Karola Wille gibt ARD-Vorsitz ab - Bilanz nach zwei Jahren

27.12.2017, 10:02 Uhr, Andreas Heimann

Zwei Jahre lang war Karola Wille ARD-Vorsitzende. Am Jahresende ist Schluss. Die MDR-Intendantin macht keinen Hehl daraus, dass manches schwieriger war als erwartet. Und dass sie an manchen Stellen gerne noch weiter gekommen wäre, im Streit mit den Verlegern etwa.


Als MDR-Intendantin Karola Wille vor zwei Jahren ARD-Vorsitzende wurde, wusste sie im Groben, was auf sie zukommt. Aber sie hat kaum ahnen können, wie stark der Wind von vorn sein würde. Bei den Diskussionen über die Glaubwürdigkeit der Medien etwa oder bei der Auseinandersetzung mit den Verlegern, der noch einmal an Schärfe zugenommen hat. Nun gibt Wille den ARD-Vorsitz wieder ab. 
 
Sie erwarte eine Zeit enormer Herausforderungen, hatte sie im Januar 2016 gesagt. "Und genauso ist es gekommen. Ich habe damals auch gesagt "Die See ist rau geworden." Aber sie wurde dann noch rauer, als ich gedacht hatte." Wille erinnert an Tabubrüche und Grenzverschiebungen in den vergangenen zwei Jahren. "Dazu gehört für mich auch das Thema Staatsrundfunk, das ein Teil der öffentlichen Debatte geworden ist", sagt sie. "Wir haben auch einen Werteschwund. Mich beschäftigt schon, was in den sozialen Netzwerken teilweise los ist. Und wir erleben auch eine Ignoranz gegenüber Fakten."


Kritisch bewertet sie die Reaktionen auf den Bericht, den die ARD im September an die Rundfunkkommission der Länder überreicht hat: "Das Papier ist in der öffentlichen Wahrnehmung ein Einsparpapier, was ihm nicht gerecht wird", sagt sie. Positive Entwicklungen sieht sie beim Thema Vertrauen in die Medien: Nach den Kölner Silvesterereignissen habe es intensive Diskussionen zu Qualitätsfragen im Journalismus gegeben. "Wir haben uns in der ARD kritisch hinterfragt: Trennen wir immer sauber zwischen Nachricht und Kommentar, zwischen Fakten und Meinung?"
 
Es sei richtig gewesen, diese Qualitätsdiskussion öffentlich und intensiv zu führen. "Wir haben versucht, transparenter in der journalistischen Arbeit zu werden und zu erläutern, was wir wie warum machen." Wichtig sei auch ein offener Umgang mit Fehlern. "Es ist aus meiner Sicht sogar demokratieförderlich, wenn man sagt, was man falsch gemacht hat", betont die ARD-Vorsitzende.
 
Wille sieht sich durch aktuelle Studien zum Thema Glaubwürdigkeit bestätigt, die zeigten, dass das Vertrauen in die Medien nach wie vor hoch sei. "Eine Studie der Universität Würzburg zeigt außerdem, dass es den Medien ein Stück besser gelungen ist, dem von rechtspopulistischen Parteien verbreiteten Eindruck entgegenzutreten, ihre Berichterstattung sei politisch gefärbt und von oben gesteuert", erklärt Wille. "Das heißt, die Debatten, die wir auch als ARD geführt haben, waren wichtig, um hier entgegenzuwirken."
 
Zur Glaubwürdigkeit gehöre die differenzierte Abbildung der Lebenswirklichkeit, auch der im Osten Deutschlands: "Man kann sie nicht auf Rechtsradikalismus und Kriminalität reduzieren. Sie ist vielfältiger und facettenreicher, mit Blick auf Themen, auf die Leistungen der Menschen und ihre Meinungsbilder", betont die MDR-Intendantin. "Wir sind hier noch nicht am Ende des Weges angekommen, sondern sollten daran arbeiten, dass die Lebenswirklichkeit im Osten bundesweit stärker reflektiert wird."
 
Nicht zufrieden ist Wille mit den Diskussionen mit den Zeitungs- und Zeitschriftenverlegern. Die Positionen etwa im Streit um die Frage, was die ARD in ihren Apps und im Internet darf und was nicht, haben sich eher verhärtet. Es sei ihr Ziel gewesen, die Kooperationen mit anderen Qualitätsmedien zu stärken. "Und dazu gehörte dann auch, den Streit mit den Verlegern zu beenden", sagt Wille. Nach einer langwierigen Diskussion mit Höhen und Tiefen sei es leider nicht gelungen, den gordischen Knoten durchzuhauen. Wille plädiert aber dafür, die Gespräche fortzusetzen und bietet den Verlagen an, sie in der Auseinandersetzung mit Internet-Giganten wie Google beim Thema Leistungsschutzrecht zu unterstützen.

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