Hintergrund • HD Plus vs. CI-Plus-Modul - Teil 2

HD Plus und CI Plus

 erstellt am 07.02.2012
 
 

HD Plus

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Der Versuch, mit einem HD-Plus-Receiver eine Sendung vorzuspulen, wird mit einer Warnmeldung quittiert: Die Restriktionen erlauben lediglich das Zurückspulen
Bild: Auerbach Verlag

 
Mit dem Start von HD Plus kamen auch neue Digitalreceiver auf den Markt, die speziell für den Empfang der hochauflösenden Sender optimiert wurden. Konkret bedeutet dies: Statt einer offenen CI-Schnittstelle wurde das Entschlüsselungssystem wieder im Gerät integriert (embedded). Damit wurde das Entschlüsselungssystem näher an die Hardware gebunden und ist damit auch "unempfindlicher" gegen Manipulation von außen – beispielsweise durch nicht zertifizierte Conditional Access Module (CAM).
 
Dem Rechteinhaber ermöglicht das System auch hier die zuverlässige Einhaltung der Restriktionen. Wie diese bei den reinen HD-Plus-Receivern umgesetzt werden, zeigte sich kurz nach dem Verkaufsstart der ersten Geräte. Time-Shift wird hier wirkungsvoll unterbunden bzw. eingeschränkt. Möglich ist zwar das Anhalten einer laufenden Sendung und auch das Zurückspulen ist aktuell gestattet. Der Versuch, eine Sendung vorzuspulen, wird allerdings entweder mit einer Fehlermeldung quittiert oder der Befehl wird von der Fernbedienung gänzlich ignoriert.
 
Schuld an diesen Einschränkungen sind hier nicht einmal unbedingt die Rechteinhaber (also beispielsweise Verwerter für Spielfilme oder Sportübertragungen), sondern die Sender selbst. Verständlich, finanzieren sich doch die Privatsender wie die RTL-Gruppe oder ProSiebenSat.1 über Werbung. Könnten Kunden nun problemlos die Werbeunterbrechungen überspringen, z. B. dann, wenn ein Film per Time-Shift erst 1 Stunde später angesehen wird, entgingen dem Sender wichtige Werbeeinnahmen. Aus diesem Grund wird explizit darauf geachtet, dass ein Vorspulen absolut unmöglich ist.
 
Anders sieht dies bei der eigentlichen Aufnahme aus. Hier gibt es erfreulicherweise deutlich weniger Einschränkungen. Grundsätzlich sind mit diesem Receiver-Typ Aufnahmen möglich. Sie werden allerdings ebenfalls verschlüsselt auf Speicherstick oder Festplatte abgelegt – eine spätere Bearbeitung am PC ist daher derzeit auch hier nicht möglich. Die vorgenannten Restriktionen bei Time-Shift gelten beim Abspielen der Aufnahme darüber hinaus ebenfalls: Anhalten ja, Vorspulen jedoch nicht. Kann sich der Nutzer mit diesen Vorgaben anfreunden, ist ein HD-Plus-Receiver zumindest einen Blick wert.

CI Plus

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Wird erstmals ein CI-Plus-Modul in den Receiver geschoben, muss dieses erst authentifiziert werden. Dieser Vorgang ist relativ zeitaufwendig und kann mehrere Minuten dauern
Bild: Auerbach Verlag

 
An dieser Schnittstelle scheiden sich die Geister. Regelmäßig eskalieren Diskussionen im Forum um diesen (Nicht-)Standard. Allein schon dieser Punkt sorgt für Streit. Bei CI Plus handelt es sich nämlich nicht um eine Weiterentwicklung des CI-Standards, sondern lediglich um eine Modifikation.
 
Diese beinhaltet eine neue Funktion, die die sogenannte Usage Rules Information (URI) auslesen kann. Jene im Datenstrom eingebundenen Kopierschutzflags (engl. Host Shunning Flags) ermöglichen es Inhalteanbietern, die Nutzung von CI-Plus-Geräten in verschiedenster Form einzuschränken (siehe Tabelle). Da es sich bei dieser Änderung aber um keinen verabschiedeten Standard des DVB-Konsortiums handelt, ist CI Plus auch kein Nachfolger des CI-Standards, was – wie bereits erwähnt – in Diskussionsforen immer wieder für hitzige Debatten sorgt.

Für noch mehr Aufreger ist natürlich die strikte Umsetzung der Beschränkungen bei Time-Shift und Aufnahmefunktionen verantwortlich. Nüchtern betrachtet wird dabei derzeit nur ein kleiner Teil der möglichen Restriktionen umgesetzt. Das Aufnehmen ist generell nicht möglich. Bei manchen Geräten startet die Aufzeichnung zwar scheinbar, in Wirklichkeit aber gibt es einen Zeitstempel, der das Abspielen nur in einem Zeitraum von 90 Minuten ab Beginn der Aufzeichnung möglich macht; danach ist die Aufnahme nicht mehr abspielbar.
 
