Milliardärsproblem: Reiche kaufen + löschen unliebsame Seiten

02.02.2018, 12:00 Uhr, tk

Was tun, wenn Supperreiche ihnen unliebsame Internetseiten einfach kaufen und deren Inhalte löschen? Ein aktueller Fall hat die amerikanische Freedom of the Press Foundation zu einer Gegenmaßnahme inspiriert.


Das US-Newsportal "Gawker" hatte 2007 den IT-Investor und Milliardär Peter Thiel gegen seinen Willen geoutet. Der blieb nicht tatenlos, sondern finanzierte Hulk Hogan einen Rechtsstreit mit dem Portal. Das hatte nämlich Ausschnitte eines Videos, was den Ex-Wrestler beim Sex mit seiner Freundin zeigt, veröffentlicht. Am Ende des Verfahrens musste "Gawker" Insolvenz anmelden, da es zu 140 Millionen US-Dollar Schadensersatz verurteilt wurde.


Gawker.com ist aber weiterhin online. Es darf zwar keine neuen Artikel mehr veröffentlichen, aber die alten Artikel, inkl. dem Text zur Homosexualität des Milliardärs, sind weiterhin abrufbar. Jetzt will Peter Thiel aus der Insolvenzmasse die Domain und vor allem das Archiv kaufen. Er äußert sich nicht zum Grund, aber es liegt nahe, dass er alles vom Netz nehmen will bzw. ihn betreffende Artikel löschen.
 
Die ganze Sache hat die amerikanische Freedom of the Press Foundation auf den Plan gerufen. Sie hat sich gefragt: Was, wenn Superreiche einfach unliebsame News-Seiten aufkaufen und deren Inhalte verschwinden lassen? Zusammen mit dem Webarchiv "Internet Archive" werden nun unter www.archive-it.org die Inhalte von gekauften News-Seiten gerettet. Sie bleiben weiterhin abrufbar. Gut für "Gawker" und auch für die Wochenzeitung "LA Weekly" aus Los Angeles. Die hat einen neuen anonymen Eigentümer und die Befürchtung besteht, dass auch er deren Inhalte löschen will.
 
In einem Interview am Mittwoch sagte Parker Higgins, Leiter des Sonderprojekts der amerikanischen Freedom of the Press Foundation: "Wenn sie [Milliardäre] wissen, dass diese Art von Attacke nicht das Internet von solchen Inhalten säubern wird, dann lohnt es sich vielleicht gar nicht erst, den Angriff auszuführen."

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