
- Spezial Dr. Test und die Mikrokrise
- Frühjahrsgedanken
erstellt am 04.01.2012
Dauerfrost! Bereits der Blick zum Fenster lässt imaginäre Eisblumen wachsen. Für Dr. Test beginnt der Januar üblicherweise mit dem spontanen Wechsel von Winterdepression zu Frühjahrsmüdigkeit. Momentan steckt der wissenschaftliche Geist in einer Zwischenphase, die sich umfassend mit korrelierenden Ereignissen sowie dem Einfluss der Gravitation auf Elektronik beschäftigt. Die Beziehung der eigenen Hand zum Wecker scheint jedenfalls umfassend gestört. Den Rest erledigt die Erdanziehung. Wahrscheinlich könnte er das Folgeproblem später durch einen Besen lösen.
Zumindest tritt endlich Stille ein. Vorsichtig gleiten nun Zehen unter der Bettdecke hervor. Ein Blick auf das Thermometer verspricht 16,7 Grad im Zimmer. Also dem gefühlten Nullpunkt nahe. An manchen Tagen sollte der Körper warme Nester schlicht nicht verlassen. Genau in solchen Augenblicken stört immer ein Klingeln an der Haustür. Schreckensstarr sitzt Dr. Test aufrecht im Bett. Wer weckt einen Menschen zu dermaßen unchristlicher Stunde? Noch im Pyjama und plüschigen Hausschuhen stapft der grummelnde Gelehrte die Treppe hinab. Vor der Tür, tief eingeschneit, steht der Postbote. Vom gelben Anzug sind lediglich wenige Zentimeter unbedeckt. "Ein Paket", stammelt der Mann zitternd. "Ich brauche eine Unterschrift."
Müde und ebenfalls vor Kälte steif bestätigt der Doktor den Empfang. "Danke. Einen Moment bitte", folgt die Antwort zur nie gestellten Frage, was um Himmels willen so früh geliefert werden muss. So findet sich Dr. Test kurzerhand gemeinsam mit einem Holzkasten im Hausflur wieder. Wassertropfen rinnen langsam am Rand herab.
Nach kurzem Aufwärmen wandert das Gebilde ins Labor. Ein Stemmeisen öffnet den Deckel. Inmitten diverser Verpackungsmaterialien versteckt sich ein Umschlag, dessen Inhalt dem gebildeten Wissenschaftler den Absender offenbart. "Sehr geehrter Dr. Test", fängt das Schreiben an. "Anbei schicken wir Ihnen sämtliche Innovationen des Jahres. Wir hoffen, Ihnen gefallen die unterhaltsamen Artikel. Mit freundlichen Grüßen – Ihre Hersteller".
Der Rest des hölzernen Behälters macht ihn indes stutzig. Jede Menge Gebrauchsanleitungen ... Berge davon ... aber nirgends Produkte. Lediglich ganz unten liegt ein schmaler Karton. Darin: echte Mikroelektronik! Aufbügelbare Fernsehfolie, Camcorder in Nano-Ausführung sowie kristallsplittergroße Speichermedien.
"Aha!" Angestrengt kneift Dr. Test seine Augen zusammen. Gerührt verkneift er sich eine Träne. "Genau das hab ich gesucht", denkt er und tappt mit einigen Broschüren bewaffnet zurück ins Schlafzimmer. Eine Stunde darauf prasselt im Kamin ein helles, wonniges Feuerchen. Das Brennstoffproblem wäre gelöst. Hinter dem Kissen liegt die Pappschachtel. Um den technischen Teil will sich der Doktor im Sommer kümmern. Dr. Test
Weitere Erlebnisse von Dr. Test
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