Medientreffpunkt: TV-Apps sind Zukunft

08.05.2012, 16:43 Uhr, rh

Während des diesjährigen Medientreffpunktes Mitteldeutschland wurde auch über die aktuellen Entwicklungen im Bereich TV-Apps diskutiert. Einig waren sich die Teilnehmer darin, dass die Mini-Anwendungen neue Chancen mit sich bringen. Allerdings müssten auch neue Regularien her.


Im Rahmen der Podiumsdiskussion "Apps & Portale – Gatekeeper für Inhalte?", welche in Zusammenarbeit mit dem Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) entstand, diskutierten Vertreter des MDR, der Medienanstalten, des Einkaufssenders Home Shopping Europe 24, des Kabelanbieters Tele Columbus sowie von Broadcast Sachsen (BCS) über die Relevanz von TV-Apps.
 
Einigkeit herrschte bei den Teilnehmern darüber, dass die aktuellen Entwicklungen nicht verpasst werden dürfen. "Es handelt sich um eine Chance, die man nutzen muss. Aber auch um eine Entwicklung die Handlungsbedarf in Bezug auf Regularien hervorruft", resümierte Oliver Buch vom Mitteldeutschen Rundfunk sein Eingangsstatement.
 
Einen Einblick in die Nutzungsdaten des Hörfunksenders Hitradio RTL gewährte Geschäftsführer Tino Utassy. Demnach würden die Apps des Senders von einem Achtel der Nutzer über den klassischen Radiokonsum hinaus genutzt. "Es werden Wetter- oder Musikinformationen extra abgerufen und wir können genau nachverfolgen, bei welchen Songs der Nutzer zum Beispiel wieder abschaltet", zeigte er die Vorteile der App-Nutzung für den Sender auf.


Eine gesteigerte Anbindung zu den Nutzern bestätigte auch Julian Oberndörfer  von Home Shopping Europe 24, sieht diese aber ebenfalls auch als neue Herausforderung an. "Bereits mit Facebook und Twitter haben wir uns den neuen Marktgegebenheiten angepasst und jetzt müssen wir natürlich sehen, wo die Mediennutzung in Zukunft liegt, um uns dementsprechend zu platzieren", erklärte er.


Dietmar Schickel, Geschäftsführer des Kabelanbieters Tele Columbus, betonte zwar ebenfalls die positiven Seiten der verstärkten App-Nutzung, mahnte aber zur Geduld. Zwar würden seiner Meinung nach bis Ende des Jahres 40 Millionen Flachbildschirme in den deutschen TV-Haushalten stehen, von denen 15 Prozent über einen Internetanschluss verfügen. "Aber zwischen Anschluss herstellen und Anschluss nutzen sehen wir immer noch eine große Differenz", erklärte Schickel weiter.
 
Wenn Apps und Widgets auf Fernsehgeräten dann allerdings genutzt werden, müsse man sich Gedanken machen, wie Apps für alle Anbieter akzeptabel platziert werden könnten, betonte Oliver Buch. "Da geht es ganz einfach um die Wahrnehmbarkeit durch den Verbraucher". Dem fügte Tino Utassy von Braodcast Sachsen bei, dass der Veranstalter daran interessiert sei, dass Nutzer über eine Google-Suche nach Radio Dresden oder Radio Leipzig direkt bei den jeweiligen offiziellen Internetauftritten landen und nicht bei der Plattform Radio.de. "Da beginnt für mich die Gatekeeperfunktion. Diese Plattformen nehmen unser Programm, fahren es runter und schalten ihre Spots drüber. Das wollen wir nicht".
 
In Bezug auf die parallele Nutzung eines Zweitgerätes, beispielsweise eines Smartphones oder Tablet PCs, zeigte sich Oliver Buch skeptisch." Die Entwicklung Second Screen wird sehr gehypt. Aber ich kann die Massenbewegung noch nicht erkennen".

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