Millionenbetrug beim Kika wegen System-Schwächen

11.12.2010, 10:09 Uhr, fp

Wegen Schwächen im Kontrollsystem blieb laut MDR-Erkenntnissen der Millionenbetrug beim Kindersender Kika lange Zeit unentdeckt.


So hatte der verhaftete Herstellungsleiter Marco K. die Summen gestückelt, um sie unter einer bestimmten Grenze zu halten, berichtet das Nachrichtenmagazin Focus am Samstag vorab.

Zudem wurden die Rechnungen von zwei Mitarbeiterinnen abgezeichnet, die dem Beschuldigten unterstellt waren. Der MDR überprüft nun laut Focus, ob diese von K. unter Druck gesetzt worden sind.


Der Kika-Herstellungsleiter K., der möglicherweise an Spielsucht leidet, soll durch fingierte oder überhöhte Rechnungen des Berliner Produktionsunternehmens Koppfilm den Sender innerhalb von fünf Jahren um vier Millionen Euro betrogen haben. Das erschwindelte Geld sollen sich der ehemalige Geschäftsführer der inzwischen insolventen Koppfilm GmbH und der Kika-Mitarbeiter geteilt haben.

Eine externe Kontrolle des Kika ist schwierig, weil die Aufsicht über den Spartenkanal, der von ARD und ZDF gemeinsam betrieben wird, zwischen den Anstalten rotiert. Im mutmaßlichen Betrugszeitraum lag sie laut dem Nachrichtenmagazin beim Hessischen Rundfunk und dem ZDF.
 
Wie das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" unterdessen berichtet, beschäftigt die Aufsichtsgremien vor allem die Frage, wie es einem einzigen Mitarbeiter erlaubt sein kann, Buchungen in Höhe von bis zu 500 000 Euro zu veranlassen. Eigentlich ist das nur Direktoren und Hauptabteilungsleitern vorbehalten. Doch offenbar gab es für den beschuldigten Herstellungsleiter Marco K. eine Sonderregelung. Anweisungsberechtigungen seien im Sender formal geregelt, sagt der MDR, der die Geschäfte des gemeinsam von ARD und ZDF betriebenen Kindersenders lenkt. "Aufgrund der Organisation des Kika" sei nicht nur dem Programmgeschäftsführer als Hauptabteilungsleiter eine Anweisungsberechtigung erteilt worden, sondern "ebenso dem suspendierten Mitarbeiter".

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