Facebooks Politik-Chef: Auch andere PR-Firmen angeheuert

22.11.2018, 15:30 Uhr, dpa

Facebook hat auf Kritiker und Konkurrenten mehr auf Schmutzkampagnen spezialisierte PR-Agenturen angesetzt als bisher bekannt.


"Ich wusste von der Entscheidung, Definers und andere ├Ąhnliche firmen zu engagieren, und billigte sie", schrieb der scheidende Politik-Chef Elliot Schrage in einem von Facebook am sp├Ąten Mittwoch ver├Âffentlichten internen Rundschreiben. Bisher ist nur die Arbeit von Definers f├╝r Facebook bekanntgeworden. Die Firma hatte unter anderem verbreitet, dass eine Organisation von Facebook-Kritikern von Finanzier George Soros unterst├╝tzt worden sei. Soros ist oft Ziel antisemitischer Anfeindungen und Verschw├Ârungstheorien, in die die Kampagne von Definers mit reinspielte.


Schrage r├Ąumte ein, dass Definers von Facebook den Auftrag bekam, sich mit Soros zu besch├Ąftigen, nachdem er Facebook im Januar 2018 beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos unter anderem als "Bedrohung f├╝r die Gesellschaft" kritisiert hatte. "Wir hatten solche Kritik von ihm zuvor nicht geh├Ârt und wollten ermitteln, ob er irgendeine finanzielle Motivation hat", verteidigte Schrage das Vorgehen. Zugleich schr├Ąnkte er ohne weitere Details ein, dass der Auftrag an Definers ohne sein Wissen ausgeweitet worden sei.
 
Die in dem Skandal ebenfalls in die Kritik geratene Gesch├Ąftsf├╝hrerin Sheryl Sandberg schrieb dazu, dass sie in der Vergangenheit ebenfalls Material mit Inhalten von Definers zu lesen bekommen haben - aber sich zuletzt nicht mehr an die Firma erinnern konnte. Es sei nie die Absicht gewesen, antisemitische Berichte ├╝ber Soros zu befeuern, betonte Sandberg, die selbst j├╝disch ist.
 
Schrage, dessen Abgang bereits vor Monaten angek├╝ndigt worden war, nimmt mit der ├ťbernahme der Verantwortung etwas Druck von Sandberg, die sich viel mit politischen Fragen besch├Ąftigt. Sein Nachfolger, der ehemalige britische Vizepremier Nick Clegg, soll die Arbeit mit PR-Beratern nun neu ordnen. Gr├╝nder und Chef Mark Zuckerberg habe sich gegen Einsatz externer Agenturen im Umgang mit Politik und Kritikern ausgesprochen. Zuckerberg hatte erkl├Ąrt, dass er erst aus einem Bericht der "New York Times" ├╝ber die Kampagnen von Definers f├╝r Facebook erfahren habe.

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