HbbTV-Pilotprojekt: Gebärdendolmetscher auf Knopfdruck

07.03.2012, 18:34 Uhr, fm

Was sich Hörbehinderte schon seit langer Zeit wünschen, könnte bald Wirklichkeit werden. Eine Salzburger Studie testet die Realisierbarkeit eines "Gebärdendolmetschers auf Abruf", der für echte Barrierefreiheit auf HbbTV-fähigen Empfangsgeräten nach Bedarf zugeschaltet werden kann.


Die Einblendung einer simultanen Gebärdenübersetzung hatte bisher mit dem Manko zu kämpfen, dass der Service von allen nicht hörbehinderten Zuschauern als störend empfunden wurde. Der Ansatz der Salzburger Entwicklungsfirma Global Communication and Services könnte das Problem nun lösen: Mit der Funktion des "Gebärdendolmetscher auf Abruf" sollen hörbehinderte Zuschauer den Übersetzer künftig als interaktiven Zusatzdienst auf HbbTV-Basis im Bedarfsfall aus dem Internet zuschalten können. Das gab die Rundfunk und Telekom Regulierungs-Gesellschaft (RTR) am Dienstag bekannt.
 
Die Digitalisierung des Rundfunks und der zunehmende Markterfolg hybrider TV-Empfangsgeräte schaffe die Rahmenbedingungen für den neuen Lösungsansatz, erläuterte Alfred Grinschgl, Geschäftsführer des Fachbereichs Medien bei der RTR. "Das Ziel besteht darin, eine technische Lösung zu entwickeln, mit der es für die Rundfunkveranstalter zukünftig möglich wird, zu TV-Sendungen eine Gebärden-Übersetzung als Internet-Stream anzubieten", so Grinschgl weiter.
 
Per Fernbedienung soll der Zuschauer den Dolmetscher dann auf den Bildschirm holen und auch die Größe der Einblendung individuell anpassen können. Zunächst soll die Realisierbarkeit entsprechender Dienste bis Ende Juli im Rahmen einer Studie mit begrenzter Teilnehmerzahl auf den Prüfstand gestellt werden. Danach sei gemeinsam mit einzelnen Rundfunkanstalten ein offener Testbetrieb für alle interessierten Zuschauer geplant.


Die Verwendung eines hybriden TV-Empfangsgerätes, das mit einem Breitband-Internetanschluss und HbbTV ausgerüstet ist, ist zwingende Voraussetzung für die Nutzung. Auf dem österreichischen Markt wird bereits seit 2011 der europäische Standard HbbTV in hybriden Fernsehern und Satelliten-Receivern aller namhafter Hersteller angeboten. Auch deutsche TV-Veranstalter nutzen den Standard, um programmbegleitende Dienste wie Mediatheken oder multimedialen Videotext zu realisieren.
 
"Eine der großen Herausforderungen für die Realisierung des 'Gebärdendolmetschers auf Abruf' ist die zeitliche Synchronisierung von Rundfunksignal und Internet-Stream", erklärte Friedrich Kranjnik von der Entwicklungsfirma. So ließen sich bei Live-Sendungen zwar beide Informationen parallel übertragen. Durch die abweichende Übermittlungsdauer auf den jeweiligen Übertragungswegen könne es jedoch zu einem ungewollten Zeitversatz kommen.


Barrierefreies Fernsehen wird seit geraumer Zeit auch bei einigen deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehendern thematisiert. So will die ARD will bis Ende 2013 alle Erstausstrahliungen im Ersten für gehörlose und schwerhörige Zuschauer mit Untertiteln versehen. Darüber hinaus plant die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt, künftig alle fiktionalen Formate sowie Tier- und Naturfilme im Hauptprogramm in einer Hörfilmfassung für blinde und stark sehbehinderte Menschen anbieten. In den Dritten Programmen, beispielsweise beim NDR, soll der Anteil der untertitelten Sendungen ebenfalls erhöht werden. Auch das ZDF will sein Angebot für Seh- und Hörbehinderte ausbauen.

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