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  • Hintergrund • Kinofrequenz - Ästhetischer Kinolook

  • Umso höher, desto flüssigere Bilder?

 erstellt am 10.05.2010 von Falko Theuner

Aufnahmen mit 24 Vollbildern je Sekunde (24 p) gelten für viele als unabdingbares Kriterium des "Kinolooks". Wir stellen daher die Frage: Welche Wirkung hat die Frequenz auf die Produktion und Rezeption von Filmen im Allgemeinen und bei aktuellen Beispielen wie "The Dark Knight" oder "Cloverfield"?

 
 

Eigentlich könnte man meinen, dass Frequenzen nur in einer Richtung zur Verbesserung des Sehvergnügens beitragen: Umso höher, desto flüssiger sind auch die Bewegungsabläufe. Warum also auf die uralten 24 Hertz zurückgreifen, die doch eigentlich eher aus einer Not heraus entstanden sind? Vor ungefähr 100 Jahren überlegte man sich nämlich, ab welcher Frequenz das menschliche Auge so ausgetrickst werden kann, dass der Zuschauer die Illusion eines bewegten Bildes vor sich hat.
 

Trägheit des Auges


Gleichzeitig musste die bestehende Technik ausreichen, um die entsprechende Drehgeschwindigkeit bei der Aufnahme und der Vorführung durchgängig aufrechtzuerhalten. Außerdem sollten auch Kosten gespart werden, wobei eine niedrigere Bildrate einen geringeren Verbrauch an Filmmaterial bedeutete.
 
Als Ergebnis entstand 24 p und niemand störte sich daran. Ungefähr 120 Millisekunden benötigt das menschliche Nervensystem, um eine neue visuelle Information zu verarbeiten. Bei oben genannter Frequenz genug Zeit also, um etwas mehr als zwei Bilder zu zeigen bzw. das alte Bild unbemerkt durch ein neues zu ersetzen. Nur der Wechsel selber ist hier problematisch. Eine Bewegung des Negativs, während es belichtet wird, hätte eine Unschärfe zur Folge.
 
Gelöst wird diese Schwierigkeit durch eine Blende, die sich schließt, sobald der Film weitergespult wird. Die Belichtungszeit eines Bildes beträgt demnach weniger als 1/24 Sekunde. Beim Vorführen gilt das gleiche Spiel: Die Übergänge zwischen den Bildern werden bei analogen Kinoprojektoren durch die Blende kaschiert. Würde sie nicht ständig schließen, könnte man einen schwarzen Querstreifen über die Projektionsfläche wandern sehen. Obwohl also jede 24stel Sekunde ein Bildwechsel stattfindet, sieht das Publikum fast die Hälfte der Darstellungszeit über eine schwarze Fläche, ohne dass es sie aktiv wahrnimmt.
 
Selbt beim Skydiving produziert die stabile Arriflex 235 ruhige Bilder
Bild: Arri

24 Nachteile


Aus heutiger Sicht sind höhere Frequenzen im Kinobereich außer in punkto Kosten für Filmmaterial kein Problem mehr. Eigentlich müssten sie sogar erwünscht sein, denn 24 p weist zahlreiche Nachteile auf, die eigentlich besonders in der Produktion auffällig sind. Zum Beispiel können Aufnahmen mit einer hohen Geschwindigkeit, sprich Actionaufnahmen, unsaubere und abgehackte Bewegungsabläufe aufweisen, wenn der Zoom oder der Kameraschwenk nicht ausreichend vorsichtig gehandhabt werden.
 
Überhaupt muss eine in 24 Vollbildern je Sekunde aufnehmende Kamera viel langsamer bewegt werden als eine, die höhere Aufnahmegeschwindigkeiten nutzt. Dank professioneller Kameraarbeit und Nachbearbeitung werden selbst bei Kinofilmen mit Handkamerabewegungen diese Ungleichmäßigkeiten vermieden, wobei ein permanentes Grundruckeln durch die niedrige Abspielfrequenz unumgänglich ist.
Doch wieder zurück zu unserer Frage, wie 24p zum Kinolook beiträgt.
 
Wenn Sie einen Flachbildfernseher mit starker Bewegungsglättung besitzen, können Sie ja mal einen kleinen Test machen. Die "Motion Compensation"-Einstellung ist eigentlich dafür gedacht, das divergente Ruckeln zu beseitigen. Dafür werden Zwischenbilder generiert, die automatisch die Hertzzahl nach oben treiben. Im Ergebnis sind Kameraschwenks flüssiger und schärfer.
 
Wenn Sie jetzt einen "vorsichtig" gedrehten Hollywoodstreifen schauen und die Bewegungsglättung einschalten, könnten Sie den Eindruck erhalten, Sie sehen eine einfache TV-Produktion. Diese werden nämlich üblicherweise in fernsehtauglichen 50 bzw. 60 Halbbildern die Sekunde ("interlaced video") aufgenommen. Sicherlich hängt dieser Effekt auch vom jeweiligen Film ab. So wirken die Heimkinovarianten von "Das Bourne Ultimatum" und bald auch "Cloverfield" mit ihrer hyperaktiven Kameraführung in einer Camcorder gleichen Frequenz viel authentischer. Umgekehrt verlieren z. B. Nachrichtenaufnahmen an Glaubwürdigkeit, sobald sie in 24 p erfolgen, da sie zu sehr an den "Filmlook" erinnern.

Die Informationen in diesem Artikel basieren auf sorgfältiger Recherche und geben den Sachstand zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung wieder. Spätere Entwicklungen oder Updates sind aus diesem Grund unter Umständen nicht berücksichtigt. Für Hinweise auf möglicherweise überholte Informationen sind wir dankbar.
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