen, begann erst mit der Einführung des Röhrenverstärkers nach dem 1.Weltkrieg in Deutschland.

 

Am 11. Mai 1928 präsentierte Dénes von Mihály die erste echte deutsche Fernsehübertragung in Berlin. Am 31. August 1928 des selben Jahres stellte auch August Karolus sein Fernsehen auf der 5. Deutschen Funkausstellung (IFA) in Berlin vor. Auf dieser Veranstaltung benutzte Karolus als Fernsehgerät den ersten Telefunken-Prototyp, aber auch von Mihály blieb dem Event nicht fern und stellte sein Telehor vor. Trotz einer wesentlich schlechteren Bildqualität erzielte das Telehor eine größere öffentliche Resonanz, denn es stand im Gegensatz zum unverkäuflichen Telefunken-Prototyp zum Verkauf. Dieses Datum, der 31. August 1928, gilt seither als das "Geburtsdatum des Fernsehens in Deutschland".

Bis das Fernsehen seine Daseinsberechtigung im Leben der Menschen sichern konnte, musste es viele Rückschläge ertragen
Bild: © Dieter Schütz / PIXELIO

Am 22.03.1935 ging schließlich der weltweit erste Fernsehsender "Paul Nipkow" in Berlin an den Start. Gesendet wurde täglich von 20.30 Uhr bis 22.00 Uhr. Da es in der damaligen Zeit jedoch nur diese stundenweisen Versuchssendungen gab und darüber hinaus die Bildqualität sehr schlecht war, von den sehr hohen Gerätepreisen und der Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre mal ganz abgesehen, erwies sich das Unterfangen jedoch als eher aussichtslos.

 

Anfang der 1930er Jahre gab es praktisch nur mechanisches Fernsehen. Und dass, obwohl es bereits 1926 Kenjiro Takayanagi in Japan gelungen war, Bilder elektronisch zu übertragen. Außerdem hatte auch Manfred von Ardenne auf der IFA 1931 erstmals öffentlich vollelektronisches Fernsehen mit Kathodenstrahlröhre vorgestellt. Grund für diesen Umsetzungs-Stillstand war, dass man sich zwar eine wesentlich höhere Bildauflösung durch die Kathodenstrahlröhre versprach, sie aber zunächst als viel zu kompliziert und zu teuer hielt.

Ab März 1935/36 wurden die ersten regulären deutschen TV-Sendungen von Berlin aus verbreitet. Um dieses neue Medium einer großen Anzahl an Menschen zugänglich zu machen, wurden von den Nationalsozialisten darüber hinaus Fernsehstuben und Großbildstellen eingerichtet, die 1936 zu den Olympischen Sommerspielen großen Anklang fanden. Zeitweise über 10 000 Zuschauer monatlich stellten während dieser Zeit das erste Massenpublikum dar. Dennoch konnte sich das Medium nicht durchsetzen. Schuld daran waren zum einen die schlechte Qualität und zum anderen die geringe Sendezeit (von 20 bis 21 Uhr, dann wurde die Sendung wiederholt).

 

Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurden die Ausstrahlungen im Deutschen Reich zwischen dem 3. September 1939 und dem 11. November 1939 zunächst völlig eingestellt, um dann hauptsächlich zum Zwecke der Truppenunterhaltung wieder aufgenommen zu werden. Im Herbst 1944 wurden diese Übertragungen kriegsbedingt schließlich endgültig ad acta gelegt.


Die Informationen in diesem Artikel basieren auf sorgfältiger Recherche und geben den Sachstand zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung wieder. Spätere Entwicklungen oder Updates sind aus diesem Grund unter Umständen nicht berücksichtigt. Für Hinweise auf möglicherweise überholte Informationen sind wir dankbar.
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Letzte Änderung: Dienstag, 09.11.2010
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