Ist das Porno-Verbot auf Tumblr Grund für den Wertabsturz?

16.08.2019, 14:00 Uhr, rs

Gerade hat Tech-Multikonzern Verizon den Fotoblog-Provider zum Schleuderpreis verkauft – da nach dem Porno-Verbot von 2018 der Traffic ausbliebt. Wird der neue Besitzer trotz allem an der wirtschaftlich fatalen Zensurpolitik festhalten?


Tumblr gibt es ungefähr so lange wie private Internetverbindungen den Aufbau von Bildern im Browser in akzeptabler Geschwindigkeit ermöglichen. Als Pionier unter den Foto- und Bilderblogs wies die Plattform jedoch einen wesentlichen Unterschied zu sozialen Breitenmedien wie Instagram und Facebook auf: Die Zensurpolitik bei Tumblr war im Hinblick auf sexuelle und pornographische Inhalte äußerst liberal. Wo bei Facebook und Instagram die fotografische Abbildung einer weiblichen Brustwarze bereits als verwarnungswürdiger Verstoß gelistet ist und sogar zur Accountsperrung führen kann, tummelten sich bei Tumblr die Freizügigkeiten.


Zumindest bis der Multikonzern Verizon die Blog-Plattform für fast eine Milliarde Dollar akquirierte und dem schlüpfrigen Content einen Riegel vorschob. Da tatsächlich ein nicht unwesentlicher Teil der Foto-Uploads bei Tumblr freizügigen oder gar pornographischen Inhaltes waren und einer User-Befragung zufolge auch viele Besucher der Seite hauptsächlich solche Inhalte suchten, war ein Einbrechen des Traffics bei Tumblr von über 30 Prozent nach Inkrafttreten des Porno-Verbots kaum verwunderlich.

Und obwohl der Filter für pornographische Inhalte bis heute nur sehr lückenhaft wirksam ist, konnte Yahoo für Tumblr im Verkauf der Plattform nur 20 Millionen Dollar erlösen – etwas mehr als 5 Prozent der Ankaufsumme. Automattic Inc., der Käufer und jetzige Besitzer des Portals ist für das Content Management System WordPress ein Begriff, scheint aber aus der verhängnisvollen Entwicklung unter Verizon nicht gelernt zu haben: Man wolle zwar trotz des massiven Wertverlustes sämtliche der 200 Tumblr-Mitarbeiter weiter beschäftigen, aber trotz aller Warnzeichen am Pornographie-Verbot festhalten.

Es hätte auch alles ganz anders kommen können: Der Betreiber von Pornhub, dem größten Portal für pornographische Inhalte, hat sich ebenfalls unter den Bietern für die krisengeschüttelte Bilderplattform befunden – und hätte die Verbannung nicht jugendfreier Inhalte wohl sicherlich aufgehoben. So äußerte sich zumindest der CEO des Porno-Streaminganbieters, Corey Price: Man sei durchaus dafür, dass Menschen ihre sexuellen Bedürfnisse nicht nur passiv auf Porno-Portalen ausleben können. Er empfinde die rechte sexueller Communities, für die Domains wie Tumblr ein sicherer Hafen gewesen seien, als schützenswert und verurteile deren Verbot. Warum der Verkauf der Plattform an Pornhub nach einigen kolportierten Vollzugsmeldungen nicht erfolgt ist, scheint indes noch unklar zu sein.

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