
- Spezial Dr. Tests Bewusstsein schwindet
- Kernfusion mit Oberschwester Gutti
erstellt am 28.03.2011
Meine lieben Freunde!
Nachdem sich mein Experiment der Kernfusion eines Toasters mit einem Kühlschrank in einem mittelgroßen Feuerball aufgelöst hat, verspüre ich ein lästiges Zwicken im Bein. Immerhin: Auf meinen halb automatischen Bodyscanner mit integriertem Langhaarschneider ist Verlass. Er hat unter "112" bereits medizinische Hilfe angefordert, noch bevor ich meine voreilige Maschine außer Betrieb gesetzt habe. Jetzt bleiben mir rund zwölf Minuten bis zum Eintreffen der Johanniter-Sturmtruppe. Schnell stopfe ich Taschenmesser, Klebeband, Klingeldraht und weitere unverzichtbare Helferlein in die Reisetasche. Noch eben flugs den Bunsenbrenner im Kulturbeutel verstaut, schon fliegt die Tür auf und ein schweißüberströmter Ersthelfer poltert in den Raum. Während mein Bewusstsein schwindet, stöhnen die Sanitäter, weil sie jetzt wieder zwölf Etagen nach unten laufen müssen – ein vermeintlich Unbekannter hat den Fahrstuhl vor Wochen dauerhaft vom Stromnetz getrennt. Stunden später – oder waren es Tage? – erwache ich auf meinem Krankenbett im Hospital. Nur sechs von acht Betten im Zimmer sind belegt. Hoch lebe die private Krankenversicherung! Auch zum Klo ist es nicht weit, die Tür nur knapp einen Meter entfernt.
Während einige Patienten an der Toilette anstehen, vernebelt mir der defekte Lüfter die sensiblen Riechorgane. Zum Glück bietet die Reisetasche genügend Werkzeug zur Reparatur. Danach will ich erst einmal das Krankenhauspersonal einer Prüfung unterziehen. Ich drücke entschlossen den Rufknopf, draußen auf dem Gang ertönt eine Klingel und keine 20 Sekunden später steht Schwesternschülerin Nancy vor meinem Bett und darf mir liebevoll das Kissen aufschütteln. Nach zwei weiteren Rufen kenne ich auch Schwester Emily und Sarah. Ihnen trage ich die Entleerung von Ente und Bettpfanne auf. Sie schlagen sich wacker. Die vierte Testreihe indes geht daneben, Oberschwester Gutti entreißt mir das Klingelkabel und fesselt damit meinen linken Arm aus Bettgestell. Dabei wollte ich doch nur den Rücken gekratzt bekommen!
Ich erwäge gerade, den allzu langsamen Tropf einige Stufen schneller zu stellen, als mir die Anschlüsse für Sauerstoff und Pressluft ins Auge fallen, die aus einem Kabelkanal direkt neben meinem Kopfteil herausragen. Statt das Fenster aufzureißen und den Raum mit kalter Winterluft zu fluten, kann ich ab sofort auf Instant-Air zurückgreifen. Die halb leere Pressluftflasche in meinem Köfferchen wird auf Kosten der Krankenkasse schon bald wieder komplett gefüllt sein. Schon wartet die nächste Herausforderung: Alle Patienten im Zimmer schauen gemeinsam über eine 32-Zentimeter-Röhre ihr geliebtes Unterschichten-TV. Wächter der Fernbedienung ist der Stubenälteste, der sich in den letzten Wochen mit seinem Bett ans Fenster vorgearbeitet hat.
Um die Stimmung zu heben, ziehe ich aus meine Köfferchen ein paar Platinen, Kondensatoren und Dioden hervor. Schwups habe ich mir eine eigene Fernbedienung zusammengelötet. RTL, ARD, RTL, ARD – im Sekundentakt wechseln die Sender: Der Bedienungs-Battle in bester Castingshow-Manier hat begonnen. Irgendwann in der Nacht sinke ich siegreich in die Kissen zurück. Der Stubenälteste hat mit Krampf in Zeige- und Mittelfinger kapituliert. Für meinen zweiten Tag im Krankenhaus habe ich schon ein neues Projekt ausgeklügelt: Die biologische Evolution vom Röhren- zum Plasma-TV.
Gute Nacht wünscht
Ihr Dr. h.c. Thaedaeus Test
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