Gespaltene Stadt? ARD-Reportage über Cottbus nach Gewalt

11.08.2018, 12:00 Uhr, Anna Ringle

Die brandenburgische Stadt Cottbus wurde zu Jahresanfang Schauplatz von Gewalt zwischen Einheimischen und Flüchtlingen. Wie hat sich die Stadt danach verändert? Eine Reportage im Ersten zeigt Gespräche mit Bewohnern.


Cottbus in Brandenburg. Eine Stadt mit rund 100 000 Einwohnern, die in manch anderer Region in Deutschland wohl nicht besonders bekannt sein mag. Doch ungewollt geriet sie Anfang des Jahres bundesweit in die Schlagzeilen und in Nachrichtensendungen - wegen Gewalt zwischen Einheimischen und Flüchtlingen. Was hat das mit der Stadt gemacht? Eine Reportage des Rundfunks Berlin-Brandenburg zeigt Gespräche mit Bewohnern der Stadt. Das Erste strahlt "Wer ist das Volk? Cottbus in Aufruhr" an diesem Montag (21.45 Uhr) aus.


Die Macher der rund 30 Minuten langen Reportage begleiteten dazu fünf Menschen in der Stadt über mehrere Monate. Sie trafen sie zuhause, bei der Arbeit oder an öffentlichen Plätzen. Die Beispiele legen nahe, wie unterschiedlich die Haltung zu Migration sein kann. Ein arbeitsloser Cottbuser Mitte Fünfzig kommt in der Reportage vor, dessen Meinung über Flüchtlinge und Zuwanderungspolitik so oder in ähnlicher Form auf wiederkehrenden Demos in der Stadt zu hören ist.
 
Solche rechtsgerichteten Kundgebungen bekamen nach der geballten Gewalt zwischen Einheimischen und Ausländern kurzzeitig mehr Zulauf. In der Reportage sind Demo-Szenen aus den vergangenen Monaten zu sehen. Auch Rechtsextreme waren nach Polizeieinschätzung vereinzelt bei den Kundgebungen. Die Reportage schlägt auch immer wieder den Bogen zu einem Problem, mit dem Cottbus schon sehr lange zu kämpfen hat: rechte Strukturen in der Region.
 
Eine Cottbuser Journalistin der Tageszeitung "Lausitzer Rundschau" wird in dem Beitrag bei ihrer Arbeit gezeigt. Namentlich wird sie auf einer dieser Demos vom Rednerpult aus genannt. Stets wird auf solchen Kundgebungen gegen Medien gewettert, wie auch dieses Beispiel zeigt.
 
Zu Wort kommt in der Reportage auch ein Cottbuser Architekt, der sich für Sprachpartnerschaften mit Geflüchteten stark macht. Ein Bereitschaftspolizist berichtet zugleich von seinen Einsätzen in der Innenstadt. Nach den Vorfällen zu Jahresanfang wurde die Polizeipräsenz deutlich aufgestockt. Und der Innenminister von Brandenburg verfügte, dass zunächst keine weiteren Flüchtlinge aus der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes in die Stadt verteilt werden. Cottbus hatte davor im Vergleich zu anderen Städten in dem Bundesland mehr Flüchtlinge aufgenommen. Die Stadtverwaltung warnte auch deshalb vor Engpässen bei Schul- und Kitaplätzen.
 
Als fünftes Beispiel zeigt die Reportage einen jungen Mann aus Syrien, der nach Deutschland flüchtete. Sein Pädagogik-Studium musste er in seinem Heimatland abbrechen. Er engagiert sich in Cottbus als ehrenamtlicher Helfer in einem Kindergarten. Und hofft, hier in der Stadt beruflich Fuß zu fassen.
 
Aus den Gesprächen werden unter anderem diese Befürchtungen deutlich:  Dass sich ein Riss durch die Stadt ziehen und Gräben größer werden könnten. Die Fronten: pro und contra Migration. Nach den Aggressionen zu Jahresanfang hatte sich die Lage in der Stadt nach Einschätzung von Stadtverwaltung und Polizei wieder beruhigt. In der Zwischenzeit war aber wieder Gewalt aufgekeimt, zum Teil waren das auch Auseinandersetzungen zwischen Flüchtlingen.

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