Ein Jahr Watchever: Das deutsche Netflix?

10.01.2014, 12:56 Uhr, ps

Was Netflix für die US-amerikanische Medienlandschaft ist, versucht der noch recht junge Video-on-Demand-Anbieter Watchever auf dem deutschen Markt zu werden. Seit ziemlich genau einem Jahr klotzt der VoD-Dienst nun schon kräftig ran, doch hat Watchever tatsächlich das Zeug zum deutschen Netflix?


Rund ein Jahr ist es her, dass ein neuer Player den Einstieg in den noch jungen deutschen Video-on-Demand-Markt wagte. Genauer gesagt sind es zum Zeitpunkt des Artikels schon ein Jahr und zwei Tage, denn am 9. Januar 2013 ging es los. Dabei hat wohl kein Anbieter bisher in so kurzer Zeit einen so nachhaltigen Eindruck hinterlassen, wie das Tochterunternehmen des französischen Mediengiganten Vivendi. Sogar als deutsches Netflix wurde Watchever schon des Öfteren bezeichnet. Doch was ist dran am vermeintlichen Ritterschlag?


Zunächst einmal stimmt es, dass Watchever genau wie der populäre US-Anbieter Netflix ausschließlich auf ein Abo-Modell setzt, bei dem der Kunde einmal monatlich zahlt und dafür eine Flatrate auf alle angebotenen Filme und Serien bekommt. Watchever bietet Neukunden dabei eine einmonatige Schnupperphase an, in der diese das komplette Angebot kostenlos antesten können. Danach zahlt der Kunde jeden Monat 8,99 Euro, wobei das Abo jedoch monatlich kündbar ist. Mit diesem Modell hat das Unternehmen auf dem deutschen Markt auf jeden Fall schon einmal einen Standard gesetzt, denn auch die anderen großen Anbieter wie Lovefilm oder Maxdome haben sich dahingehend angepasst, wobei Gratisphasen und monatliche Preise jedoch variieren. Zuletzt startete der Pay-TV-Anbieter Sky seine Online-Videothek Snap ebenfalls mit dem gleichen Geschäftsmodell.


Auch beim Angebot hat man sich bei Watchever nicht lumpen lassen. War dies zum Start vor einem Jahr noch etwas dünn, so baut man seither kontinuierlich aus. Dabei spielen neben Kinofilmen natürlich auch die aktuellen Top-Serien aus den USA und aus Großbritannien eine große Rolle. Die letzte Staffel von "Breaking Bad" beispielsweise zeigte Watchever im vergangenen Jahr nur wenige Stunden nach US-Ausstrahlung - ein Schachzug, der sogar zu vorrübergehenden Serverproblemen führte. Mit der vom ebenfalls zu Vivendi gehörenden Pay-TV-Anbieter Canal+ produzierten Serie "The Returned" hat der Anbieter mittlerweile sogar eine erste Exklusivserie im Angebot, die sich wirklich sehen lassen kann. Auch beim Kampf um Content ist der Wettbewerb zwischen den großen Anbietern durch Watchever ganz sicher nicht einfacher geworden. Es darf bezweifelt werden, ob ein Player wie Netflix hier auf dem komplizierten deutschen Rechtemarkt so einfach einen draufsetzen könnte.
 
Einen großen Pluspunkt, auch im Vergleich zu vielen anderen Anbietern, konnte Watchever hierzulande schon von Anfang an verbuchen: Die Verfügbarkeit auf möglichst vielen Endgeräten. Zwar lassen sich natürlich alle VoD-Dienste am PC nutzen, doch wer einen modernen Flatscreen-TV im Wohnzimmer stehen hat, der möchte die neuesten Filme und Serien verständlicherweise am liebsten auf diesem genießen - am besten in HD. Hier hat Watchever besser rangeklotzt als die meisten anderen Anbieter. Mittlerweile kann der Dienst auf Smart TVs von LG, Panasonic, Philips und Samsung genutzt werden. Zudem wird die Set-Top-Box Apple TV unterstützt, die Content direkt auf den Fernsehschirm bringt. Mithalten kann hier nur Maxdome, wo man beinahe alle großen Smart-TV-Hersteller und zusätzlich noch Set-Top-Box-Anbieter wie Humax, Technisat, Vantage und Videoweb unterstützt. Die Attraktivität von Apple TV hat man zudem bei Sky erkannt und bietet Snap auch darüber an.
 
Welchen Stellenwert Watchever tatsächlich nach einem Jahr am Markt hat, ist schwer einzuschätzen. Was konkrete Kundenzahlen angeht, geben sich die meisten Video-on-Demand-Anbieter nach wie vor sehr zurückhaltend. Unzweifelhaft haben die Franzosen jedoch bereits mächtig Eindruck auf dem deutschen Markt hinterlassen. Ob Watchever tatsächlich das Zeug zum deutschen Netflix hat, ist freilich alles andere als sicher. Die Konkurrenz rund um Lovefilm, Maxdome und Videoload hat bereits bewiesen, dass sie nicht schläft. Auch Sky Deutschland dürfte mit Snap in Zukunft ein gehöriges Wörtchen mitreden auf dem hiesigen Video-on-Demand-Markt. Möglich, dass dieser auch in Zukunft deutlich heterogener bleibt, als der US-amerikanische Markt.
 
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