Hintergrund • Kabelloses Heimkino

Mehr Platz im Wohnzimmer

 erstellt am 30.04.2013 von Torsten Pless
Kabel - kaum ein anderes Thema spaltet die Hi-Fi-Gemeinde so wie die Dickhäuter, die das Tonsystem zusammenhalten. Während die einen über Querschnitte und Materialien philosophieren, tauschen die anderen die alten Kabel gegen unsichtbare Lösungen. Wir prüfen die neuen Helferlein für ein (fast) kabelloses Heimkino.
 
 
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Denons AVR-3313 kombiniert Heimkino mit Netzwerkfähigkeiten. Datenstreaming, Bild- und Tonübertragung via Airplay und Gapless Playback sind seine Stärken
Bild: Denon

Folgendes Szenario findet man immer wieder in den verschiedensten Heimkinos vor: Direkt vor dem Fernseher steht ein AV-Receiver, um den sich Bluray- Player, Playstation, Sat-Empfänger und weitere Geräte reihen. Die Couch umkreisen mehrere Lautsprecher, die sich auf den Frontal,- Horizontal- und Medianebenen verteilen.
 
Da ein beschallter Nebenraum ebenso reizvoll ist, gehen weitere Lautsprecher in eine zweite Heimkinozone ab. Zu guter Letzt möchte man die Onlinemöglichkeiten nicht missen und verlegt ein Kabel vom Router im Keller bis in den ersten Stock. Um dem Kabelwahnsinn Herr zu werden, haben wir uns nach Alternativen umgesehen, die bei all ihrer Unsichtbarkeit dennoch die Qualität bewahren.
 
Ein Netzwerkkabel zu verlegen klingt zunächst ganz leicht, auch wenn sich Router und Empfangsgerät nicht den gleichen Raum teilen. Wenn aber auch Blu-ray-Player, Playstation und Sat-Receiver ins Netzwerk sollen, ist der erste Kabelsalat vorprogrammiert. Damit möglichst viele Kabel verschwinden, ist die einfachste Maßnahme, auf Wireless-LAN (WLAN) umzusteigen.
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Boses SoundLink Bluetooth Mobil Speaker II eignet sich zur Funkübertragung unterwegs
Bild: Bose
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Das Sender-Empfänger-Set RearStation 4 von Teufel ersetzt die Kabel zwischen den Lautsprechern. Damit lässt sich eine nahezu drahtlose Rückraumbeschallung einrichten
Bild: Teufel

Die meisten Router setzen bereits seit Jahren auf kabellose Übertragungsmöglichkeiten. Viele moderne Zuspieler haben bereits WLAN integriert, die meisten Netzwerkaudioplayer setzen parallel auf diesen Standard. Andere Hersteller bieten für ihre Geräte optionale Wifi-Dongles an, wie etwa Onkyo bei seiner aktuellen AV-Receiver-Reihe. Ist für ein Gerät keine Erweiterung vorgesehen, findet man in der IT-Branche unabhängige LAN-auf-WLAN-Übersetzer. Bei einer solchen Lösung verbindet man den Netzwerkanschluss des Hi-Fi-Gerätes mit dem Adapter, der per WLAN an den Router funkt. Aktuelle Geräte sind Netgears Universal Dual Band Wireless Internet Adapter (WNCE3001) oder der Belkin Smart TV Link. Wird aufgrund unzureichender Nähe keine optimale Verbindung zwischen Empfänger und Router erreicht, kann ein WLAN-Repeater wie der AVM FRITZ!WLAN Repeater 300E weiterhelfen.
 
Er stabilisiert die Funkstrecke und erhöht die Reichweite des WLAN-Netzes. Mit dem integrierten Verbindungsstandard WLAN 802.11n erhält man den kabellosen Hochgeschwindigkeitszugang obendrein. Damit sind theoretisch Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 300 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) möglich. Im direkten Vergleich bietet der weitverbreitete Funkstandard WLAN 802.11g Übertragungsraten bis 54 Mbit/s. Möchte man nun mit High-Speed funken, müssen Router und Empfänger den modernen Übertragungsweg unterstützen. Weicht eines der Geräte ab, gibt es als zweite Alternative die Übertragungsmethode per Powerline LAN. Dabei werden entsprechende Adapter in der Nähe der Funk- und Empfangsgeräte installiert und die Signale über das Stromnetz übertragen. Damit sind theoretisch Übertragungsraten bis zu 500 Mbit/s möglich. Fazit: Auch über alternative Übertragungswege erhält man eine gleichbleibende Qualität und lagert laute Netzwerkgeräte einfach aus dem Heimkino aus.
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Powerline-LAN-Adapter senden Datensignale innerhalb des Hausnetzes per Steckdose. Je nach Ausführung werden thoretisch höhere Geschwindigkeiten als mit WLAN erreicht
Bild: Devolo

Für den Filmgenuss besonders wichtig, für unser Auge jedoch nicht so schön, ist der Übertragungsweg per HDMI. Besonders bei der Kombination aus AV-Receiver und Projektor hört die Kreativität beim Verstecken des XXL-Kabels auf. Eine passende Lösung bieten sogenannte HDMI-Transmitter, die wir unter anderem beim Unternehmen CM3-Computer fanden. Das Nischendasein solcher Sendegeräte ist auf verschiedene Industriestandards und Kooperationen zurückzuführen. Eine globale Festlegung in Form einer Spezifikation der HDMI Licensing LLC ist bislang nicht in Sicht. Das vorliegende Sender-Empfängerset von CM3-Computer setzt auf das Wireless Home Digital Interface, kurz WHDI.
 
Es schickt HD-Bilder per Funk an bis zu 30 Meter (m) entfernte Flachbildfernseher oder Beamer. Dabei wird eine Übertragung von 3D- und ab WHDI 2.0 von 4K-Inhalten (4096 x 2160 Bildpunkte) garantiert. Der Transfer findet im 5-Gigahertz- Frequenzband (GHz) statt, in dem sich auch der WLAN-802.11n-Standard ansiedelt. In der Praxis kommen sich beide Signale dennoch nicht in die Quere und die kabellose Übertragung wird zu keiner Zeit unterbrochen. Einzig bei der Tonübertragung müssen Sie bei WHDI-Geräten Abstriche machen. Die hochaufl ösenden Mehrkanaltonformate der Blu-ray Disc werden heruntergerechnet, sodass nur der DTS-respektive Dolby-Digital-Kern übertragen wird.

Die Informationen in diesem Artikel basieren auf sorgfältiger Recherche und geben den Sachstand zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung wieder. Spätere Entwicklungen oder Updates sind aus diesem Grund unter Umständen nicht berücksichtigt. Für Hinweise auf möglicherweise überholte Informationen sind wir dankbar.
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