Spezial • Dolby Atmos durchleuchtet

Neuer Raumklang im Kino

 erstellt am 22.10.2013 von Martin Heller
Eigentlich ist es verschenktes Potenzial, wenn 20 Lautsprecher im Kino gerade mal sechs Kanäle wiedergeben. Dolby wählt deshalb einen völlig neuen Ansatz, der alle Lautsprecher diskret anspricht und so den Raumklang deutlich verbessern soll.
 
 

Betrachten wir die derzeitigen Surroundformate, ist bereits ein Mix für 7.1-Tonspuren mit großem Aufwand verbunden. Gerade in einem Kinosaal könnte sich oftmals eine akustische Verbesserung einstellen, wenn die einzelnen Surroundlautsprecher auch mit diskreten Signalen beschickt würden. Die Umsetzung dessen ist jedoch mit großen Problemen verbunden. Zunächst einmal variiert die Zahl der tatsächlich verbauten Surroundlautsprecher natürlich mit der Größe des Saals, eine einheitliche Vorgabe für die Zahl an zusätzlichen Kanälen lässt sich also nicht ohne Weiteres bestimmen. Weiterhin wäre für ein solches Projekt ein schier unüberwindbarer Aufwand im Tonstudio nötig, denn zusätzliche diskrete Kanäle möchten schließlich im Mix beachtet werden.
Bei Dolby Digital und seinen Weiterentwicklungen haben die Positionen der Lautsprecher alle Richtungsinformationen grundlegend vorgegeben. Abweichende Schallereignisse wurden durch vorher festgelegte Mischungsverhältnisse dargestellt.
Bild: Dolby Laboratories

Ebenfalls kommt es zu Speicherproblemen, denn zusätzliche Tonspuren benötigen mehr Platz auf dem Datenträger. Doch beim Thema Surroundklang darf ein großer Name nicht vergessen werden: Dolby. Und die Surroundprofis haben gerade für das genannte Problem einen interessanten Lösungsansatz: Dolby Atmos. Der Weg ist dabei kein vollkommen neuer, denn Dolby Atmos lebt von objektbasiertem Audio. Hierbei handelt es sich um eine völlig andere Herangehensweise, um die Schall ereignisse einer Richtung zuzuordnen. Dabei werden nicht wie bisher pauschal alle Kanäle stets mit Daten beschickt, um sämtliche akustischen Vorkommnisse unterzubekommen. Vielmehr wird mit virtuellen, punktförmigen Objekten gearbeitet, denen dann ein Klang zugewiesen wird.
 
Diese klingenden Punkte werden nun mit Bewegungsvektoren versehen und können sich in der virtuellen Umgebung um den Mittelpunkt, also den Hörer, herumbewegen. Der Trick besteht nun darin, dass beispielsweise ein von rechts nach links fahrendes Auto nur noch ein einziges Schallereignis ist. Dementsprechend ist auch nur eine einzelne Tonspur notwendig, nämlich das Fahrgeräusch des Wagens. Anhand des vorbestimmten Weges ermittelt der Dekoder nun, welche Position das Fahrzeug momentan im Bezug zum Hörer hat und errechnet, welche Lautsprecher des tatsächlichen Setups welche Anteile dieses Schallereignisses wiedergeben müssen, um es an der gewünschten Stelle lokalisierbar zu machen.
 
Der Vorteil dieser Methode: Sie funktioniert sowohl dann, wenn nur fünf Lautsprecher zur Verfügung stehen, zeigt ihre wahre Stärke aber erst dann, wenn die Anzahl der Lautsprecher immer weiter zunimmt. Hier kommen wir zurück zum Beispiel des Kinosaals: Die hinteren Lautsprecher, die sonst fast identische Signale wiedergeben, können nun etwa den Flug einer Hummel als virtuelle Schallquelle wiedergeben. Dabei errechnet der Dolby Atmos Cinema Processor CP850, wie die Flugbahn der Hummel am besten mittels der vorhandenen Lautsprecher dargestellt werden kann. Plötzlich geben diese also diskret errechnete Signale wieder, was das Klanggefüge an Realismus und lückenloser Umhüllung deutlich aufwerten kann.

Die Informationen in diesem Artikel basieren auf sorgfältiger Recherche und geben den Sachstand zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung wieder. Spätere Entwicklungen oder Updates sind aus diesem Grund unter Umständen nicht berücksichtigt. Für Hinweise auf möglicherweise überholte Informationen sind wir dankbar.
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