Hintergrund • Genelec 8250A

Akustik aufpolieren mit digitaler Raumkorrektur

 erstellt am 31.07.2013 von Torsten Pless
Unsere Welt wird zunehmend digital! Selbst klassische Bastionen bleiben nicht davor verschont. Die einstige Königskategorie in der bunten Hi-Fi-Welt – der Lautsprecher – wurde nach rein passiven Ursprungs im Laufe der Jahre aktiviert und später dann digitalisiert. Da die meisten technischen Errungenschaften unseres Alltags zunächst zum Wohle der Industrie gefertigt wurden, fand auch der Einsatz digitaler Signalprozessoren zunächst nur in Studiomonitoren statt.
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Nils Boden - Marketing Manager des Heilbronner Audiovertriebs Audio Export - war zu Gast im Audio-Testraum
Bild: Auerbach Verlag

Um mehr über die Möglichkeiten eines Mini-Rechnerchips in einem Lautsprecher zu erfahren, luden wir einen Fachmann zum Thema zu einem Fachgespräch ein. Nils Boden ist Marketing Manager des Heilbronner Audiovertriebs Audio Export und betreut unter anderem die aktiven Studiomonitore des finnischen Herstellers Genelec in Deutschland. Um uns mit den Vorzügen eines DSP-betriebenen Lautsprechers vertraut zu machen, hatte er den aktiven Nahfeldmonitor Genelec 8250A mit im Gepäck.
 
Um vorhandene Probleme mit der Raumakustik im Wohnzimmer oder Tonstudio auszugleichen, bieten sich zwei Möglichkeiten an: A) die Investition in Akustikmaterial oder B) die digitale Raumkorrektur mithilfe von Berechnungen. Um Variante B zu veranschaulichen, greifen wir auf folgende Tools zurück: Den Genelec-DSP-Lautsprecher und ein Einmesskit bestehend aus einem Interface, Mikrofon und der Messsoftware Genelec Loduspeaker Manager (GLM).
 
Im ersten Schritt verbinden wir einen Laptop per USB mit dem Interface, an dem das Messmikrofon angeschlossen ist. Da es sich bei dem diffusfeldentzerrten Kugelmikrofon um eine Genelec-Eigenentwicklung handelt, ist die exakte Frequenzkurve hinterlegt: Mikrofonund Interface-Unreinheiten kompensieren sich damit von selbst. Vom Interface ziehen wir ein Cat5-Kabel in Lautsprecher ein, von dem aus ein weiteres in den zweiten führt.
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Der gemessene Frequenzverlauf wird mit einer Referenzkurve aus einem schalltoten Raum verglichen
Bild: Auerbach Verlag

Zunächst durchlaufen wir die Standard-Software-Routine mit bereits vielfältigen Eingriffsmöglicheiten. Der GLM findet die Lautsprecher sofort und bietet uns die Möglichkeit das Stereoset auf maximal 30 Speaker und fünf Subwoofer zu erweitern. Mit einem Rauschsignal geschieht postwendend die Links-Rechts-Zuweisung, mit angeschlossenem Subwoofer würde sich das Bassmanagement automatisch dazuschalten.
 
Nachdem wir die Seriennummer des Messmikrofons eingegeben haben, beginnen wir mit unserer Single-Point-Messung, bei der die Laufzeiten auf den Hauptsitzplatz angeglichen werden. Das Ergebnis unserer Arbeit wird mit einer Referenzmessung aus einem schalltoten Raum verglichen. Das Ergebnis der Einmessung konnte uns auf ganzer Linie überzeugen. Für das richtige Zusammenspiel zwischen Lautsprechern und Raum empfehlen wir Ihnen die volle Ausbaustufe des Einmesssystems.
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Das Einmesskit gibt es in zwei Varianten: Interface, Messmikrofon und GLM-Software oder zum halben Preis ohne Mikrofon
Bild: Auerbach Verlag

Aus verschiedenen Filterarten wie Shelving, Notch sowie schmal- und breitbandiger Entzerrung, wählt die Software die passenden Filter für ein optimales Ergebnis aus. Der Acoustical-Settings-Editor zeigt alle Parameter der Messung übersichtlich an. Interessant: Das Messsystem arbeitet nur bis zu einem Grenzbereich von zwei Kilohertz.
 
Damit übernimmt Genelec die Behandlung akustischer Probleme im essenziellen Bereich, Eingriffe über den Wert hinaus müssen manuell vorgenommen werden. Bis auf einen Hi-Shelving-Filter zur eigenen Geschmacksanpassung nimmt die Messsoftware grundsätzlich keine Anhebungen vor. Getreu dem Motto "Weniger ist mehr" wird eine Beeinflussung umliegender Frequenzbereiche durch eine Anhebung vermieden.
 
 
Digitale Raumkorrektur:
  1. Anstelle eines analogen VCA-Reglers geschieht die Lautstärkesteuerung rein digital über internes Oversampling
  2. Ein Teil der DSP-Rechenleistung wird für die digitalen Frequenzweichen verwendet und soll so den Lautsprecherklang verbessern
  3. Zu etwa 90-95 Prozent wird der DSP zur Steuerung einer Software (GLM) genutzt, um raumakustische Probleme auszugleichen

Die Informationen in diesem Artikel basieren auf sorgfältiger Recherche und geben den Sachstand zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung wieder. Spätere Entwicklungen oder Updates sind aus diesem Grund unter Umständen nicht berücksichtigt. Für Hinweise auf möglicherweise überholte Informationen sind wir dankbar.
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