Macht McKinsey krumme Geschäfte mit Saudi Arabien?

22.10.2018, 10:06 Uhr, PMa

Das US-Beratungsimperium könnte dem Regime in Riad Namen von Kritikern genannt haben. Mit verheerenden Folgen für die Betroffenen.


Die "New York Times" veröffentlicht eine Geschichte mit Gänsehaut-Garantie. Darin ist die Rede von einer Zusammenarbeit zwischen dem US-amerikanischen Unternehmen McKinsey und dem Regime in Saudi Arabien. Demnach soll McKinsey einen Bericht erstellt haben, der dem Regime Aufschluss über die öffentliche Wahrnehmung gibt. Im Detail gehe es darin um die von Saudi-Arabien im Jahr 2015 angekündigten wirtschaftlichen Sparmaßnahmen.


In dem Bericht, den die US-Zeitung offen legt, wird deutlich, wie aktiv das Regime in Riad in sozialen Netzwerken ist. Der neunseitige Bericht handelt davon, dass die Maßnahmen vor allem dort (meist negativ) diskutiert wurden. Wie MCKinsey herausgefunden haben will, wurde die Diskussion auf der sozialen Plattform Twitter vor allem von Schriftsteller Khalid al-Alkami, Omar Abdulaziz, ein junger Dissident in Kanada und einem anonymen Nutzer namens Ahmad geführt. Es ist zu lesen, wie es die von der Beraterfirma gesammelten Informationen gegen Kritiker verwendet haben soll.
 
Laut "New York Times" wurde einer der drei Genannten nach der Veröffentlichung des McKinsey-Berichts verhaftet. Die Regierung habe außerdem zwei Bücher des Dissidenten Omar Abdulaziz in Beschlag genommen und sein Handy gehackt. Auch für den dritten im Bunde hatte der Bericht Folgen. Der Twitter-Account von "Ahmad" wurde geschlossen.
 
Laut "Spiegel Online" zeigt sich das Unternehmen McKinsey in einer Erklärung bestürzt. Dort sei man "entsetzt" von der Möglichkeit, dass der Bericht missbraucht worden sein könnte und betont auf Twitter: "Wir wurden nie von einer Behörde in Saudi-Arabien beauftragt, einen Bericht jeglicher Art oder in irgendeiner Form zu erstellen, um Kritiker zu identifizieren."
 
Darüber hinaus soll dem Bericht zufolge übrigens eine sogenannte Trollfarm in Riad eingerichtet worden sein. Auch ein mutmaßlicher Spion ist demnach in das US-Unternehmen Twitter eingeschleust worden. Dieser soll Benutzerkonten eingesehen und überwacht haben.

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