Nach Sky-Ausstieg: Weniger Zuschauer für Formel 1

10.08.2018, 18:33 Uhr, red

Die Formel-1-Saison 2018 hatte noch nicht begonnen, da gab es bereits den ersten Aufreger: Im Januar hatte Sky bekanntgegeben, die Königsklasse des Motorsports nicht mehr zu übertragen.


Für die Kunden des Bezahlsenders war das ein herber Schlag, denn viele haben Sky vor allem wegen der werbefreien Formel-1-Übertragungen abonniert. Die wenig befriedigende Alternative: RTL mit Werbeunterbrechungen im Halbstundentakt.
 
Für den Kölner Sender war das Sky-Aus natürlich ein Segen. Er profitierte von seiner Monopolsituation und erreichte beim ersten Rennen der Saison die besten Quoten seit vier Jahren: 2,58 Millionen sahen sich den Großen Preis von Australien auf RTL an. 2017 waren es 310.000 Zuschauer weniger. 260.000 Abonnenten, die das Rennen damals auf Sky verfolgten, griffen nun offensichtlich auf RTL zurück.
 
Rückläufige Quoten gegenüber 2017
Beim zweiten Saisonrennen in Bahrain hatten sich die Quoten mit 4,72 Millionen Zuschauern fast verdoppelt. Das lag jedoch vor allem an der Startzeit am späten Nachmittag, während der Große Preis von Australien am Sonntagmorgen deutscher Zeit übertragen wurde. Als Vettel als Sieger die Ziellinie in Bahrain überquerte, schauten zwar 6,44 Millionen Menschen auf RTL zu, doch die Quoten lagen deutlich unter denen des Vorjahres.
 
In den folgenden Rennen entwickelten sich die TV-Quoten für RTL positiv. So sahen 5,21 Millionen Fans den Großen Preis von Monaco. Das bedeutete einen neuen Rekord für 2018, doch auch hier gibt es ein Aber: Die Zahlen entsprachen zwar denen von 2017, doch damals hatte Sky 510.000 Zuschauer - wo waren die geblieben? Liegt es an der fehlenden Spannung in der Formel 1? Eher unwahrscheinlich, betrachtet man die aktuellen Quoten für Sportwetten auf Ergebnisse in der Formel 1. Ein Sieg in der Fahrerwertung durch Sebastian Vettel erscheint hier beinahe ebenso wahrscheinlich wie ein Gesamtsieg Hamiltons, was im Umkehrschluss eigentlich für eine spannende Saison sprechen sollte.
 
Ausnahme: das letzte Rennen in Deutschland
Grund zur Freude gab es bei RTL in diesem Jahr dennoch: Das Rennen in Hockenheim Ende Juli, der vorerst letzte Große Preis von Deutschland, fesselte 6,12 Millionen Zuschauer. Mehr als sechs Millionen - ein Wert, der weder 2017 noch bei den Übertragungen zuvor in diesem Jahr zustande kam. Der Marktanteil von 38,2 Prozent wurde nur bei den Morgenrennen von Australien und China übertroffen.


Wie die TV-Quoten 2018 in Summe ausfallen werden, muss man abwarten. Im vergangenen Jahr meldete Liberty Media, Eigentümer der Formel 1, in den 20 wichtigsten Märkten ein Zuschauerplus von rund sechs Prozent gegenüber 2016. Bei RTL und Sky betrug das Wachstum allerdings weniger als ein Prozent. Zum Vergleich: In Italien waren es 19 Prozent, in Brasilien 13 Prozent. Auch in China (plus 42 Prozent), der Schweiz und Dänemark (je 14 Prozent mehr) interessieren sich immer mehr Menschen für die Formel 1.
 
Die Formel 1 muss neue Wege gehen
Alles in allem haben sich die Zuschauerzahlen in Deutschland in den letzten 15 Jahren von durchschnittlich zehn Millionen pro Rennen etwa halbiert. Und so ist die Formel 1 auch weiter auf der Suche nach Ideen, wieder mehr Menschen für die Duelle zwischen Vettel, Hamilton & Co. zu begeistern. So bietet Liberty Media seit dem Sky-Rückzug mit F1 TV einen werbefreien (aber nicht kostenlosen) Livestream im Internet an.
 
Dass das Internet eine wichtige Schnittstelle zur Zielgruppe ist, hat die Formel 1 nun endlich verinnerlicht, nachdem Bernie Ecclestone die sozialen Medien geradezu gemieden hatte. Die Followerzahlen auf Facebook, Twitter, Youtube und Instagram waren 2017 um 55 Prozent angestiegen. Vor allem Videos werden gut angenommen und so wird hinter den Kulissen weiterhin daran gearbeitet, die Fans bei Laune zu halten.

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