MDR sagt Podiumsdiskussion mit Neonazi ab

16.08.2019, 12:15 Uhr, rs

Nach heftiger Kritik und dem Rückzug zweier Rundenteilnehmer hat der Sender die TV-Debatte nun gecancelt. Im Vorfeld hatte es sogar Morddrohungen gegeben.


Als klar wurde, dass mit dem AfD-Politiker Arthur Österle ein bekennender Neonazi beim MDR zur Gesprächsrunde geladen war, ging ein Aufschrei durch sämtliche öffentlichen Kanäle:


Die TV-Dokumentation "Chemnitz – ein Jahr danach" thematisiert die folgereichen Ausschreitungen rund um ein Tötungsdelikt in der sächsischen Stadt, das sich 2018 ereignet hatte. Der Wirbel um die Darstellung der Sachverhalte kostete damals nicht nur den Chef des Bundesverfassungsschutzes sein Amt – es entfachte auch eine hochemotionale Debatte um rechte Gewalt und deren etwaige Verharmlosung durch staatliche Institutionen erneut.

Nun sollten unter anderem der MDR-Programmdirektor, die Chemnitzer Oberbürgermeisterin mit dem rechtsextremen Politiker vor der Kamera die dokumentarische Aufarbeitung der Ereignisse diskutieren – doch öffentlicher Widerstand regte sich rasch. Georg Restle, Chefredakteur des ARD-Magazins Monitor, äußerte sich mit drastischen Worten auf Twitter und erhielt infolgedessen sogar Morddrohungen.

Nachdem der MDR an der Einladung des AfD-Mannes trotz Kritik festhalten wollte, sagten zwei zuvor bestätigte Studiogäste ihre Teilnahme an der Podiumsdiskussion kurzerhand  ab. Daraufhin blieb dem MDR nicht mehr viel übrig, außer die Gesprächsrunde gänzlich abzublasen. MDR-Programmdirektor Wolf-Dieter Jacobi äußert sich dahingehend enttäuscht: "Wir bedauern die Absagen sehr, da wir gern den breiten Dialog geführt hätten".

Stattdessen wird ein Gespräch mit den Machern des Dokumentarfilms ausgestrahlt – als Notnagel sozusagen.

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