
- Spezial Dr. Test: Von Solarien und Buckelwalen
- Die wiederbeschreibbare DVD
erstellt am 04.10.2011
Sie können sich gar nicht vorstellen, wie sehr mich die Zeit im Krankenhaus an meine persönlichen Grenzen geführt hat. Im Fernsehzimmer dem stupiden Gelächter der Mitpatienten zu lauschen, die sich stundenlang über die gesanglichen Missgeschicke geistig minderbemittelter Adoleszenten und die anschließenden Verbalinjurien eines offenbar auf dem Solarium eingeschlafenen Mittfünfzigers auf einem Privatsender amüsierten... das Zwicken in meinem Bein schien mir in solchen Momenten eher psychosomatischer Natur zu sein.
Und als ich die mediale Tristesse eines Mittwochs auflockern wollte, indem ich mit Krücke und Gehstock aufs Dach des Klinikums kraxelte, um just zum rechten Zeitpunkt die Satellitenschüssel auf die ungleich fesselndere Übertragung der Bergung eines Pottwals im Indischen Ozean zu lenken – was war da der Dank? Ein infernales "Wo ist der Dieter?" aus gefühlten tausend Kehlen anstelle des erwarteten Applaus' für meine glorreiche Tat.
Grund genug, mich vorzeitig selbst zu entlassen. Bei den heutigen Zuzahlungen im gesetzlichen Versicherungsgewerbe hätte jeder weitere Tag in diesem kulturfreien Panoptikum vermutlich ohnehin den finanziellen Ruin für meine künftige Forschungstätigkeit bedeutet.
Daheim in meiner kuscheligen Professorenbude durchschoss mich sogleich der nächste bahnbrechende Einfall. Ich beschloss, mich dem Phänomen der wiederbeschreibbaren DVDs zu widmen. Silberscheiben, die mir als Feind der Populärkultur bislang allenfalls als Vogelscheuche oder als Getränkeuntersetzer für gemütliche Plauderabende mit meinem guten Freund Dr. Lubomir Talfu dienten. Doch man will ja mit der Zeit gehen und sich der neuen Technik nicht verschließen.
Die folgenden Stunden verbrachte ich damit – mit einem Arsenal aus Kugelschreibern, weniger tauglichen Bleistiften und umso geeigneteren Filzstiften bewaffnet – die DVDs wieder und wieder zu beschreiben. Bis zu tausend Mal solle das funktionieren, so die Hersteller. Doch ich hatte keine Probleme, auch die Zehntausender-Marke zu übertreffen, und selbst dann blieb noch ein kleiner Fleck in der oberen linken Kurve auf der Unterseite des Rundlings frei. Da sage noch jemand, die krakelige Mikroskopschrift eines Wissenschaftlers habe nicht auch ihre Vorzüge!
Doch den eigentlichen Durchbruch erzielte ich nach einem aufputschenden Tässchen Mate-Tee kurz nach Sonnenaufgang des nächsten Tages, als ich mein Experiment auf nicht wiederbeschreibbare Varianten ausdehnte und es mir auch bei diesen gelang, sie wieder und wieder mit meinem Filzstift zu beschriften.
Flugs setzte ich mich ans Diktaphon, um meine Erkenntnisse für die Nachwelt festzuhalten und dann als mein eigener Sekretär – Sie wissen schon: Rudi ist noch immer fort – zu Papier zu bringen. Das Faxgerät ratterte danach stundenlang auf Hochtouren, um den Herstellern in Asien von meiner bahnbrechenden Entdeckung zu berichten und mein Wissen dem Meistbietenden feilzubieten.
Stellen Sie sich meine Enttäuschung vor... keiner, NICHT EINER der werten Herren in ihren japanischen Elfenbeintürmen zeigte auch nur die geringste Reaktion. Hatte mein Vater Thimothaeus, Gott sei seiner Asche gnädig, also doch recht: Die "Japsen" wollen die Welt im Alleingang erobern und verzichten dafür zur Not sogar auf Schützenhilfe aus Europa. Haben die denn auch nach dem Krieg rein gar nichts aus der Erfindung der Kuckucksuhr gelernt? Herjesses! Frustriert verabschiedet sich Ihr Dr. Test
Weitere Erlebnisse von Dr. Test
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