
- Spezial Dr. Test und ein Ort der Sünde
- Überlebenscamp Spielemesse
erstellt am 22.02.2011
Ganz sicher kennen sie Ludwig XIV. – den Sonnenkönig. Er lebte in überschwelgender Pracht und unerreichbarem Egoismus. Nur von Zeit zu Zeit warf er seinem Volk, welches zusammengepfercht in enger pestgesättigter Luft lebte, in gespielter Güte ein paar Brocken Brot zu, um es bei Laune zu halten. Doch lässt sich das Volk heutzutage ebenfalls noch auf ein solches Spiel ein?
Die unzweideutige Antwort von Dr. Test: Mit dem größten Vergnügen! Denn keine Spur Widerwillen zeigen die Tausenden U16er auf Spielemessen. Hineingeworfen in eine stickige Grube voller gleichaltriger Leiber, am Leben gehalten von nach Sinn suchenden Plastikkleinoden (auch Goodies genannt) wie Werbekulis und Schlüsselbänder, verteilt von narzisstischen Bühnenshowmoderatoren mit einem ausgeprägten Hang zur Selbstdarstellung. Dass auch das Team von Dr. Test sich unter den Besuchern einer grossen Schwitz- und Kreischolympiade der westlichen Hemisphäre befand, rührt nicht etwa von leicht überpegeltem Masochismus oder gar einem kompromisslosen Selbstzerstörungstrieb. Ein Tipp aus einem Internetforum für Liebhaber des organisierten Extremsports, wie barfüßiges Besteigen aller Achttausender und weiterer körperlich destruktiver "Mach dir klar dass du lebst"-Survivalevents, ließ uns den Entschluss fassen, die an einem Messetag maximal erreichbare Höhe des Adrenalinspiegels zu ermitteln. Denn was macht den Abenteurer ekstatischer, was gibt ihm eine größere innere Befriedigung als ein erfolgreich absolviertes Spielemesse-Überlebenscamp! Im besten Fall natürlich ohne Nebenwirkungen wie mögliche Hautreizungen, Tinitus und epileptische Anfälle, hervorgerufen durch bakterienbesudelte Gamepads, überenthusiastische Halbstarke an den Audioreglern und der größtmöglich denkbaren Ansammlung künstlich erzeugter Lichtblitze und Farbspiele mit der Frequenz eines unbenutzten Trockenrasierers.
Lieber ein Ende mit Schrecken
Wir möchten nichts vorenthalten: Dr. Test hat überlebt (in erster Linie dank einer anschließenden halbtägigen Dusche). Das Brummen des Trommelfells hatte nach zwei Tagen auch endlich das Level eines Staubsaugers unterschritten und die Augen waren sowieso die Hälfte der Zeit aus Gründen des Selbstschutzes geschlossen. Zur Entspannung warf sich Dr. Test dann erst einmal in seine Lara Croft-Schlappen, machte es sich auf dem X-Box-Sitzkissen bequem und gönnte sich einen Super Mario- Tee aus einer Tetris-Tasse – auch um sein schlechtes Gewissen zu beruhigen. Hoffentlich geht es dem kleinen Jungen, dem das Testteam im Gewühl eines der überaus schicken Schlüsselbänder entriss, wieder besser. Dr. Test wird Buße tun, indem wir die Hälfte der T-Shirts mit den schönen bunten Aufdrucken, die der nette dynamische Animateur auf der Bühne kostenlos in die Menge warf, beim Roten Kreuz abgeben. Zudem gelobt das Team, für mindestens ein Jahr dem computerisierten Spiel zu entsagen, um sich auf entspanntere Dinge wie Puzzeln zu konzentrieren – da wird wenigstens niemand verletzt.
Bis zu einer der nächsten Spielemessen, die Dr. Test wieder mit seiner Anwesenheit beehren wird. Natürlich nur zu Testzwecken. Geplantes Testziel: zwei Tage am Stück… Ihr Dr. Test
Weitere Erlebnisse von Dr. Test
Die Informationen in diesem Artikel basieren auf sorgfältiger Recherche und geben den Sachstand zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung wieder. Spätere Entwicklungen oder Updates sind aus diesem Grund unter Umständen nicht berücksichtigt. Für Hinweise auf möglicherweise überholte Informationen sind wir dankbar.





















