
- Spezial Dr. Test will lesen
- Literaturtechnologie
erstellt am 26.09.2012
Meine lieben Freunde!
Lesen bildet bekanntermaßen. Der Blick in das Schaufenster eines Buchladens lässt das Gewissen von Dr. Test erst leise, dann immer lauter klingeln. Wann hatte er zuletzt beschriebene Seiten in der Hand, die nicht als Gebrauchsanweisung ausgewiesen waren? Nachdenklich zieht das Universalgenie seine Stirn in Falten. "Keine Ahnung", gesteht die Stimme im eigenen Kopf und verabschiedet sich schmollend. Aufgrund dauerhafter Mangelversorgung geschlossen. Literatur, Belletristik, Folianten - ein weites, lange Zeit unbearbeitetes Feld. Dem muss ein Ende gesetzt werden!
Kurzentschlossen betritt der Doktor das Geschäft, nur um sich unversehens mitten im Trubel wiederzufinden. Vollgepackte Tische, überquellende Regale. Wohin das Auge blickt, stehen verschiedenste Arten von Schriftgut. Ein Hauch Lyrik gefällig? Essays zum halben Preis? Oder doch lieber Krimis mit Schaudergarantie? Tonnen von Papier auf engstem Raum und drumherum stöbernde Menschenmassen. Mit dem Rücken dicht an Wände aus Büchern gepresst, schreitet der Körper von Dr. Test voran. Schritt für Schritt dem künftigen Leseglück entgegen. Bloß nicht den mit Eis verschmierten Jungen aus dem Gesichtsfeld verlieren. Frau inklusive Kinderwagen auf zwölf Uhr!
Schweißperlen rinnen bereits seinen Nacken hinab, als der Wissenschaftler den Informationsschalter erspäht. Tief durchatmend erreicht er die Dame, deren Nase eine obligatorisch nach vorne rutschende Brille ziert. "Sie wünschen? Kann ich Ihnen helfen?" Verdattert zupft der Doktor seine Krawatte zurecht. "Ja", folgt die einsilbige Antwort. Betretenes Schweigen. Sekunden vergehen. Die Stimmung sinkt. Was er genau will, weiß Dr. Test leider selbst nicht. "Können Sie etwas empfehlen?", stammelt seine brüchige Stimme endlose Ewigkeiten später. Vollkommener Gleichmut sieht ihm entgegen. "Was soll's denn sein? Etwas unterhaltende Bettlektüre oder Fachliteratur? Vielleicht eine Biografie?" Die Dame spult ihr Standard-Frage-Antwort-Programm ab. "Empfehlenswert sind natürlich auch unsere Bestseller dort drüben. Die werden häufig genommen." In Richtung des ausgestreckten Arms betrachtet der verstörte Akademiker ein hohes Bord mit bunten Umschlagtiteln. "Ähm. Danke. Von allem ein paar", lautet die scheinbar logische Entscheidung. Außerdem erspäht Dr. Test aus den Augenwinkeln eine Überraschung zwischen den Papierhügeln. Genau das Richtige!
Am Abend schaut er gespannt auf seine Anschaffung. Tausend Bücher auf wenigen Quadratzentimetern. Modernste Technologie. Optimale Lesbarkeit. Kurzum: ein E-Book! Entspannt lehnt sich der Doktor im Ohrensessel zurück. Nur Vorteile und jede Menge Auswahl an Literatur. "Was für eine großartige Erfindung!" In diesem Moment fallen der Strom im Haus sowie der Akku des Elektronikgeräts aus. Bei Kerzenschein sucht Dr. Test sein Tagebuch. Irgendwas Interessantes muss man schließlich lesen.
Bis bald!
Dr. Test
Weitere Erlebnisse von Dr. Test
Die Informationen in diesem Artikel basieren auf sorgfältiger Recherche und geben den Sachstand zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung wieder. Spätere Entwicklungen oder Updates sind aus diesem Grund unter Umständen nicht berücksichtigt. Für Hinweise auf möglicherweise überholte Informationen sind wir dankbar.





















