Medientreffpunkt: Erfolg von DAB Plus nicht sicher

03.05.2011, 10:58 Uhr, js

Die Erfolgsaussichten für DAB Plus sind ungewiss. Das hat eine Diskussionsrunde auf dem bis Mittwoch (4. Mai) stattfindenden Medientreffpunkt Mitteldeutschland in Leipzig ergeben.


Das Hauptproblem sahen die Vertreter von privaten und öffentlich-rechtlichen Radioveranstaltern bei einer Diskussionsveranstaltung am Montag in der mangelnden Verbreitung von DAB-Plus-fähigen Radiogeräten. Erwin Linnenbach, Sprecher der Geschäftsführung von Regiocast, brachte dieses Dilemma auf den Punkt: "Der linke Schuh ist da, der rechte aber nicht".
 
Obwohl die Verbreitung von DAB-Plus-Angeboten technisch kein Problem sei, würden zum Sendestart am 1. August nur sehr wenige Leute in der Lage sein, diese Angebote auch zu nutzen. Nach Ansicht Linnenbachs ist es nicht einfach, den Verbraucher zum Kauf eines Digital-Radio-Empfängers zu überreden, wenn dieser noch gar nicht wisse, was er damit empfangen könne.


Ein weiteres Problem stellt die Verfügbarkeit in den Geschäften dar. Willi Steul, der Intendant des Deutschlandradios, wurde bei der Suche nach einem DAB-Plus-Radio erst im dritten Fachgeschäft fündig. Steul ist sich sicher, dass ein normaler Kunde sich nicht die Mühe gemacht hätte, sondern im ersten Laden ein UKW-Radio gekauft hätte. Um die Rückstände aufzuholen, sei die Zeit zu knapp, so Regiocast-Sprecher Linnenbach.
 
Immerhin hätte der Handel im Bereich Auto aufgeholt. Mittlerweile sei es kein Problem mehr ein neues Auto zu kaufen, in dem ein DAB-Plus-Radio eingebaut sei, sagte Linnebach. Der springende Punkt sei den Hörern klar zu machen, welche Chancen Digitalradio biete. 
 
Die Vorteilen von DAB Plus liegen unter anderem bei dem flächendeckend Empfang in ganz Deutschland. Ziel sei es langfristig auf die Verbreitung über Lang- und Mittelwelle verzichten zu können, die laut Steul jährlich 12 Millionen Euro Gebührengelder kostet. Neben der besseren Audioqualität als beim UKW-Rundfunk spreche ebenfalls die Vielfalt für den digitalen Empfang vom Radio. Die Vielfalt biete die großen Chancen, die dem digitalen Radio den Durchbruch ermöglichen könnte. Mit DAB Plus könne man eine Vielzahl von neuen Sendern zu den Hörern bringen.
 
Ein erfolgreiches Beispiel für die Etablierung des Digitalradios sei die Schweiz. So habe Radio Energy in der Schweiz eine neue UKW-Frequenz erhalten, die eine viel geringere Reichweite habe als vorher. Trotzdem habe sich die Zahl der Hörer nicht verringert, wie eine Analyse gezeigt habe. Für Christophe Montague, Geschäftsführer von NRJ International Operations sei klar, dass die Hörer sich neue Wege gesucht haben ihren Sender zu empfangen, unter anderem DAB Plus.
 
Gerd Bauer, Direktor der Landesmedienanstalt Saarland,  erklärte indes, dass ihm die österreichische Kollegen versichert hätten, wenn DAB Plus in Deutschland ein Erfolg werde, so würde Österreich nachziehen.

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