Time-Shift ist grundsätzlich möglich, jedoch ebenfalls eingeschränkt. Zwar kann man die laufende Sendung anhalten, zu einem späteren Zeitpunkt fortsetzen und es gibt auch kein Vorspulverbot, jedoch gilt auch hier der enge Zeitrahmen von 90 Minuten. Das Anhalten einer Wiedergabe und eine Fortsetzung nach mehreren Stunden ist damit also auch nicht möglich. Aufnahmen auf Festplatte sind damit gänzlich untersagt.
 
Die Kritik der Gegner von CI Plus ist daher durchaus nachvollziehbar und berechtigt. Die andere Seite ist allerdings, dass niemand zur Nutzung der CI-Plus-Schnittstelle gezwungen wird. Verzichtet der Käufer auf den Empfang der HD-Plus-Plattform, lassen sich diese Geräte ganz normal als Fee-to-Air-Receiver (FTA) einsetzen. Auch wer nur Fernsehen schauen möchte, ohne Time-Shift und Aufnahmefunktion zu nutzen, kann ruhigen Gewissens auf CI-Plus-Receiver zurückgreifen.
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Im Beispiel finden sich in der Aufnahmeliste Mitschnitte über ein CI-Plus-Modul. Sobald der Zeitstempel von 90 Minuten abgelaufen ist, kann die Aufnahme nicht mehr wiedergegeben werden
Bild: Auerbach Verlag
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Wird dennoch eine Wiedergabe versucht, erscheint eine weitere Warnmeldung auf dem Bildschirm und der Receiver wechselt wieder auf das zuletzt gesehene Programm
Bild: Auerbach Verlag

Restriktionen im Überblick

Mögliche Einschränkungen von CI Plus Weitergehende Restriktionen:
eine Aufzeichnung kann komplett unterbunden werden erneute Verschlüsselung der Inhalte, um ein Abgreifen an anderen Schnittstellen zu vermeiden
eine Aufnahme ist möglich, die Wiedergabe wird aber zeitlich begrenzt (zwischen 6 Stunden und 61 Tagen) es kann nur eine Sendung gleichzeitig entschlüsselt werden; damit keine sinnvolle Nutzung von Twin-Tuner-Lösungen
zeitversetztes Fernsehen wird ganz unterbunden oder begrenzt (Beispiel CI Plus: nur bis 90 Minuten) Bindung des Gerätes an den Verschlüsselungsstandard von HD Plus – andere Pay-TV-Plattformen wie beispielsweise Sky sind nicht mit diesen Geräten nutzbar
Spulen wird komplett oder teilweise unterbunden es sind nur "HD ready"-zertifizierte TV-Geräte nutzbar, da das Signal verschlüsselt über das HDMI-Kabel übertragen wird
Fernsehaufnahmen werden an das jeweilige Aufnahmegerät gebunden; damit wird verhindert, dass Aufnahmen auf einem Datenträger auf einem anderen Gerät wiedergegeben werden können ein "Trust-Center" kann bei Verstößen gegen Kopierschutzrichtlinien Geräte aus der Ferne außer Betrieb setzen (in der Praxis ist hier bisher aber kein solcher Fall bekannt)
analoge Signalausgabe mit Kopierschutz (Macrovision) wird vorgeschrieben  

Zwangsupdate bei CI Plus

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Sobald eine neue Firmware für das CI-Plus-Modul bereitgestellt wird, ist der Nutzer gezwungen, dieses Update einzuspielen. Bis zur Aktualisierung wird die Entschlüsselung gestoppt
Bild: Auerbach Verlag



Dass die Restriktionen bei CI Plus teilweise sehr weit gehen, konnten wir während des Tests selbst hautnah erfahren. Nachdem wir in ein Testgerät unser Modul mit HD-Plus-Karte eingeschoben hatten, startete nach der Verifizierung kurz die Wiedergabe des HD-Plus-Programmes. Wenige Sekunden später jedoch blieb das Bild wieder stehen und es erschien die Warnmeldung 211. Diese verlangt vom Nutzer, ein Firmware-Update für das CI-Plus-Modul durchzuführen. 
 
Ohne Einspielen des Firmware-Updates ließ sich das Gerät nicht mehr zum Weiterbetrieb mit dem CI-Plus-Modul bewegen. Das Bild blieb nach dem Umschalten nach wenigen Sekunden stehen und wiederum erschien die Meldung. Erst nachdem wir mit "OK" bestätigten und das Update durchführten, war die Entschlüsselung der HD-Plus-Plattform wieder möglich.

Die Informationen in diesem Artikel basieren auf sorgfältiger Recherche und geben den Sachstand zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung wieder. Spätere Entwicklungen oder Updates sind aus diesem Grund unter Umständen nicht berücksichtigt. Für Hinweise auf möglicherweise überholte Informationen sind wir dankbar.
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Letzte Änderung: Dienstag, 07.02.2012