Kika-Betrugsfall: MDR erhält Akteneinsicht

10.12.2010, 12:07 Uhr, mw

Der Mitteldeutsche Rundfunk MDR und der Kinderkanal von ARD und ZDF erhalten Akteneinsicht im Falle des wegen Untreue angeklagten Kika-Mitarbeiters. Zudem schaltete der MDR eine auf Wirtschaftskriminalität spezialisierte Anwaltskanzlei ein.


Wie der Sender am Freitag mitteilte, hat er eine sofortige und detaillierte Untersuchung aller Geschäftsprozesse des Kika, die mit dem beschuldigten Mitarbeiter in Verbindung stehen, angeordnet. Diese wird von der Revision des MDR geführt. Zudem hat der MDR eine in Frankfurt am Main beheimatete Anwaltskanzlei angeheuert.
 
Die Überprüfung der Geschäftsvorgänge der vergangenen Jahre wird einige Zeit in Anspruch nehmen. "Wir wollen, dass vorbehaltlos und zügig alles ans Licht kommt, was der Mitarbeiter durch kriminelles Verhalten an Schaden verursacht hat. Außerdem erwarten wir uns Erkenntnisse darüber, wie es möglich war, die bestehenden Kontrollmechanismen auszuhebeln und wie wir durch weitere Verschärfung der Maßnahmen solche Vorfälle zukünftig möglichst verhindern können", sagte Kika-Programmgeschäftsführer Steffen Kottkamp.


TV-Produktionen setzten sich zusammen aus einer Vielzahl von Dienstleistungen sowie Anmietungen von Technik und Personal, die schwerer nachzuvollziehen und im Nachhinein zu überprüfen seien als die Anschaffung von Gegenständen oder Material. "Der Gesamtetat des Kika beträgt laut Wirtschaftsplan 2010 rund 85,7 Millionen Euro. Davon verbleiben rund 37,3 Millionen Euro am Standort Erfurt, die restlichen Mittel verbleiben bei den Landesrundfunkanstalten der ARD sowie beim ZDF", so Kottkamp. Den größten Teil davon investiert der Kinderkanal in die Realisierung des Programms und kooperiert dabei mit einer Vielzahl spezialisierter Dienstleister- und Zulieferfirmen.
 
"Wie man in diesem Zusammenspiel zu noch mehr Überprüfbarkeit kommt, ohne eine bürokratische Lawine auszulösen, ist und bleibt ein Abwägungsprozess, mit dem wir uns in den nächsten Tagen und Wochen auseinandersetzen müssen", sagte MDR-Unternehmenssprecher Dirk Thärichen. Nach dem bisherigen Ermittlungsstand bestehe der Verdacht, dass der betreffende Mitarbeiter seine Position missbraucht und mit hoher krimineller Energie Betrug und Untreue begangen hat, sagte Thärichen. Laut Medienberichten soll der Beschuldigte krankhaft spielsüchtig gewesen sein. Der MDR wolle diesen Hinweisen nachgehen, so der Sprecher.

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