
- Workshop Die Ohren gespitzt, das Maßband gezückt
- Workshop: Surround-Einmessung
erstellt am 09.12.2011 von Jens Voigt
Alle modernen AV-Receiver verfügen heute über die Möglichkeit einer automatischen Lautsprechereinmessung. Doch nicht alle dieser Systeme erreichen die Genauigkeit einer manuellen Prozedur. Eine automatische Auswertung ist anfällig für Störungen, die nur bedingt erkannt werden können.
Warum ist eine korrekte Einmessung Ihres Surround-Lautsprechersets wichtig? Ein justiertes System ist in seiner Wiedergabequalität einem nicht eingemessenen überlegen. Das gilt auch in reinen Stereosystemen, wenn die akustischen Rahmenbedingungen zu ungünstig aus fallen. Dabei spielt es keine Rolle, wie gut oder schlecht die Stand- oder Regallautsprecher sind. Die Einmessung von Tonwiedergabesystemen hat schon eine längere Tradition. Meist war dieser Luxus nur Musikproduktionsstudios oder dem wissenschaftlichen Bereich vorbehalten.
Hier ging es immer darum, die Abhörmöglichkeiten in ihrer Linearität den akustisch vorherrschenden Bedingungen anzupassen. Zudem war es nicht immer so, dass die Übertragungseigenschaften von Lautsprecheranordnungen ein so hohes Niveau erreichten, wie es heutzutage möglich ist. Mit komplizierten elektronischen Schaltungen wurde an dem jeweiligen Ort der Aufstellung versucht, alle Mängel zu beseitigen. Dies war zum größten Teil die Lösung für Übertragungsabweichungen. Wenn dies nicht den erhofften Erfolg brachte, konnte nur noch mit akustischen Baumaßnahmen nach einer Lösung des Problems gesucht werden.
Für eine anwenderfreundliche Verbraucherlösung wurden die Optimierungen immer stärker wissenschaftlich untersucht und fachübergreifend ausgewertet. Das Impulsverhalten von Mehrwegelautsprechern überzeugte nicht immer, da die physikalischen Eigenschaften von elektronischen Filtern, die bis heute fester Bestandteil jeder Frequenzweiche sind, Einfluss auf die zeitlich korrekte Wiedergabe haben. Dadurch werden klangliche Verfärbungen in der Wiedergabe hervorgerufen. Dies macht neue Lösungsansätze nötig.
Auch wenn es im analogen Bereich mittlerweile fast perfekte Filterschaltungen gibt, ist eine Korrektur erst mit digitaler Signalverarbeitung mittels sogenannter DSPs (Digitaler Signal Prozessor) möglich geworden. Dies ist also keine Problematik, die mit Surround einhergeht, sondern schon zur Zeit der Stereofonie und selbst in der kurzen Wirkdauer der Quadrofonie vorherrschte. Heute, wo teilweise schon mehr als fünf oder sieben Lautsprecher die heimischen Wohnzimmer und Hörräume zieren, ist es noch bedeutender geworden, sich den daraus ergebenden Problemen zu stellen.
Neue Anforderungen entstehen daraus, dass eine beabsichtigte dramaturgische Idee umgesetzt werden will. An dieser Stelle wird es noch viel wichtiger, diese auch bei dem Konsumenten zur Entfaltung kommen zu lassen. So entstand die Triebfeder, die Surround in die Kinos und zu Ihnen nach Hause brachte. Als Erstes geht es schließlich darum, dass die Wiedergabe so nah wie möglich an die entsprechende klangliche Situation angepasst wird, die bei der Erstellung des Film- oder Musiktitels mit Raumklang vorherrschte. Die Studios, in denen dies erfolgt, sind nach internationalen Regeln optimiert, um einen reproduzierbaren Austausch untereinander zu ermöglichen. Warum wollen Sie sich davon ausschließen?
Eine manuelle Einmessung sieht drei wichtige Schritte vor: Im ersten Schritt wird versucht, eine Aufstellung für Ihre Lautsprecher zu finden, die sich für Surround an den sogenannten ITU-Kreis annähert. Ist dies aus Platzgründen nicht realisierbar, werden die Abstände der Lautsprecher zum Hörplatz bestimmt und durch eine elektronische Verzögerung ausgeglichen. Der letzte Schritt sieht schließlich eine Anpassung sämtlicher Lautsprecherpegel vor. Die heutigen Einmesssysteme beinhalten dies und nehmen eine Korrektur des Frequenzganges für jeden Lautsprecher am entsprechenden Ort vor. Zu all diesen Schritten sind moderne AV-Receiver heute fähig. Die Ergebnisse schwanken dabei zwischen sehr guten und unbefriedigenden Ergebnissen. Letztere verlangen dann nach einer manuellen Korrektur.
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