Facebook-Seite von ORF.at geht offline

29.03.2019, 10:20 Uhr, PMa

Verbunden mit reichlich Kritik am Sozialen Netzwerk schließt der öffentlich-rechtliche Rundfunk aus Österreich seine "ORF.at"-Seite bei Facebook. So ganz kann man die Finger von der Plattform aber dann doch nicht lassen.


Die Facebook-Seite "ORF.at" wird am 1. April dicht gemacht. Der ORF gibt Facebook die Hauptschuld an der Entscheidung sich zurückzuziehen.


Gerade einmal 17 Monate sind vergangen, seit der ORF den Auftritt auf der Social-Media-Plattform am 5. Dezember launchte. Neben dieser Seite betreibt der Kanal eine Vielzahl von Pages bei Facebook zu einzelnen Sendungen, wie beispielsweise zur Nachrichtensendung "Zeit im Bild". Diese Seite bleibt Nutzern auch weiterhin erhalten.

Dass man künftig jedoch nur noch eine deutlich reduzierte Anzahl von Facebook-Auftritten betreibt und die Social-Media-Ressourcen bündelt, ist unter anderem die Folge von Facebooks ständigem Schrauben am Algorithmus, wie der ORF mitteilt.

Demnach verärgere Facebook nicht nur mit den Negativschlagzeilen der vergangenen Monate um Datenlecks, kommerzielle Nutzung von persönlichen Daten, der Verbreitung falscher Nachrichten, dem Umgang mit problematischen Inhalten, und der "steuerschonenden" Vorgangsweise des Konzerns. Vor allem immer wieder neue Änderungen am Algorithmus, der bestimmt, wer was in seinem Newsfeed zu Gesicht bekommt, erschweren in den Augen des ORF das Betreiben der Seiten.

So beschweren sich seit Jahren immer wieder Betreiber von Facebook-Seiten, dass die "organischen Reichweite", also der Zahl an Personen, die ein Posting in ihrer Facebook-Timeline sehen, schrumpft. Die Folge: Klickzahlen und Seitenbesuche schrumpfen. Für den ORF gestaltete sich die Entwicklung der "ORF.at"-Seite nach einem erfolgreichen Start zäh. Zuletzt sollen die Facebook-Zahlen eine durchschnittliche Reichweite von Postings ausgewiesen haben, die 16 Prozent der Abonnentinnen und Abonnenten entspricht.

Für ORF.at als öffentlich-rechtlichen Anbieter war es außerdem ausgeschlossen, mit Zahlungen an Facebook, Beiträge zu pushen. Diese Option wird von anderen Seiten-Betreibern oft genutzt, um die Reichweite der Postings zu erhöhen.

Abschließend macht der ORF nochmal seinen Unmut über den amerikanischen Internetriesen klar und schreibt: "Facebook ist also insgesamt nicht das einfachste Biotop für seriöse Nachrichtenmedien". Das Soziale Netzwerk sei vielmehr "ein Kooperationspartner, der gleichzeitig Konkurrent ist, der seine Spielregeln nicht kommuniziert und ständig ändert."

Ganz verabschiedet sich der ORF aber nicht von der Plattform. So werden die Facebook-Seiten einzelner Sendungen einfach in neue Senderauftritte für ORF eins und ORF2 überführt.

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