Jugendmedienschützer nehmen "Family Guy" auf Viva ins Visier

21.11.2011, 12:49 Uhr, su

Erneut hat die KJM mehrere deutsche Privatsender wegen Verstößen gegen den Jugendmedienschutz-Staatsvertrag gerügt. Diesmal wurde unter anderem der Musiksender Viva wegen der Ausstrahlung der anarchischen Zeichentrickserie "Family Guy" im Tagesprogramm kritisiert.


Beanstandet wurde in dem am Montag veröffentlichten Prüfbericht die Episode "Peters Tochter", in der Zeichentrick-Vater Peter Griffin seine Tochter erschießt und in einer anderen Szene seine Freundin Megs mit einem Feuerlöscher misshandelt. "Die drastischen Gewaltdarstellungen sind geeignet, Kinder unter 12 Jahren zu verunsichern und zu verängstigen", urteilte die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM), die außerdem die Doppelfolge "Stewie killt Lois" / "Lois killt Stewie" kritisierte.
 
Auch das ProSieben-Wissenschaftsmagazin "Galileo" rückte diesmal in das Visier der KJM. Gleich in zwei Fällen stellte die Kommission eine Entwicklungsbeeinträchtigung für unter 16-Jährige fest.  So enthalte der 15-Minüter mit dem Titel "Die härtesten Gefängnisse der Welt" eine Vielzahl von massiven, drastischen Gewaltszenen. Vor allem die beschriebenen Tötungshandlungen sind dabei laut KJM aus Jugendschutz-Perspektive problematisch.
 
Ein weiterer Galileo-Beitrag, den die KJM kritisierte, setzte sich im Umfeld des Kinofilms "Die Hard" mit "Methoden zum Töten" auseinander. Die Medienhüter beschlossen, dass der Beitrag sowohl aufgrund der mehrfachen Wiederholung einer Genickbruchmethode als auch aufgrund eines Wurfes mit einem Sägeblatt erst ab 22 Uhr hätte gezeigt werden dürfen.
 
Erneut harte Kritik gab es für die Scripted-Reality-Produktion "X-Diaries – Love, Sun & Fun" auf RTL2. Wie bereits im zweiten Quartal dieses Jahres (DIGITALFERNSEHEN.de berichtete) stellte die Kommission auch diesmal Rundfunk-Verstöße durch die RTL2-Sendung fest. In sechs Fällen beanstandete die KJM eine Entwicklungsbeeinträchtigung für unter 16-Jährige. In weiteren zehn "X-Diaries"-Fällen kritisierte sie eine Entwicklungsbeeinträchtigung für unter 12-Jährige.
 
Ihre Entscheidung begründete die Kommission jeweils vor allem mit "der aufdringlichen Darstellung der Themen Sex und Alkohol und der derb-zotigen Sprachwahl". Die beanstandeten Folgen liefen montags bis freitags um 19 Uhr und wurden in der Folgewoche um 12 Uhr – direkt vor der Ausstrahlung verschiedener Zeichentrickserien – wiederholt.


Auch der Muttersender RTL fing sich eine Rüge der KJM ein. So zeigte der Kölner Privatsender zwei Trailer für einen "CSI-Event" im Tagesprogramm. Weil dabei Gewalt - und der Tod - indirekt über die ganze Länge präsent und sichtbar seien und entlastende Momente, wie ein "Happy End" fehlten, schätzte die KJM sie als entwicklungsbeeinträchtigend für unter 12-Jährige ein.
 
Moniert wurde zudem eine Aktion vom Radiosender 89.0 RTL, die bereits von der Medienanstalt Sachsen-Anhalt beanstandet wurde (DIGITALFERNSEHEN.de berichtete). In der Morningshow des Radiosenders ließ sich ein 39-Jähriger das Wort einer Automarke auf seinen Penis tätowieren, um das besagte Auto dann ein Jahr lang kostenlos fahren zu dürfen. Die KJM ist dabei der Auffassung, dass die unkritische und unreflektierte Darstellung der Tätowierung im Intimbereich - einer gerade für Pubertierende sehr privaten Zone - zu einer psychischen Destabilisierung von unter 16-Jährigen führen kann.
 
Insgesamt 27 Verstöße gegen die Bestimmungen des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags stellte die Kommission für Jugendmedienschutz im dritten Quartal dieses Jahres fest. 24 davon kommen aus dem Rundfunk-, drei aus dem Telemedienbereich. Bei der Aufsicht über den Rundfunk arbeitet die KJM Hand in Hand mit den Landesmedienanstalten: Sie beobachten, prüfen und bewerten potenziell problematische Rundfunkangebote und leiten - bei Feststellen eines Anfangsverdachts auf einen Verstoß gegen den JMStV - der KJM die entsprechenden Prüffälle zur Entscheidung zu.

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