
- Topthema Digitalisierung & Geschäftsmodelle
- Auf dem Weg ins digitale Zeitalter
erstellt am 15.01.2010 von Marc Hankmann
Zur Digitalisierung des Rundfunks gibt es keine Alternative. Die Kehrseite der Medaille ist eine Reihe von Problemen, die sich nur gemeinsam unter den Marktteilnehmer lösen lassen. Bislang führte das in vielen Fällen eher zum Stillstand. Doch nun kommt Bewegung ins Spiel.
Bestand die Digitalisierung bislang hauptsächlich darin, entweder neben oder anstelle der analogen Verbreitung eines Inhalts diesen auch digital anzubieten, rückt der Termin, an dem das letzte analoge Signal gesendet wird, immer näher. Bei DVB-T ist dieser Zeitpunkt bereits vorbei. Der harte, politisch gewollte und geförderte Umstieg beim Antennenempfang hat zu einem regen Absatz von DVB-T-Receivern geführt. Das erste Pay-TV-Angebot über DVB-T, Viseo Plus mit den RTL-Sendern Passion und RTL Crime, wird zeigen, ob auch Bezahlangebote über Antenne realisierbar sind.
Der nächste Termin steht bevor. Bis zum 30. April 2012 wollen öffentlich-rechtliche wie private Programmanbieter ihre analoge Verbreitung einstellen. Darauf haben sich ARD, ZDF, RTL und Pro Sieben Sat 1 geeinigt. Die noch analog ausstrahlenden blockfreien TV-Sender werden bis zu diesem Datum mitziehen. Als letztes wird das Kabel die analoge Verbreitung einstellen. Das bedeutet, dass nach dem 30. April 2012, wenn über Satellit nur noch digitale Signale empfangen werden können, im Kabel reanalogisiert werden muss. Wie lange digitale Inhalte in analoge umgewandelt werden müssen, steht allerdings in den Sternen.
In der Arbeitsgruppe Digitalisierung der Deutschen TV-Plattform haben sich alle Marktteilnehmer zusammengefunden, um an einem gemeinsamen Weg zu arbeiten, der die Interessen des Satelliten und des Kabels berücksichtigt. Das Forum Digitale Medien, in dem sich eben jene Marktteilnehmer bisher mit Erfolg blockiert haben, legt quasi die Verantwortung in die Hände der TV-Plattform. Mit großer Zuversicht wird eine Roadmap erstellt, mit deren Hilfe alle ohne Reichweiten- und sonstige Verluste der analogen Abschaltung entspannt entgegensehen können.
Etwas weniger entspannt sehen die Programmanbieter die Schattenseite der Digitalisierung. Piraterie, Urheberrechtsverletzungen und die neuen Nutzungsmöglichkeiten digitaler Verbreitungswege im dualen Rundfunksystem – Stichwort Internet – sind die Probleme der Gegenwart und Zukunft. Neue Geschäftsmodelle müssen entwickelt und geschützt werden. Dabei erhält der Verbraucher eine immer größere Auswahl an Inhalten und wird damit unberechenbarer. Welche Geschäftsmodelle werden in der digitalen Welt Erfolg haben, welche gehen vor die Hunde? Auch nach der analogen Abschaltung wird es spannend bleiben.
Die Informationen in diesem Artikel basieren auf sorgfältiger Recherche und geben den Sachstand zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung wieder. Spätere Entwicklungen oder Updates sind aus diesem Grund unter Umständen nicht berücksichtigt. Für Hinweise auf möglicherweise überholte Informationen sind wir dankbar.

















