Medienwissenschaftler: Zahlbereitschaft für Online-Inhalt steigt

14.06.2018, 11:13 Uhr, Andreas Heimann

Der "Reuters Institute Digital News Report" zählt zu den wichtigsten Studien zur Mediennutzung. Die Daten aus 2018 zeigen die ein oder andere Überraschung und hier und da auch einen Lernprozess.


Die jährlichen Daten aus dem "Reuters Institute Digital News Report" zeigen, wie Onliner Nachrichten nutzen. Positiv überrascht habe ihn, dass die Bereitschaft, für Nachrichten im Internet Geld auszugeben, in allen Altersgruppen angestiegen sei, sagte Sascha Hölig vom Hans-Bredow-Institut für Medienforschung in Hamburg. Es veröffentlicht am Donnerstag die deutsche Teilstudie zu der weltweiten Erhebung.


Frage: Was sind aus Ihrer Sicht die Ergebnisse, die Sie am wenigsten erwartet haben?
 
Antwort: Bei der Zeitschriften- und Zeitungsnutzung haben wir in den vergangenen Jahren einen negativen Trend beobachtet. Und wir sehen jetzt zum ersten Mal, seit wir die Daten erheben, dass Tageszeitungen wieder an Bedeutung gewonnen haben. Es wird interessant, den Wert im nächsten Jahr zu beobachten, ob das nur eine statistische Schwankung war oder ob tatsächlich mehr dahinter steckt. Das Zweite, was mich auch gefreut hat, ist, dass die Bereitschaft, für Nachrichten im Internet Geld auszugeben, in allen Altersgruppen angestiegen ist.
 
Frage: Die sozialen Medien spielen für die Nachrichtennutzung keine große Rolle und legen auch nicht zu.
 
Antwort: Das ist etwas, das wir nicht nur in Deutschland beobachten, sondern auch in anderen Ländern. Wir sehen, dass die Bedeutung sozialer Medien für die Nachrichtennutzung nicht ansteigt oder sogar zurückgeht. Soziale Medien sind eine interessante Sache, aber nicht in erster Linie für Nachrichten. Nachrichten sind eher Beifang, während man von seinen Freunden Bilder anguckt.
 
Frage: Aber warum stagniert die Nutzung jetzt, nachdem sie lange Zeit gewachsen ist?
 
Antwort: Die Menschen bekommen mit, dass nicht alles, was auf sozialen Medien kommuniziert und geteilt wird, etwas mit Journalismus zu tun hat. Sie merken, dass es da auch viele interessensgeleitete Verbreitung und gefälschte Informationen gibt und dass man sich besser bei professionellen Quellen über das Weltgeschehen informieren kann. Da gab es schon eine Art Lernprozess. Der User ist realistischer und skeptischer geworden, was soziale Medien angeht und weiß auch, was er an Qualitätsjournalismus hat.
 
Frage: Aber das Internet beim Nachrichtenkonsum ist nicht mehr wegzudenken, für die 18- bis 24-Jährigen ist es sogar die wichtigste Quelle.
 
Antwort: Klar. Aber es sind auch im Internet die Angebote klassischer Medien, die dort hauptsächlich genutzt werden. Die Anbieter kommen eher aus dem traditionellen Nachrichtengeschäft. Und insgesamt spielt Nachrichtennutzung im Internet in Deutschland sogar eine vergleichsweise geringe Rolle. Das Fernsehen ist viel wichtiger, Zeitungen sind es auch, gerade im Vergleich zu anderen Ländern.
 
Frage: Woran liegt das?
 
Antwort: Ein wichtiger Aspekt für die Internetnutzung bei der Suche nach Nachrichten ist die Medienlandschaft insgesamt. Und da lebt man in Deutschland schon in einer sehr hochwertigen Medienumgebung. Bei aller Kritik wird Zeitungen und öffentlich-rechtlichen Medien schon vertraut. Das ist in vielen anderen Ländern weniger so.
 
Frage: Nachrichten lesen viele nur noch am Smartphone.
 
Antwort: Das Smartphone wird für die Nachrichtennutzung immer wichtiger, was aber nicht heißt, dass man am Abend auf die Hauptnachrichtensendung im Fernsehen verzichtet. Aber zwischendurch, wenn man auf den Bus wartet oder in der Bahn steht, scannt man schnell mal die Nachrichten-App. Und das wird auch in den höheren Altersgruppen immer mehr so sein.
 
Zur Person 
Sascha Hölig, geboren 1976, studierte Kommunikationswissenschaft, Soziologie und Philosophie in Jena und Tampere (Finnland). Von 2007 bis 2011 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Empirische Kommunikationswissenschaft des Instituts für Medien und Kommunikation der Uni Hamburg. Seit 2013 ist er Senior Researcher am Hans-Bredow-Institut.

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