"Domian" schickt Polizei zu möglichem Prügelopfer

24.02.2016, 17:46 Uhr, dpa/kw

Bevor er Ende des Jahres seine Tätigkeit als TV-Seelsorger aufgibt, ging es dieser Tage bei "Domian" noch einmal mächtig zur Sache. Eine Prügelei, die möglicherweise vorgetäuscht war, in der "Domian"-Sendung beschäftigt nun die Polizei.


Eine möglicherweise nur vorgetäuschte Prügelszene während eines Anrufs der Radio-Sendung "Domian" beschäftigt jetzt die Polizei. Ein Sprecher sagte am Mittwoch in Recklinghausen, die Ermittler überprüften, ob die 23-jährige Anruferin die Prügelei wirklich nur vorgespielt hatte, wie sie in der "Bild"-Zeitung berichtete - oder ob es tatsächlich Gewalt in ihrer Beziehung gibt.


Die junge Frau aus Castrop-Rauxel hatte in der Nacht zum Dienstag in der Live-Sendung des Nachttalkers Jürgen Domian (58) beim Westdeutschen Rundfunk (WDR) angerufen und geschildert, ihr Partner sei ihr gegenüber schon gewalttätig geworden. Dann erweckte sie den Eindruck, auch in diesem Moment schlage er auf sie ein - und legte auf.

Mitarbeiter der Sendung alarmierten die Polizei. Die Beamten konnten nach eigenen Angaben die Anruferin noch in derselben Nacht in Castrop-Rauxel ausfindig machen, entdeckten jedoch keine Hinweise auf Gewalt. In der "Bild"-Zeitung vom Mittwoch wird die 23-jährige mit den Worten zitiert, das Ganze habe ein Scherz sein sollen, der ihr inzwischen "unendlich leid" tue. Die Frau berichtete der Zeitung auch, dass die Polizei in der fraglichen Nacht gar nicht sie, sondern ihre Eltern überprüft habe. Die seien deshalb "total sauer" auf die Tochter.

Ein Sprecher der Polizei in Recklinghausen versicherte jedoch, seine Kollegin hätten sehr wohl die junge Frau selbst angetroffen. Es seien auch nicht, wie die Frau sagte, acht Polizisten in die Wohnung gestürmt, sondern es habe sich um eine ganz normale Kontrolle gehandelt. Domian vermutete bei Facebook, die junge Frau habe Angst gehabt, vor den Polizisten zu sprechen. Er habe von der Polizei erfahren, dass es in dem Haushalt bereits früher Gewalt gegeben habe. Dazu wollte der Polizeisprecher sich nicht äußern.

Der WDR erklärte am Mittwoch, dass die Domian-Sendungen immer von geschulten Psychologen begleitet würden, die die Anrufer auch nach den Gesprächen gegebenenfalls weiter betreuten. Dies sei auch hier der Fall gewesen. "Ein Psychologe hat mir ihr gesprochen und den Eindruck gewonnen, dass die Situation ernst ist", hieß es vom Sender. Daraufhin habe die Redaktion sofort die Polizei eingeschaltet.

Konsequenzen für kommende Sendungen werde der Vorfall nicht haben. "Wenn die Redaktion den Eindruck hat, dass sich Anrufer durch die Teilnahme an der Sendung in schwierige Situationen bringen könnten, rät sie ihnen davon ab, ihre Geschichte öffentlich zu erzählen", teilte der WDR mit. "Es kommt auch vor, dass Anrufer zu ihrem eigenen Schutz nicht auf Sendung genommen werden. Aber vor solchen unvorhersehbaren Situationen wie gestern ist die Redaktion natürlich nie gefeit."

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