IfW-Chef: Alte Regeln verlieren durch Digitalisierung Gültigkeit

11.09.2018, 13:03 Uhr, dpa

Angesichts fortschreitender Digitalisierung hat der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Dennis Snower, ein radikales Umdenken in der Bildungs- und der Wirtschaftspolitik angemahnt.


"Die Digitalisierung wird meines Erachtens zunehmend Routinearbeit übernehmen. Und das bedeutet, die alten Rezepte, sich weiterzubilden, sind einfach nicht mehr gültig", sagte er am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.


Selbst höher ausgebildeten Fachkräften drohe der Jobverlust, "wenn ihre Arbeit vorhersehbar ist", sagte Snower. Bei sozialen Kompetenzen, der Kreativität und "dem Sinn erzeugenden Zusammensein" hätten Menschen aber auch künftig einen Vorsprung gegenüber Maschinen. Snower forderte aus diesem Grund einen stärkeren Fokus von Schulen, Ausbildung und Studium auf soziale Kompetenzen wie Mitgefühl und Respekt vor anderen: "Jeder Student kriegt Noten, er wird für die eigenen Leistungen bewertet, und Teamarbeit steht erst an zweiter Stelle."
 
Das Tempo der Digitalisierung wird aus Sicht von Snower unterschätzt: "Man darf nicht vergessen, dass die Produktivität der Maschinen nach dem Mooreschen Gesetz steigt, alles verdoppelt sich alle zwei Jahre", sagte der 67-Jährige. Deutschland könne aber von der Entwicklung profitieren. "Deutschland hat heutzutage deshalb so viel Erfolg, weil es besonders der Mittelstand verstanden hat, wie man produzierendes Gewerbe mit Dienstleistungen verbinden kann."
 
Im Februar 2019 endet Snowers IfW-Präsidentschaft. Sein Nachfolger wird der österreichische Ökonom Gabriel Felbermayr (42). Derzeit ist Felbermayr Professor für Volkswirtschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität und Leiter des Zentrums für Außenwirtschaft am ifo-Institut in München.

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