Doping-Falle: UCI boykottiert Interviews mit ARD und ZDF

21.06.2011, 09:18 Uhr, js

Nachdem die öffentlich-rechtlichen Anstalten angekündigt haben, ab 2012 die Tour de France nicht mehr live zu übertragen, verweigert der Weltradsportverbandes UCI Interviews zum Thema Doping.


ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky sagte gegenüber der Nachrichtenagentur dapd, dass der UCI mit dem Senderverbund nicht mehr reden wolle. Auch das ZDF würde seit geraumer Zeit keine Interviews mit dem Radsportverband mehr bekommen. "Das sieht für mich sehr nach dem Versuch aus, uns dafür abzustrafen, dass wir die Tour de France nach diesem Sommer nicht mehr live übertragen werden", vermutete Balkausky.
 
Der UCI dementiert dies nur halb. Der Weltradsportverband verweigere den Öffentlich-Rechtlichen tatsächlich Interviews. Man wolle nicht mehr nur über Doping reden, erklärte UCI-Sprecher Enrico Carpani die Haltung seiner Organisation. "Aber jedes Jahr ist die Agenda deutscher Sender dieselbe: Doping, Doping und wieder Doping".


Diese Einstellung ist für den ARD-Sportkoordinator "ungeheuerlich" und er kündigte an, dass der Senderverbund das "nicht akzeptieren" werde. Man wolle weiterhin mit Recherchen "über alle Seiten" dieses Sports bei den Radsport-Funktionären auf der Matte stehen und kritisch nachfragen. Da könne das Thema Doping nicht ausgeschlossen werden.
 
Balkausky erklärte weiterhin, dass der Ansatz der ARD nicht sei dem Radsport zu schaden, sondern "konstruktiv, dafür aber eben auch kritisch zu begleiten". Auch für den ARD-Sportkoordinator sei es erklärtes Ziel der Sportart langfristig wieder auf die Beine zu helfen und auch für das Publikum wieder attraktiv zu machen.
 
Für den ARD-Dopingexperte Hajo Seppelt begann der UCI-Boykott jedoch nicht erst mit der Ankündigung die Tour de France nicht mehr übertragen zu wollen, sondern mit dem Fall Alberto Contador. Der dreifache Tour-Sieger war nach der Frankreichrundfahrt im vergangenen Jahr positiv auf ein muskelbildendes Mittel getestet, gesperrt und später freigesprochen worden.
 
Seppelt erklärte gegenüber der Agentur, dass der Verband bereits nach der "Berichterstattung über den positiven Test von Alberto Contador und das Verhalten der UCI" angefangen habe. "Wir haben die Rolle der UCI bei Doping im Radsport wiederholt hinterfragt und zudem gezeigt, dass der Präsident der UCI im Fall Contador einen positiven Dopingtest geleugnet hat", sagte Seppelt und fügte an, dass der Verband seitdem "sämtliche Anfragen" zum Thema Doping abgelehnt habe.
 
Anfang Februar hatten ARD und ZDF angekündigt nach Auslaufen des derzeitigen Vertrages nicht mehr mit dem Rechte-Inhaber ASO über Live-Ausstrahlung zu verhandeln. Den Rückzug begründeten die beiden Rundfunkanstalten damit, dass das bedeutendste Radrennen der Welt bei den deutschen Fernsehzuschauern nur noch auf geringe Akzeptanz stoße, was lange Live-Sendestrecken nicht mehr rechtfertige (DIGITAL FERNSEHEN berichtete).
 
2011 bleibe im Rahmen des bestehenden TV-Vertrages jedoch noch alles beim alten. Die 98. Ausgabe der Frankreich-Rundfahrt wird zwischen dem 2. und 24. Juli im täglichen Wechsel zwischen 16.15 und 17.30 Uhr live übertragen.

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